Wirtschaft

Schwarzarbeit verliert AnhängerDie Schattenwirtschaft schrumpft

24.01.2011, 12:36 Uhr

Wirtschaftsforscher aus Tübingen sind bei ihren Berechnungen zur Schwarzarbeit auf einen neuen Tiefstand gestoßen: Das Volumen der Schattenwirtschaft sinkt demnach auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Ihre Schlussfolgerung: Den Deutschen geht es wieder gut, besser jedenfalls als den Griechen.

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Die Schattenwirtschaftsquote gilt als grober Gradmesser für die Effizienz eines Steuersystems. (Foto: picture alliance / dpa)

Wegen des Wirtschaftsaufschwungs ist in Deutschland im vergangenen Jahr so wenig schwarz gearbeitet worden wie seit 15 Jahren nicht mehr. Forscher des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) gehen davon aus, dass in der Schattenwirtschaft im vergangenen Jahr rund 347,6 Mrd. Euro umgesetzt wurden - das waren 13,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. So niedrig war der geschätzte Anteil der Schattenwirtschaft zuletzt 1995. Durch den Aufschwung hätten viele Menschen einen regulären Arbeitsplatz gefunden, erklärten die Forscher. Dadurch sei das Volumen der Schattenwirtschaft um 4,2 Mrd. Euro zurückgegangen, teilte das IAW mit. 2011 soll diese Entwicklung anhalten.

Unter Schattenwirtschaft verstehen die Experten vor allem Schwarzarbeit, aber auch alle kriminellen Aktivitäten. In diesem Jahr soll die Schattenwirtschaft in Deutschland noch einmal um 1,8 Mrd. Euro schrumpfen, prognostizieren das IAW und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz in ihrer Modellrechnung.

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Razzia auf der Baustelle: Dem Staat und seinen Bürgern entgehen milliardenweise Steuern. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Für dieses Jahr machen die Experten folgende Rechnung auf: Das Bruttoinlandsprodukt steigt um 2 Prozent. Weil dadurch mehr Menschen einen regulären Arbeitsplatz finden, sinkt das Volumen der Schattenwirtschaft ihren Berechnungen zufolge noch einmal um 2,95 Mrd. Euro. Ferner gehen die Experten davon aus, dass in der Zeitarbeitsbranche ein Mindestlohn von 6,65 Euro in Ost- und 7,60 Euro in Westdeutschland eingeführt wird. Weil eine reguläre Beschäftigung also teurer wird, wächst die Schwarzarbeit um 300 Mio. Euro.

Die Beitragserhöhungen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen zum 1. Januar 2011 lassen die Schattenwirtschaft laut Berechnung um 650 Mio. Euro steigen, die höhere Arbeitslosenversicherung noch einmal um 200 Mio. Euro. Insgesamt ergebe das einen Rückgang der illegalen Tätigkeiten um 1,8 Mrd. Euro auf 345,8 Mrd. Euro oder 13,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - 0,2 Prozent unter dem Niveau von 2010.

Deutlich unter Griechenland

Welche Auswirkungen die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus acht osteuropäischen EU-Staaten ab dem 1. Mai 2011 haben werde, lasse sich im Moment kaum abschätzen, schreiben die Experten. Denkbar sei, dass bislang illegale Tätigkeiten etwa in der Pflegebranche legalisiert würden.

Unter den OECD-Ländern stünde Deutschland mit einer Schattenwirtschafts-Quote von 13,7 im Mittelfeld. In den USA ist der Modellrechnung zufolge die Schattenwirtschaft mit 7,0 Prozent am niedrigsten, in Griechenland mit 25,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts am höchsten.

Quelle: dpa