Wirtschaft

Zwei für AckermannDeutsche Bank sucht neue Spitze

08.07.2011, 16:06 Uhr
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Nur schwer zu ersetzen: Josef Ackermann (Foto: dapd)

Die Deutsche Bank könnte Berichten zufolge bereits am Sonntag über die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann entscheiden. Dabei wird offenbar ein Topmanager nicht reichen, um ihn zu ersetzen – zu groß sind die Fußstapfen die Ackermann hinterlässt. Die Hinweise auf eine Doppelspitze mehren sich.

Es sieht alles danach aus, als würden es zwei für die

Zwillingstürme werden. Schon am Sonntag könnte sich der Nominierungsausschuss

der Deutschen Bank auf ein Duo als Nachfolger von Vorstandschef Josef Ackermann

verständigen. Der Inder Anshu Jain und der Deutsche Jürgen Fitschen gelten als

aussichtsreichste Kandidaten.

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Heikle Aufgabe für Clemens Börsig. (Foto: dpa)

Den wichtigsten Posten, den Deutschlands Geschäftsbanken zu

bieten haben, muss Clemens Börsig, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, neu

besetzen. Doch Börsig, der 1999 nach 22 Berufsjahren in der Industrie

(Mannesmann, Bosch, RWE) als Quereinsteiger zur Deutschen Bank kam und bis

heute oft aneckt, stellt sich nach Meinung seiner Kritiker bislang nicht

besonders geschickt an. In den Medien ist seit Tagen von "Machtkampf"

und "Führungskrise" in der größten deutschen Bank die Rede. Intern

wird Börsig zudem angelastet, dass Ex-B undesbankpräsident Axel Weber die UBS der

Deutschen Bank vorzieht.

Die Fußstapfen von Noch-Amtsinhaber Josef Ackermann sind so

groß, dass viele meinen, der Schweizer sollte am besten selbst seinen

Nachfolger bestimmen. Bisher scheint nur klar zu sein: Ein Topmanager wird

nicht reichen, um ihn zu ersetzen. Der seit über neun Jahren amtierende

Ackermann ist im Volk zwar nicht beliebt, doch in Finanzwelt und Politik ist er

gefragt wie kaum ein anderer Banker.

Doch bei der Ernennung seines Nachfolgers kommt auch er

nicht um das Kontrollgremium herum. Nach Informationen der

"Bild"-Zeitung will Börsig an diesem Sonntag zwei Getreue aus dem

Aufsichtsrat um sich scharen, um eine Vorentscheidung zu treffen. Der

Nominierungsausschuss - neben Börsig besetzt mit Tilman Todenhöfer (Bosch) und

dem früheren Bayer- Chef Werner Wenning - wolle über eine Doppelspitze beraten.

Nur die Vorauswahl

Um jedoch eine endgültige Entscheidung zu fällen, wäre

allerdings eine Aufsichtsratssitzung nötig. Aus Kreisen des Kontrollgremiums

hieß es am Freitag: "Es gibt keine geplante oder in den letzten Tagen

angesetzte außerordentliche Aufsichtsrats- oder Vorstandssitzung in der

Deutschen Bank, die ja einer Neubesetzung zustimmen müsste." Ackermanns

Vertrag läuft bis zur Hauptversammlung 2013.

Dass die Deutsche Bank nach Webers Korb einen geeigneten

externen Kandidaten findet, halten Beobachter für wenig wahrscheinlich. Es gebe

"nicht mehr viele Top-Leute in Deutschland", sagt Analyst Stefan

Scharff von SRC Research. "Und einen Manager von einer internationalen

Bank zu holen, ist angesichts der schwierigen Gemengelage in Deutschland auch

schwierig." Also wird es wahrscheinlich auf die hausinterne Lösung

Jain/Fitschen hinauslaufen.

Dem Vernehmen nach verstehen sich die Vorstandskollegen Jain

und Fitschen ganz gut. Dabei sind sie eigentlich recht unterschiedlich:

Herkunft, Werdegang, Sprache, Aufgaben – hier gibt es keine Übereinstimmungen.

In der Unterschiedlichkeit könnte aber die Stärke eines Führungsteams

Jain/Fitschen liegen. Sie würden sich prächtig ergänzen: Jain ist der Mann für

die großen Gewinne und Fitschen der fürs Deutsche bei der Deutschen Bank.

Heimlicher Star oder arroganter Hochbegabter?

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Anshu Jain: Star-Banker mit Schönheitsfehlern. (Foto: REUTERS)

Der Inder Jain, 48 Jahre alt, wohnhaft im Londoner Westen,

hatte einst als kleiner Börsenmakler angefangen. Seit Mitte der 90er Jahre

steht er in Diensten der Deutschen Bank. Seit dem vergangenen Jahr ist er dort

der alleinige Chef des Investment-Geschäfts, und damit der "Goldesel"

des größten deutschen Kreditinstituts und dessen heimlicher Star. Allein im

vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete seine Sparte knapp drei Viertel der

28,9 Mrd. Euro hohen Erträge der Bank - und ließ dadurch auch Jains eigene Gewinne

wachsen. Mit Bezügen von bis zu zwölf Mio. Euro für 2010 wird er nach Auszahlung

aller Boni zum wiederholten Male mehr Geld verdient haben als sein Chef

Ackermann. Schon sein Erfolg machte ihn früh zum natürlichen

Nachfolge-Kandidaten für Ackermann, wenn dieser spätestens im Mai 2013 seinen

Posten räumt.

Jains Talent für Analysen und den richtigen Zusammenbau von

Finanzprodukten zollen Kenner seit Jahren Respekt. Der studierte Ökonom, so

heißt es, habe eine natürliche Gabe fürs Geschäft. Dennoch hat er vor allem in

Deutschland nicht nur Unterstützer. Kritiker warfen ihm Mitte des vergangenen

Jahrzehnts vor, der massive Ausbau des Investmentbankings verdränge zunehmend

das klassische, heimische Geschäft der Kreditvergabe an die Industrie. Mit der "Arroganz

eines Hochbegabten" habe er Gräben zwischen London und Frankfurt

ausgehoben. Noch dazu gilt Jain als in der deutschen Politik schlecht vernetzt.

Die deutsche Sprache beherrscht er nicht.

Die Antwort für die Kritiker

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Jürgen Fitschen: Perfekt für die deutsche Kommunikation. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wenn Jürgen Fitschen redet, klingt sanft der norddeutsche Einschlag

durch. Der 62-jährige aus der Samtgemeinde Harsefeld in Niedersachsen soll in

dem Führungsduo die nationale Lücke füllen. Von Beginn seiner beruflichen

Karriere an ließ es Fitschen bodenständiger angehen als Jain. Er machte nicht

in Aktien, er machte eine Ausbildung, wurde Groß- und Außenhandelskaufmann.

Danach folgte das Wirtschaftsstudium. 1975 stieg Fitschen ins Bankgeschäft ein,

zwölf Jahre später bei der Deutschen Bank.

Dort ist er eigentlich schon seit 2004 so etwas wie Jains ergänzender

Gegenpart. Seitdem ist er - neben dem internationalen Regionenmanagement - für

das Deutschlandgeschäft verantwortlich. Die Funktion des Deutschlandschefs

hatte die Bank damals neu geschaffen. Sie reagierte damit auf die Kritik, ihren

Heimatmarkt zu vernachlässigen. Sie reagierte mit Fitschen aber auch auf die Kritik am Überflieger

Jain.

So könnte sie es nun noch einmal tun. Entscheidend für den

Erfolg eines Unternehmers sei, dass er "in der Lage ist, sich mit guten

Leuten zu umgeben", hatte Fitschen einmal gesagt. "Die Bereitschaft

zuzuhören, von anderen zu lernen und mit ihnen in einem guten Team zu arbeiten."

Fitschen und Jain könnten ein gutes Team bilden. Der Deutsche wäre für Jain ein

guter, weil ergänzender Partner. Umgekehrt wäre Fitschen ohne den schillernden

Jain alleine kaum vorstellbar auf dem Chefsessel in Frankfurt am Main.

Nur in der Freizeit gehen sie wohl auch weiter getrennte

Wege. Jain liebt Golf und Cricket.

Fitschen geht lieber joggen.

Quelle: sla/AFP/dpa