Entscheidung Ende MärzDegi-Immofonds vor Aus
Die Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management führt Gespräche mit Anlegern des Immobilienfonds Degi Global Business. Dieser ist in den vergangenen Monaten massiv abgewertet worden. Laut Aberdeen-Manager Hartmut Leser will ein Anteil der Anleger nun raus aus dem Fonds.
Der massiv abgewertete offene Immobilienfonds Degi Global Business steht offenbar auf der Kippe. Ein signifikanter Anteil der Anleger stehe vor der Tür und möchte raus, sagte der Vorstand der Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management, Hartmut Leser.
Aberdeen versuche derzeit, diese Investoren davon zu überzeugen, dass der neu bewertete Fonds wieder die Chance auf eine positive Wertentwicklung habe. "Wenn wir das nicht schaffen, dann werden wir den Fonds liquidieren und das Geld zurückgeben." Bis Ende März solle mit allen Investoren gesprochen werden. Dann werde entschieden.
Die Gesellschaft hatte vor einer Woche den 2005 vorrangig für Großinvestoren aufgelegten Fonds wegen Problemen mit Gebäuden in Osteuropa um 21,6 Prozent abgewertet - dieses Ausmaß ist einmalig in der Geschichte der offenen Immobilienfonds in Deutschland. Schon seit November nimmt Aberdeen wegen Liquiditätsproblemen keine Anteilsscheine am Degi Global Business mehr zurück.
Komplett eingefroren
Leser bekräftigte, dass bei den wichtigen Flaggschiffen von Aberdeen Immobilien in Deutschland - dem Degi International und dem Degi Europe - keine ähnlich drastischen Wertberichtigungen zu erwarten seien wie beim vergleichsweise kleinen Degi Global Business. Der Degi Europe sei in den zwölf Monaten zum 31. Januar um 2,4 Prozent abgewertet worden, der Degi International um drei Prozent.
"Wir sehen auch keinen Anlass für eine außerplanmäßige Bewertung", sagte Leser. Die beiden Fonds sind seit November komplett eingefroren - das heißt, es werden weder Anteilsscheine ausgegeben noch zurückgenommen. Aberdeen arbeite daran, durch den Verkauf von Objekten die Fonds liquider zu machen, um sie dann wieder öffnen zu können. "Aber der Immobilienmarkt insgesamt hat noch nicht wieder angezogen, und potenzielle Käufer bekommen auch ihre Finanzierung schwerer gestemmt. In den Fonds sind große Gebäude, und wir wollen Immobilien im Wert von 200, 300 Millionen Euro nicht verschleudern."
Degi von Dresdner Bank übernommen
Als Konsequenz aus den Problemen der offenen Immobilienfonds werde Aberdeen "langfristig nur noch dort investieren, wo wir selber mit Standorten vertreten sind", kündigte Leser an. Dies sei ohnehin genereller Standard bei den anderen Aberdeen-Produkten.
Aberdeen hatte die Degi Anfang 2008 von der Dresdner Bank übernommen. Spätestens seit die Dresdner Bank im Frühjahr 2009 mit der Commerzbank verschmolzen wurde, kam der durch die Immobilienkrise ohnehin schwierig gewordene Vertrieb der für Privatanleger aufgelegten beiden großen Degi-Fonds noch mehr ins Stocken. In Zukunft strebe Aberdeen in Deutschland daher vor allem einen Ausbau des institutionellen Geschäfts an, sagte Leser.