Wirtschaft

EU-Hilfe beruhigt Bond-Anleger: Die Iren sind entsetzt

Nach dem offiziellen Hilfsantrag der irischen Regierung zeigen sich bei den Staatsanleihen erste Auswirkungen. Die Risikoaufschläge - wichtigster Gradmesser für die Reaktionen am Markt - gehen deutlich zurück. In Irland kocht unterdessen der Volkszorn erst richtig hoch. Tageszeitungen sprechen von der "Zerstörung" der Nation.

Grüne Insel mit großen Schulden: Das Risiko eines Zahlungsausfalls scheint gesunken, die Aufschläge gehen zurück.
Grüne Insel mit großen Schulden: Das Risiko eines Zahlungsausfalls scheint gesunken, die Aufschläge gehen zurück.(Foto: REUTERS)

Die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen sind nach dem Hilfsantrag des Landes deutlich gesunken. Der Kurs der zehnjährigen Papiere kletterte am Montag um 1,235 Punkte auf 81,76 Zähler. Die Rendite sank damit unter die Marke von 8 Prozent.

Mit 7,698 Prozent liegt die Rendite der irischen Bonds aber noch immer deutlich über dem Wert für deutsche Staatsanleihen, die pro Jahr eine Rendite von 2,713 Prozent abwerfen und am Markt als sicherer Hafen geschätzt werden. Mit den Signalen für das Rettungspaket für Irland war die Rendite zuletzt gestiegen. Staatstitel aus Portugal, Spanien und Griechenland zeigten sich kaum bewegt.

Nach der Rettungsaktion wächst der Druck auf Irland, im Gegenzug für die Finanzhilfe aus Europa seine Unternehmenssteuer anzuheben. "Wir werden mit unseren irischen Freunden über die anstehenden Schritte beraten", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, in Brüssel am Rande von Beratungen der EU-Außenminister. "Sie werden sich einem guten Rat nicht verweigern. Deshalb bin ich sicher, dass diese Frage auch mitdiskutiert wird." Irland war am Sonntagabend unter den insgesamt 750 Mrd. Euro schweren Euro-Rettungsschirm geschlüpft.

Jetzt geht es um die Details

Für die Notfallkredite verlangen die EU, die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF), dass Irland sein marodes Bankensystem neu aufstellt, seinen Haushalt saniert und seine Unternehmenssteuer erhöht. Diese liegt derzeit mit 12,5 Prozent sehr niedrig und wird von vielen Ländern als "Dumping" im internationalen Wettbewerb um Firmenansiedlungen verstanden. Die irische Regierung wehrt sich jedoch vehement dagegen. Bislang hieß es von der irischen Seite, die Unternehmenssteuer stünde bei den Beratungen zum weiteren Vorgehen nicht zur Diskussion.

Muss seinen Mitbürger einiges erklären: Irlands Ministerpräsident Brian Cowen.
Muss seinen Mitbürger einiges erklären: Irlands Ministerpräsident Brian Cowen.(Foto: REUTERS)

Die Details des Pakets werden derzeit von einer Expertengruppe von EU und IWF in Dublin geklärt. Die Verhandlungen werden bis Ende November dauern, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in einer Rede in Brüssel.

Die genaue Summe der Kredite für Irland ist noch nicht bekannt. "Es gibt eine Spanne, die möglich ist", sagte Hoyer. Die irische Regierung hatte von "unter 100 Mrd. Euro" gesprochen. Hoyer erwartet, dass die Märkte sich nun beruhigen werden. Er sei optimistisch, dass "dann unter diesem gewissermaßen auch psychologischen Schirm der Prozess der Konsolidierung (..) erfolgreich fortgesetzt werden kann." Eine Ansteckungsgefahr für andere Wackelkandidaten wie Spanien oder Portugal sehe er nicht, meinte Rehn.

"Noch nie dagewesene Kapitulation"

In den Schlagzeilen der irischen Zeitungen spiegelte sich unterdessen der Ärger der Bevölkerung wider. Zahlreiche Blätter forderten den Rücktritt der Regierung. Den Iren bleibe trotz der schweren Finanzkrise noch die Macht, "diejenigen abzustrafen, die für die Zerstörung unserer Nation verantwortlich sind", schrieb die "Irish Sun". "IWF und EU werden unsere Wirtschaft nicht retten. Wir allein können unsere Nation retten."

Die "Irish Daily Mail" bezeichnete den Hilfsantrag als "noch nie dagewesene Kapitulation". Die Regierung habe damit der 90 Jahre langen Unabhängigkeit ein Ende gesetzt und die weiße Fahne gehisst. Die "Irish Times" prophezeite der Regierung, "sicher nicht mehr bis zum Frühjahr" an der Macht zu bleiben.

Irland kämpft mit massiven Haushaltsproblemen. Die Schwierigkeiten hatten sich schlagartig ausgeweitet, nachdem die Regierung den schwer angeschlagenen Banken des Landes mit Milliardenhilfen zur Seite gesprungen war.

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Quelle: n-tv.de

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