Wirtschaft

Der reinste Gemischtwarenladen Die IT-Branche und ihre Ausblicke

24.07.2009, 11:34 Uhr

Zieht eine weitere Wolkenfront über die IT-Branche hinweg oder ist das Gewitter überstanden? Wir sind verwirrt. Die Quartalszahlen fallen uneinheitlich aus. Damit bleibt unklar, ob den Hightech-Konzernen die ersehnte Erholung bevorsteht - oder ob die Aussichten düster bleiben.

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Die IT-Branche hat an Ausblicken einiges im Angebot. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Während die Platzhirsche IBM und Intel Hoffnung verströmten und Gartner-Analyst Richard Gordon schon von "Zeichen der Milderung" sprach, verheißen andere Zahlen jedoch weitere stürmische Monate.

Besonders wüst ging es zu Jahresbeginn in der Halbleiter-Branche zu: Umsatzverluste von einem Drittel und mehr waren eher die Regel als die Ausnahme. Doch im zweiten Quartal ging es wieder aufwärts, was einige Fachleute angesichts der Anwendung von Chips in allen Lebensbereichen gleich als Zeichen für ein baldiges Ende der Wirtschaftskrise deuteten.

Intel macht Hoffnung, TI nicht

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Der weltgrößte Chiphersteller sendet positive Signale. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Besonderes Gewicht wurde da den Zahlen des weltgrößten Chipherstellers Intel, der sein Geld vor allem mit Computerprozessoren verdient, zugemessen. Zum ersten Mal seit rund 22 Jahren - musste Intel-Chef Paul Otellini zwar einen Quartalsverlust für den Chiphersteller melden. Doch das störte niemanden. Für das Minus war allein die Rekordstrafe der Brüsseler Wettbewerbsbehörde in Höhe von 1,06 Mrd. Euro vom Mai wegen des Missbrauchs der Marktmacht verantwortlich. Sonst schnitt der Konzern im zweiten Quartal besser ab als gedacht. Der PC-Markt helle sich auf, stellte Unternehmenschef Otellini fest und sprach damit die vom Markt erhofften erlösenden Worte.

Wettbewerber Texas Instruments (TI), dessen Chips sich in nahezu allen Geräten des täglichen Bedarfs wiederfinden - von der Waschmaschine bis zum Fernseher -, glaubt dagegen nach einem Gewinn- und Umsatzeinbruch im zweiten Quartal noch nicht an bessere Zeiten. Finanzchef Kevin March sagte bei Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen, die Konjunktur habe die Talsohle noch nicht erreicht. "Die Nachfrage ist immer noch gering verglichen mit der Entwicklung vor sechs bis zwölf Monaten", sagte March. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir eine Weile nur ein langsames oder gar kein Wachstum sehen werden."

Der Ausblick fiel besser als erwartet aus. Bislang machte Texas Instruments lediglich in Asien eine Erholung aus. "Die Marktschwäche in den USA und Europa hält an. Beide sind stark vom Industriegeschäft beeinflusst", fügte ein Firmensprecher hinzu. Damit bleibt TI auch deutlich pessimistischer als jüngst der weltgrößte Chipkonzern Intel.

Branche spart sich gesund

Der deutsche Konkurrent Infineon schaffte es von April bis Juni operativ immerhin aus den roten Zahlen. Das ging aber auf Kosten der Mitarbeiter. Branchenweit mussten Tausende Menschen gehen, Prozessorenprimus Intel hat sogar ganze Werke dichtgemacht. Auch der direkte Rivale und ewige Zweite AMD, hat einen harten Sparkurs eingeschlagen.

Der kriselnde US-Chiphersteller konnte seinen Verlust im zweiten Quartal zwar verringern, das Minus fiel aber immer noch weit höher aus als Experten erwartet hatten. Auf seinem Sanierungskurs hat AMD die Chipfertigung vor einigen Monaten vollständig ausgegliedert. Die Produktion wird nun gemeinsam mit dem Emirat Abu Dhabi fortgeführt.

Microsoft schockt

Microsoft
Windows setzt alle Hoffnungen auf sein neues Betriebssystem Windows 7. (Foto: picture-alliance/ dpa)

In Gefolge der Hardwarehersteller blickt auch Microsoft gespannt auf den PC-Markt. Der Konzern macht einen Großteil seines Gewinns mit Betriebssystemen sowie Büro-Programmen - wenn die Kunden aber keine neuen Geräte aufstellen, kaufen sie auch weniger Software-Lizenzen. In der Wirtschaftskrise schockten die Windows-Macher so auch mit einem massiven Umsatz- und Gewinneinbruch.

Das Nettoergebnis brach um knapp 30 Prozent auf 3,05 (4,3) Mrd. Dollar ein. Der Umsatz gab um 17 Prozent auf 13,1 Mrd. Dollar nach. Mit dem Ergebnis erreichte der Softwarekonzern die Erwartungen an Wall Street. An der Börse kamen die Quartalszahlen dennoch nicht gut an. Neben besseren PC-Verkäufen zum Jahresende hofft Microsoft nun auf einen Blitzstart seines neuen Betriebssystems Windows 7 im Oktober. Die ersten Rezensionen fielen zumindest wohlwollend aus.

IBM trotzt der Krise

Dass man mit Software und darum herum gestrickten Dienstleistungen auch in der Krise gutes Geld verdienen kann, hat IBM eindrucksvoll bewiesen. Der Schwenk weg von der Hardware hin zur Software bescherte dem Computer-Urgestein im zweiten Quartal ein sattes Ergebnisplus und verleitete die Konzernoberen gar dazu, ihre Erwartungen an das restliche Jahr hochzuschrauben.

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Frostige Zeiten für Handyhersteller. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Davon können die Handyhersteller nur träumen. Für sie ist der berühmte Silberstreif am Horizont noch lange nicht in Sicht. Nokia und Sony Ericsson stellten in der vergangenen Woche desaströse Zahlen vor - der Absatz der Finnen brach um 15 Prozent ein, das schwedisch- japanische Unternehmen verkaufte sogar 40 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Nokias Gewinn ging um ein Viertel zurück, Sony Ericsson ist tief in den roten Zahlen. Und beide hielten an ihren pessimistischen Prognosen für 2009 fest.

Wer zu spät kommt, …

… den bestraft das Leben. Die schwachen Zahlen haben sich beide Unternehmen teils auch selbst zuzuschreiben. Denn sie haben nicht rechtzeitig auf das Geschäft mit Smartphones gesetzt. Die kleinen Alleskönner werfen hohe Margen ab, wie eine Studie der Deutschen Bank zeigt. Apple und Research in Motion verkaufen demnach zusammen zwar nur drei Prozent aller Handys weltweit, erzielen mit ihren hochgezüchteten iPhone- und Blackberry- Geräten aber satte 35 Prozent des operativen Gewinns. So konnte Apple die Börsianer mit seinen Zahlen trotz Wirtschaftskrise entzücken. Der US-Konzern steigerte im dritten Geschäftsquartal seinen Gewinn um rund 20 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar. Der Umsatz stieg um fast zwölf Prozent. Grund für den Erfolg sind starke Verkaufszahlen des iPhones.

Dass ein Umsatz- und Gewinnwachstum aber selbst in Krisenzeiten nicht immer ausreicht, um die Börsianer zufriedenzustellen, hat Suchmaschinen-Gigant Google in der vergangenen Woche schmerzlich zu spüren bekommen. Für die Fachleute wuchs das erfolgsverwöhnte Unternehmen im vergangenen Quartal einfach zu langsam. Das ließ auch Schmerzliches für die Zahlen des Rivalen Yahoo erwarten. Es kam aber etwas anders: Der Internet-Konzern verbuchte im zweiten Quartal weniger Umsatz, dafür aber mehr Gewinn. Das Plus legte im zweiten Quartal um acht Prozent auf 131 Mio. Dollar zu. Dies war weit stärker als von Experten erwartet - ist wieder mal vor allem auf drastische Sparmaßnahmen des Konzerns zurückzuführen.

Quelle: ddi/dpa