"Kein Grund zum Jubeln"Coba überrascht positiv
Die von der Finanzkrise und der Übernahme der Dresdner Bank arg gebeutelte Commerzbank schafft im ersten Quartal den Rückkehr in die Gewinnzone. Vorstandschef Blessing spricht von einem wichtigen Meilenstein. In der Frage der Jahresprognose bleibt der Manager allerdings äußerst vorsichtig.
Die Commerzbank hat dank der Erholung an den Finanzmärkten die Gewinnwende geschafft. Mit einem Nettogewinn von 708 Millionen Euro schnitt die zweitgrößte deutsche Bank im ersten Quartal 2010 weit besser ab als Finanzexperten ihr zugetraut hatten.
Nach einem Verlust von 864 Millionen Euro vor Jahresfrist hatten die Analysten lediglich einen Gewinn von 473 Millionen Euro erwartet. Für die Wende zum Besseren verantwortlich war im ersten Quartal der Handel mit Wertpapieren. Das Handelsergebnis steuerte allein 850 Millionen Euro zum Quartalsgewinn bei, ein Jahr zuvor hatte es das Ergebnis noch um mehr als eine halbe Milliarde Euro gedrückt.
Finanzvorstand Eric Strutz wollte sich aber weiterhin nicht darauf festlegen, dass auch zum Jahresende schwarze Zahlen zu Buche stehen: "Im Gesamtjahr werden wir im Konzern nur dann schwarze Zahlen sehen, wenn Konjunktur und Finanzmärkte mitspielen", betonte er. Erst nach dem Ende des ersten Halbjahres wolle die Bank die Erwartungen konkretisieren.
"Handelsergebnis sehr volatil"
Vorstandschef Martin Blessing sieht die Commerzbank trotzdem im Plan: "Damit haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur vollen Profitabilität erreicht", sagte er. Bis 2012 will die Commerzbank auf einen operativen Gewinn von vier Milliarden Euro kommen, spätestens 2011 sollen auch unter dem Strich wieder schwarze Zahlen stehen. Für das laufende Jahr gilt das bisher nur für die Kernbank, das Deutschland-Geschäft mit privaten und mittelständischen Kunden, die Osteuropa-Töchter und die Kapitalmarktaktivitäten.
"Die Zahlen sind gut, aber es gibt noch keinen Grund zu Jubeln", sagte Merck-Finck-Experte Konrad Becker. "Das Handelsergebnis ist sehr volatil, da kann im nächsten Quartal etwas ganz anderes stehen", mahnte er.
Engagement in PIIGS-Staaten
Die Commerzbank ist in den im Blickpunkt der Märkte stehenden Staaten am Rand der Euro-Zone mit 26,5 Milliarden Euro engagiert. Die PIIGS-Staaten - Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien - werden wegen der griechischen Schuldenkrise kritisch beäugt. Allein in Griechenland hielt die Commerzbank Ende des ersten Quartals unverändert Staatsanleihen von 3,1 Milliarden Euro. Das meiste Geld hat die Commerzbank mit 10,7 Milliarden Euro in Italien investiert, gefolgt von Spanien mit 9,8 Milliarden.
Doch die Commerzbank bewertet die Risiken daraus gering: Es sei derzeit nicht davon auszugehen, dass es zu Ausfällen von Ländern der OECD kommen werde. Daher dürfte es auch "keine nennenswerte Belastung" durch Risikovorsorge geben, teilte das Institut mit. Die teilverstaatlichte Bank will ihr Geschäft mit Staatsfinanzierungen (Public-Finance-Portfolio) bis Ende 2011 auf 100 Milliarden Euro zurückfahren, in diesem Jahr wurde es bisher nur um vier Milliarden auf 125 Milliarden Euro abgebaut.
Probleme bei Schiffen und Immobilien
Dagegen musste die Commerzbank zu Jahresbeginn erneut ihr Portfolio strukturierter Produkte (ABS) abschreiben, was zu einem Verlust aus Finanzanlagen von 119 Millionen Euro führte. Die Risikovorsorge fiel mit 644 Millionen Euro um ein Viertel niedriger aus als vor einem Jahr und um die Hälfte geringer als im Quartal davor. In der Unternehmensfinanzierung wurden sogar mehr Rückstellungen aufgelöst als neu gebildet.
In der Schiffsfinanzierung und im Immobiliengeschäft blieb die Commerzbank in der Verlustzone. Vor allem in den USA bereiten gewerbliche Immobilienfinanzierungen Probleme. Ferner sei zu erwarten, dass mehr Schiffskreditnehmer wacklig würden, hieß es im Quartalsbericht. Dagegen schrieb das Bankhaus in der "Portfolio Restructuring Unit" (PRU), in der sie intern toxische und andere problematische Papiere gebündelt hat, um sie langsam abzubauen, schwarze Zahlen. Sie hatte die Bilanz vor einem Jahr noch mit 1,4 Milliarden Euro belastet.