Aufgehübscht zurück aufs ParkettChrysler will Staat loswerden
Ein sattes Absatzwachstum 2010 und schon sind fast alle Krisenprobleme bei Chrysler vergessen: Der US-Autobauer will seine Rückkehr aufs Börsenparkett nun vorziehen. Zudem will die Fiat-Tochter ihre Staatsschulden vor dem IPO begleichen und sich so attraktiver für die Anleger machen.
Der US-Automobilhersteller Chrysler hat das vergangene Jahr mit einem deutlichen Absatzplus abgeschlossen und will noch vor seinem Börsengang alle Schulden bei der US-Regierung begleichen. Dies sei die wahrscheinlichste aller Optionen, sagte Chrysler-Chef Sergio Marchionne. "Unsere Priorität ist es, eine Struktur auf den Weg zu bringen, bei der sich Chrysler nur noch den Finanzmärkten verantworten muss."
Ende September schuldete der Konzern, der vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert wird, dem US-Finanzministerium 5,7 Mrd. Dollar und Kanada 1,2 Mrd. Dollar. Laut Marchionne hätten die Kosten zur Finanzierung dieser Schulden dazu beigetragen, dass Chrysler im abgelaufenen Jahr trotz des Verkaufs von 1,6 Millionen Fahrzeugen keine schwarzen Zahlen geschrieben habe.
IPO eher als gedacht
Der Chrysler-Chef stellte zudem einen früheren Börsengang als bisher gedacht in Aussicht. Der Gang aufs Parkett könne bereits im dritten Quartal dieses Jahres erfolgen, kündigte Marchionne an. Bisher war das vierte Quartal anvisiert worden. Chrysler würde damit dem Beispiel von General Motors folgen. Die Opel-Mutter war im vergangenen Jahr sehr erfolgreich an die Börse zurückgekehrt.
Auslandsabsatz lässt hoffen
2010 verkaufte Chrysler weltweit 1,6 Millionen Fahrzeuge und damit 17 Prozent mehr als 2009. Chrysler sei nun in der Lage, bei einem Absatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen operativ die Gewinnschwelle zu erreichen, sagte Marchionne. Bislang mussten 1,6 Millionen Fahrzeuge verkauft werden, um operativ schwarze Zahlen zu schreiben.
Künftig werde Chrysler mehr Fahrzeuge außerhalb der USA absetzen können, da der US-Hersteller inzwischen Zugriff auf das Vertriebsnetz von Fiat habe, sagte Marchionne.
Fiat hatte sich im Zuge der Insolvenz von Chrysler 2009 an dem Automobilhersteller aus Auburn Hills beteiligt. Vor wenigen Tagen hatte Fiat ihre Beteiligung an der Chrysler Group LLC auf 25 Prozent von 20 Prozent aufgestockt. Anfang Januar hatte Marchionne, der auch Vorstandschef von Fiat ist, angekündigt, dass der italienische Automobilhersteller seine Beteiligung an Chrysler noch dieses Jahr auf über 50 Prozent erhöhen könne, falls Chrysler an die Börse zurückkehrt.