Wirtschaft

Miese Zahlen Börse zieht Kostenbremse

17.02.2010, 06:31 Uhr

Schlechte Nachrichten von der Deutschen Börse: Das Unternehmen vermeldet für das vierte Quartal 2009 einen Verlust. Nun soll in Frankfurt kräftig gespart werden.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Belastet von hohen Abschreibungen auf die US-Derivatetochter ISE ist die Deutsche Börse AG im vierten Quartal erwartungsgemäß in die Verlustzone geraten. Drei Jahre nach dem Start eines millionenschweren Umstrukturierungsprogramms will der Dax-Konzern nun mit einem neuen Sparplan die Kosten im laufenden Jahr um weitere 50 Mio. Euro drücken. Zugleich sollen die Investitionen in Wachstumsinitiativen deutlich steigen, kündigte der Konzern in Frankfurt an.

Die Deutsche Börse reagiert auf die Belastung durch die Finanzmarktkrise mit einem Tritt auf die Kostenbremse. Ohne Berücksichtigung von rund 40 Mio. Euro Rückstellungen für die Kosteninitiativen sollen die Kosten 2010 maximal 1,25 Mrd. Euro betragen. Bisher hatte die Börse für 2010 eine Kostenprognose von 1,28 Mrd. Euro ausgegeben. In der neuen Prognose enthalten sind die Aufwendungen für Wachstumsinitiativen, die im laufenden Jahr um mehr als 50 Prozent auf rund 100 Mio. Euro steigen sollen.

Zu den geplanten Kosteninitativen gehört eine weitere Verschlankung der Führungsstruktur. Bislang beschäftigt die Börse bei insgesamt 3.300 Mitarbeitern rund 400 Führungskräfte. Zugleich will die Deutsche Börse, die im Rahmen ihres bisherigen Restrukturierungsprogramms positive Erfahrungen mit der Verlagerung von Geschäftsbereichen gemacht hatte, ein neues Standortkonzept entwickeln. Ein weiterer Umzug von Stellenkapazitäten werde geprüft, hieß es ohne Angaben von Details. Zugleich sollten Prozesse und Strukturen weiter optimiert werden.

Erstmals Quartalsverlust

Erstmals seit langer Zeit schloss die Deutsche Börse ein Quartal mit Verlust ab. Im vierten Quartal betrug das Minus nach Minderheiten 33 Mio. Euro nach 222,4 Mio. Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Kräftige Umsatzrückgänge im Aktien- und Derivatehandel drückten den Umsatz auf 505,4 Mio. von 609 Mio.Euro. Der Nettozinsertrag der Tochter Clearstream gab auf 17,7 Mio. von 57,6 Mio. Euro nach.

Das Ebit betrug -166,3 Mio. Euro nach 322,5 Mio. Euro. Bereinigt um die Abschreibungen auf die US-Derivatetochter ISE ergibt sich ein Ebit von 249,3 Mio. Euro. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie lag bei -0,18 Euro nach 1,19 Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Durchschnitt bei 504 Mio. Euro Umsatz und mit einem Verlust je Aktie von 0,33 Euro gerechnet.

Hohe Abschreibungen auf ISE

Im Januar hatte der Konzern bereits angekündigt, angesichts des schwachen Geschäftsverlaufs bei der Derivate-Tochter International Securities Exchange (ISE) werde er für 2009 rund 420 Mio. Euro auf die US-Börse abschreiben. Die Abschreibungen drückten den Jahresüberschuss um 200 Mio. Euro. 2009 betrug der Jahresüberschuss nur 496,1 Mio. nach 1.033 Mio. Euro.

"Das Geschäftsjahr 2009 war beeinflusst von den Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Wir werden unsere klaren Stärken in den Bereichen Technologie, Risikomanagement-Dienstleistungen und Produktinnovation gezielt weiter ausbauen bei gleichzeitiger Fortsetzung eines straffen Kostenmanagements", sagte Vorstandsvorsitzender Reto Francioni.

Sparkurs läuft

2009 habe der Börsenbetreiber die eigene Kostenprognose von 1,28 Mrd. Euro unterschritten, sagte Finanzvorstand Gregor Pottmeyer: "Die Kosten lagen bereinigt um die ISE-Wertminderung bei 1,264 Mrd. Euro und damit unter dem Kostenziel für 2009. Wir reduzieren unsere Kostenprognose für 2010 ohne Berücksichtigung von Rückstellungen in Höhe von rund 40 Mio. Euro für die heute angekündigten Kosteninitiativen auf maximal 1,25 Mrd. Euro. Diese Prognose beinhaltet bereits die geplante Erhöhung der Aufwendungen für Wachstumsinitiativen um mehr als 50 Prozent auf rund 100 Mio. Euro in 2010."

Wie bereits im Vormonat angekündigt, sollen die Aktionäre für das abgelaufene Jahr erneut 2,10 Euro Dividende je Aktie erhalten. Darüber hinaus sei "im Moment" keine weitere Ausschüttung in Form von Aktienrückkäufen vorgesehen, hieß es weiter.

Quelle: DJ