Nach erfolgreichem dritten QuartalDeutsche Post trumpft auf
Die Deutsche Post wird nach kräftigen Zuwächsen im dritten Quartal zuversichtlicher. Für 2010 hatte die Post bisher einen operativen Gewinn vor Einmaleffekten von 1,9 bis 2,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Nun soll er über zwei Milliarden Euro liegen.
Der Aufschwung des Welthandels gibt der Deutschen Post Rückenwind. Der Bonner Konzern präzisierte nach Zuwächsen im dritten Quartal seine Jahresprognose und erwartet nun 2010 einen operativen Gewinn (Ebit) vor Einmaleffekten von mindestens zwei Mrd. Euro. Die Post sei "sehr gut aufgestellt, um von der positiven konjunkturellen Entwicklung überproportional zu profitieren", bilanzierte Konzernchef Frank Appel. Dabei entwickelt sich die lange kriselnde Briefsparte besser als befürchtet. Zudem fährt Appel die Früchte seines Sparprogramms ein, dem allein in den USA Tausende von Arbeitsplätzen zum Opfer fielen: Der Gewinn steigt deutlich schneller als der Umsatz. 2011 werde sich die positive Ergebnisentwicklung fortsetzen.
An der Börse honorierten die Anleger die Geschäftsentwicklung. Die Post-Aktien setzten sich mit einem Plus von 2,8 Prozent an die Spitze des deutschen Leitindex Dax. Auch die Konkurrenten UPS und FedEx hatten jüngst ihre Prognosen in die Höhe geschraubt.
Strategie geht auf
"Wir haben die Belastungen aus der Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen", betonte Finanzchef Larry Rosen. Der Bonner Konzern hatte unter anderem einen Schlussstrich unter seinen Ausflug in das Expressgeschäft innerhalb der USA gezogen, das über Jahre Milliarden-Verluste eingebracht hatte. Auch in der Briefsparte, die unter der Konkurrenz durch die E-Mail leidet, trat Appel auf die Kostenbremse.
Der Brief- und Logistikkonzern verbuchte im dritten Quartal einen um 13,9 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz. Der operative Gewinn (Ebit) vor Einmaleffekten kletterte noch rasanter um 43,7 Prozent auf 543 Mio. Euro. Unter dem Strich stand ein Überschuss nach Anteilen Dritter von 226 Mio. Euro - vor Jahresfrist war noch ein Verlust von 83 Mio. Euro angefallen.
Die Post lag damit insgesamt über den Erwartungen des Marktes. Der Konzern habe "starke Zahlen" vorgelegt, urteilten etwa Experten der DZ Bank. Nur der Ausblick erscheine weiter vorsichtig, schrieben Analysten. Für 2010 hatte die Post bisher einen operativen Gewinn (Ebit) vor Einmaleffekten von 1,9 bis 2,1 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Nun soll er über zwei Mrd. Euro liegen. Die Prognose sei aber vorsichtig kalkuliert, betonte Finanzchef Rosen.
Boomender Welthandel
Die Post profitiert wie auch andere Logistikkonzerne vom wirtschaftlichen Aufschwung. Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte für dieses Jahr einen Anstieg des internationalen Handels um 13,5 Prozent in Aussicht gestellt. 2009 waren die Exporte noch weltweit um 12,2 Prozent geschrumpft - der größte Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg. Das hatte auch der Post die Bilanzen verhagelt.
Die boomenden Ausfuhren beflügeln nun aber auch Wettbewerber. Der Post-Konkurrent UPS hatte nach einem Gewinnsprung im abgelaufenen Quartal seine Prognose angehoben. Der bereinigte Gewinn solle um mehr als 50 Prozent steigen, kündigte der Konzern an. Auch Wettbewerber FedEx hatte seine Gewinnprognose zuletzt im September in die Höhe geschraubt. Express- und Logistikkonzerne gelten wegen ihrer Dienstleistungen als Laufburschen der Industrie als Gradmesser der konjunkturellen Entwicklung.
Nur der europäische Post- Konkurrent TNT hatte wegen Problemen in seiner Briefsparte Federn lassen müssen. Die Post konnte dagegen den Umsatzrückgang in ihrer Briefsparte fast stoppen. Der operative Gewinn legte in den ersten neun Monaten 2010 sogar leicht zu. Im Gesamtjahr sollen die anderen Post-Bereiche aber erstmals in der Konzerngeschichte einen höheren Ergebnisbeitrag abliefern als der traditionelle Gewinn-Garant Brief.