Massiver Schwund am AktienmarktDubais Broker vor dem Aus
Schrumpfende Handelsvolumina machen den Aktienbrokern in den Vereinigten Arabischen Emiraten das Leben schwer. Dieses Jahr wollen bislang zwölf Brokerhäuser ihr Geschäft einstellen. Die Aussichten für die Händler werden zunehmend mauer.
Aktienbroker in den Vereinigten Arabischen Emiraten sehen rot und das in zweifacher Hinsicht: Das durchschnittliche Handelsvolumen in Dubai hat sich binnen eines Jahres mehr als halbiert. Wurden vor einem Jahr noch im Schnitt 477 Mio. Aktien pro Tag gehandelt, sind es heute nur noch 172 Mio. Aktien. Das hat Folgen: ohne Geschäftsgrundlage schwinden auch die dazugehörigen Jobs. Viele Aktienbroker fürchten mittlerweile um ihre Existenzgrundlage.
Nach Informationen des Finanznachrichtendiensts Bloomberg beantragten bereits zwölf Broker, von Makaseb Islamic Financial Services in Abu Dhabi bis zu IFA Securities in Dubai, in diesem Jahr wegen schrumpfender Umsätze bei der Aufsichtsbehörde Securities and Commodities Authority (SCA) die Einstellung ihrer Tätigkeit. Sieben Broker hatten 2009 aufgegeben, drei waren es im Jahr 2008. Mit den Schließungen in diesem Jahr dürfte die Gesamtzahl der Broker damit von 81 auf 55 sinken, berichtet Shuaa Securities, die Brokersparte der größten Investmentbank in den VAE.
Harte Landung nach dem Boom
Jahrelang waren die Aktienkurse von niedrigen Finanzierungskosten und einem steigender Ölpreis angetrieben worden. 2006 war Schluss mit dem Boom. Der 32 Aktien umfassende Benchmark-Index von Dubai büßte seit einem Rekordstand im November 2005 bis zum August 2010 82 Prozent ein. Das Börsenbarometer von Abu Dhabi sackte gegenüber einem Hoch im Mai 2005 um 60 Prozent ab. "Ende 2005 begann der Niedergang des Bullenmarkt-Zyklus und seither gab es nur noch Bärenmarkt-Rallys", beschreibt Nabil al Rantisi, Senior Vice President beim Broker Rasmala Investment Bank in Dubai.
Zu Unzeiten, denn Dubai türmte im Zuge seiner Umstrukturierung hin zu einem Finanzzentrum einen Schuldenberg von mehr als 100 Mrd. Dollar an. Nachdem die Finanzierungskosten stiegen, brachen die Preise am überhitzten Immobilienmarkt über 50 Prozent ein und dies löste im vergangenen Jahr eine Kreditkrise aus.
Emirate favorisieren Zusammenschlüsse
Bei der derzeitigen Marktlage kommen die kleineren Broker wahrscheinlich auf einen durchschnittlichen täglichen Handelsumsatz von 3,0 Mio. Dirham (621.000 Euro), berichtet Waleed Al Khateeb, Senior Finance Manager bei Daman Securities in Dubai. Um keinen Verlust zu machen, müssten sie jedoch auf täglich mindestens 15 Mio. Dirham kommen. Selbst größere Broker erzielten an guten Tagen nur einen kleinen Gewinn, sagt er.
Die Börsenaufsicht der VAE will kleine und mittelgroße Broker nun ermutigen, sich zusammenzuschließen. Die Behörde habe einen Vorschlag ausgearbeitet, nach dem Fusionen geregelt werden können, sagt Zaabi. Al Khateeb hält davon nichts. Die einzigen Möglichkeiten der Broker seien, zu schließen, die Mitarbeiter zu entlassen, die Kosten zu senken oder die Lizenzen einzufrieren, sagt er. "Bringt man zwei schwache zusammen, entsteht daraus kein starkes Gebilde", begründet Al Khateeb seinen Pessimismus.