Dienstag, 24. November 2009
Top-Manager gegen zu viel Eigenkapital: Deutsche Bank will "Stoßdämpfer"
Der Risikochef der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, warnt vor einer einseitigen Konzentration auf mehr Eigenkapital zur Verhinderung künftiger Finanzkrisen.
Hugo Bänziger
(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Viel wichtiger sei es, das Bankensystem durch Maßnahmen auf der Aktivseite der Bilanz sicherer zu machen, sagte er auf einer Veranstaltung der Universität Frankfurt. "Die acht Prozent werden das System teurer machen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie das System sicherer machen", ergänzte Bänziger mit Blick auf die entsprechend erwartete Verdoppelung der Mindestanforderung für die Kernkapitalquote. Die Deutsche Bank kommt derzeit auf eine Quote von 11,7 Prozent.
Bänziger forderte "Stoßdämpfer" für das Finanzsystem, um die Ausbreitung von Schockwellen von einer Bank auf andere und auf die Realwirtschaft zu vermeiden. "Wir müssen schauen, dass große Banken, die umfallen, andere nicht mitreißen", sagte er. Banken zu zerschlagen, sei keine Lösung, weil große Institute gebraucht würden, um internationale Konzerne ausreichend mit Krediten zu versorgen.
Notenbanken sind gefordert
Eine Reform forderte Bänziger für die Einlagensicherung, die in Deutschland "archaisch ausgestattet" sei. Durch wochenlange Verzögerungen dort könnte die Wirtschaft ins Stocken geraten. Auch das Insolvenzrecht müsse geändert werden. "Wenn wir keine Stoßdämpfer schaffen, die Schockwellen abfedern, werde wir nie eine Bank abwickeln können." Auf dem Geldmarkt fehlten Grenzen für Großkredite. "Deshalb mussten wir die Hypo Real Estate retten", sagte Bänziger. "Das hätte den Geldmarkt zerstört."
Einen Beitrag zur Krisenbewältigung forderte Bänziger auch von den Notenbanken weltweit: "Wir müssen unser Instrumentarium verfeinern, wir können viel mehr machen." Statt sich nur auf die Zinspolitik zu beschränken, könne eine Zentralbank etwa die Beleihung von Immobilien begrenzen, um Blasen an den Märkten zu verhindern. Auch das von den Notenbanken betriebene System für den weltweiten Zahlungsverkehr sei vernachlässigt worden. "Wir müssen uns um unsere Infrastruktur kümmern", appellierte der Banker.
rts
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