Wirtschaft

News-TickerDer Test im Überblick

23.07.2010, 14:45 Uhr

Seit Wochen warten die Finanzmärkte auf die Ergebnisse aus der Belastungsprobe im europäischen Bankensektor. Damit alles im Blick bleibt, zeigt n-tv.de die wichtigsten Entwicklungen in chronologischer Reihenfolge.

Europaweit haben 91 Geldinstitute an dem Stresstest teilgenommen, davon 14 aus Deutschland. Die Ergebnisse der Tests wurden um 18.00 Uhr (MESZ) von der Aufsichtsbehörde in London veröffentlicht. Mit dem späten Zeitpunkt sollen überhitzte Reaktionen an den Finanzmärkten vermieden werden.

Die aktuelle Nachrichtenlage im Überblick:

+++Bank von Spanien: Unser Finanzsystem ist total solide +++

Die Belastungsproben seien von einem höchst unwahrscheinlichen Szenario wirtschaftlichen Verfalls ausgegangen, betont der Gouverneur der Banco de España, Miguel Angel Fernández Ordóñez in Madrid. "Unter normalen und vorhersehbaren Bedingungen ist das spanische Finanzsystem total solide."

+++Griechenland: Werden finanzielle Stabilität der ATEBank gewährleisten+++

+++Postbank sieht sich ausreichend kapitalisiert+++

Die Postbank sieht sich auch nach dem knapp ausgefallenen Stresstest, dem sich 91 europäische Banken unterziehen mussten, ausreichend kapitalisiert. Die Liquiditätsausstattung der Bank sei "sehr solide", sagt Vorstandsvorsitzender Stefan Jütte. Die Kapitalisierung der Bank will Jütte "wie geplant" ausbauen. Dabei geht der Vorstandschef den bereits eingeschlagenen Weg weiter und baut die Risiko-Portfolien der Bank weiter ab.

+++Stresstests bestätigen Stärke des Systems+++

EU, EZB und Bankenaufsicht CEBS ziehen eine positive Bilanz der Stresstests. Die Überprüfung der Institute habe die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensystems insgesamt bestätigt, erklären EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und die CEBS. Die Tests seien ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens der Märkte. Banken, die zusätzliche Mittel benötigten, sollten das Geld über den privaten Sektor beschaffen. Notfalls könnten die Institute mit Kapitalbedarf aber auch auf den Staat zurückgreifen.

+++Hypo Real Estate braucht weitere zwei Milliarden Euro+++

Der marode Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate bekräftigt nach dem mangelhaften Abschneiden beim europäischen Stresstest, weiteres Kapital zu benötigen. Insgesamt seien zehn Mrd. Euro notwendig, aber erst 7,87 Mrd. Euro bewilligt, teilt das mittlerweile verstaatlichte Institut mit. Hätte die Bank das Geld bereits, wäre sie in allen Szenarien auf eine Kernkapitalquote von über sechs Prozent gekommen.

+++Sieben europäische Banken fallen durch+++

Beim Stresstest europäischer Banken fallen sieben der 91 überprüften Institute durch, darunter alleine fünf spanische Institute. Außer ihnen und der deutschen HRE bestand die griechische ATEBank die Belastungsprobe im strengsten Szenario nicht. Alle sieben blieben unter der geforderten Kernkapitalquote von 6,0 Prozent.

+++Schäuble: Test positives Signal für deutsche Banken+++

"Es ist ein positives Signal, dass ausnahmslos alle teilnehmenden deutschen Banken die aufsichtsrechtlichen Anforderungen auch im unwahrscheinlichen Fall eines schweren Wachstumseinbruchs erfüllen", erklärt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin. Das Resultat für den vom deutschen Staat übernommenen Immobilienfinanzierer HRE sei ein Sonderfall, weil die eingeleitete Neustrukturierung noch nicht berücksichtigt worden sei. Ungeachtet des insgesamt erfreulichen Ergebnisses bleibe "die Notwendigkeit bestehen, weitere Fortschritte bei der Konsolidierung des Landesbankensektors zu erreichen", sagt der Minister.

+++Bankexperte warnt vor Selbstzufriedenheit+++

"Auch wenn es nur die HRE erwischt hat, heißt das nicht, dass sich alle Institute zufrieden zurücklehnen können, die die Latte nicht gerissen haben", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke in einer ersten Reaktion. "Ich meine insbesondere die Landesbanken, von denen viele Missmanagement betrieben haben. Sie sind aufgerufen, sich neu zu strukturieren. Das gilt besonders für die Institute, die mit staatlichem Geld versorgt wurden und jetzt mit guten Kernkapitalquoten glänzen. Der Test war dazu bestimmt, die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich habe Zweifel daran, ob dies der optimale Weg war. Unter diesen Umständen konnte nicht der härteste Maßstab für den Extremfall angelegt werden. Beispielsweise kann man sich für griechische Anleihen noch weit höhere Abschläge vorstellen, als jetzt in dem Testszenario mit 23,1 Prozent unterstellt."

+++Deutsche Banken stressresistent+++

Related contentVon 14 getesteten Banken liegen 13 auch bei dem simulierten scharfen Wachstumseinbruch über der geforderten Kernkapitalquote von sechs Prozent. Neun der am Stresstest beteiligten Institute kommen gar über acht Prozent. Einzig die Hypo Real Estate weist wie erwartet im Stress-Szenario eine Kernkapitalquote von unter sechs Prozent aus.

+++Szenario für Staatspleite fehlt+++

Der Stresstest greift nach Ansicht des Ifo-Forschers Klaus Abberger zu kurz. "Leider wurde das Szenario eines staatlichen Zahlungsausfalls nicht durchgespielt", sagte Abberger kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen. Der Test sei keine Prognose. Daher dürfe auch eine Staatspleite kein tabu für die Gestaltung einer solchen Prüfung sein. Das Beispiel Argentiniens zeige, dass ein staatlicher Zahlungsausfall nach schweren Krisen kein ungewöhnliches Ereignis sei. Zudem hätten die in den Szenarien simulierten kräftigen Abschläge auf Staatsanleihen auch im Bankbuch berücksichtigt werden müssen, forderte Abberger.

+++Stresstest kein Allheilmittel +++

Bankenexperte Udo Steffens warnt mit Blick auf die anstehenden Testergebnisse vor überzogenen Erwartungen. Der Stresstest werde nicht "auf einmal alles lösen". Denn er sei nur ein Teil der Antwort auf die Frage, wie es zu schaffen sei, "wieder ein vitales und vertrauenswürdiges Banksystem in Deutschland und in Europa herzustellen", sagte der Wissenschaftler von der Frankfurt School of Finance. Die Aussagekraft des Tests sei beschränkt, "weil wir durchaus wissen, dass die Kriterien nicht die härtesten aller Welten sind".

+++ Freie Hand für Lissabon und Madrid +++

Wenige Stunden vor der Veröffentlichung der Testergebnisse genehmigt die EU-Kommission die Verlängerung der Banken-Rettungsprogramme in Spanien und Portugal. Die Kommission gab beiden Ländern grünes Licht, Garantien und Rekapitalisierungsmaßnahmen für notleidende Banken bis 31. Dezember dieses Jahres auszudehnen, hieß es in einer offiziellen Mitteilung aus Brüssel. Spanien wurde zudem erlaubt, individuellen Banken unter die Arme zu greifen.

+++ Europa-Börsen warten ab +++

Die europäischen Börsen treten nach den Gewinnen am Vortag auf der Stelle. Der Euro-Stoxx-50 steigt gegen Mittag um 0,4 Prozent oder zehn Zähler auf 2724 Punkte, der Stoxx-50 gewinnt 0,1 Prozent oder drei Zähler auf 2466 Punkte. Das beherrschende Thema sei die Veröffentlichung der Testergebnisse, hieß es. "Der Markt will eigentlich nur noch hören, dass alles super ist", sagte ein Händler. Überraschungen erwarte niemand mehr. "Dazu ist schon viel zu viel durchgesickert", so der Händler.

+++ BMF betont gelassen +++

Die Bundesregierung sieht nach eigenen Angaben keinen Bedarf an zusätzlichen Stützungsmaßnahmen nach Veröffentlichung der Stresstests. "Wir rechnen nicht damit, dass wir dort einen Handlungsbedarf für uns feststellen", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums (BMF). Man sei zuversichtlich, dass sich die Erwartungen an den Test erfüllten und eine Beruhigung der Märkte eintreten werde.

+++ Zweifel am Test +++

Am deutschen Aktienmarkt werden die Einzelergebnisse der Banken mit Spannung erwartet. "Im Prinzip ist ja schon klar, wie viele Banken durchgefallen sind. Viel interessanter sind daher die Details zu den Test-Kriterien", sagte ein Börsianer. Unterdessen reißen die Zweifel an der Aussagekraft des Tests nicht ab: "Die Prüfungen sind nicht der Königsweg, der eine schnelle Normalisierung des Finanzsystems garantiert", urteilten die Analysten der Unicredit.

+++ Erleichterung bei Landesbankern +++

Die Landesbanken BayernLB und NordLB haben die Banken-Stresstests offenbar knapp bestanden. Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) habe beim schweren Stressszenario eine Kernkapitalquote (Tier 1) unter sieben Prozent, berichtete Dow Jones Newswires unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertrauten Person. Die BayernLB habe das schwere Stressszenario mit einer Tier-1-Quote von gut über sieben Prozent gemeistert, hieß es unter berufung auf eine andere Person, die sich nicht zu weiteren Details äußern wollten.

+++ Anleihenmarkt bleibt ruhig +++

Die Spreads an Europas Kreditmärkte haben sich vor Bekanntgabe der Ergebnisse des Banken-Stresstests nur leicht eingeengt. Der Handel verlaufe zurückhaltend und bei dünnen Umsätzen, hieß es. Im frühen Geschäft engte sich der iTraxx Europe, der die Ausfallwahrscheinlichkeit auf einen Korb ausgewählter Unternehmensanleihen guter Bonität darstellt, um 0,7 Basispunkte (Bp) auf 113/114 Bp ein. Für den iTraxx Crossover, dem entsprechenden Index für High-Yield-Anleihen, ging es um 3 Bp auf 507/511 Bp nach unten. Kreditanalysten sahen der Veröffentlichung der Ergebnisse im weiteren Tagesverlauf gelassen entgegen. Nach Einschätzung von Philip Gisdakis von der UniCredit sei nicht mit größeren negativen Überraschungen zu rechnen. Der Test sei bereits so angelegt, dass er das Vertrauen in die europäischen Banken stärken soll.

+++ Landesbanken angeblich durch +++

Die am Banken-Stresstest beteiligten sieben deutschen Landesbanken haben angeblich alle bestanden. Das zumindest berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Informanten. Dabei hätten Institute, die bisher in der Finanzkrise keine Hilfen ihrer staatlichen Eigentümer oder vom Bankenrettungsfonds in Anspruch genommen haben, etwas schwächere Ergebnisse erzielt, hieß es in dem Bericht. Namentlich genannt wurden hier die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die Nord LB und die Landesbank Berlin.

+++ Hypo Real Estate +++

Die im Vorfeld kursierenden Gerüchte um ein schwaches Abschneiden der des Münchener Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) löst in Finanzkreisen auch am Freitag kaum Aufsehen aus. Wichtiger sei, so war am Freitag zu vernehmen, dass die übrigen 13 teilnehmenden Banken aus Deutschland wohl bestanden hätten. Ein negatives Testergebnis der HRE sei bedeutungslos, da das verstaatlichte Institut ohnehin bald alle toxischen Papiere in eine Bad Bank auslagert. Viel spannender sei die Frage, wie einzelne Wackelkandidaten etwa aus dem Landesbankenlager abschneiden und wie ihr Kapital unter Stressbedingungen abschmilzt.

Selbst wenn alle dieser Institute den Test bestehen, schließen Branchenvertreter zusätzliche Kapitalspritzen nicht aus. "Die Bewertung der Ergebnisse müssen wir dem Markt überlassen", sagte ein hochrangiger Banker.

Quelle: AFP/DJ/dpa/rts