Wetten auf StaatspleitenEU will durchgreifen
Spekulationen auf den Bankrott von Staaten sollen nach dem Willen der Europäischen Union bald der Vergangenheit angehören. Die Gemeinschaft steht angeblich vor einem Verbot von Geschäften mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen (CDS). Nach Angaben aus Brüssel wird derzeit an letzten Details gearbeitet.
Die Europäische Union will den Finanzmärkten bestimmte
Wetten auf eine Verschärfung der Euro-Krise untersagen. Wie aus Brüsseler
EU-Kreisen verlautete, steht die Gemeinschaft vor einem Verbot von Geschäften mit
ungedeckten Kreditausfallversicherungen (CDS), mit denen etwa Hedgefonds auf eine
Staatspleite Griechenlands und anderer Länder spekulieren können.
Allerdings soll EU-Staaten eine Ausstiegsklausel vorbehalten
bleiben, falls sie durch die neuen Regeln Schaden für ihren Anleihenmarkt befürchten.
Nach Angaben von EU-Mitarbeitern ebnet die Ausstiegsklausel nun den Weg für einen
Kompromiss und damit eine Verabschiedung des Gesetzes, das seit Monaten wegen Differenzen
zwischen den EU-Staaten und dem Europäischen Parlament festhängt. Beide Seiten wollen
noch letzte Details dazu festzurren.
"Der letzte Punkt der Verhandlungen bezieht sich
auf das Verbot von ungedeckten CDS, die nur zur Spekulation genutzt werden",
sagte der französische Grünen-Politiker Pascal Canfin, der das Verhandlungsteam
der Abgeordneten leitet. Das Parlament hat sich bereits für ein Verbot der Papiere
ausgesprochen. Den Staaten ging dieser Schritt jedoch bislang zu weit.
Mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen können Investoren
eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall von Staatsanleihen abschließen, ohne
diese Anleihen überhaupt selbst zu besitzen. Einige Experten machen solche Finanzwetten
mitverantwortlich für die Turbulenzen den Märkten. Hedgefonds und andere Investoren
sagen dagegen, der Markt für Kreditausfallversicherungen sei viel zu klein, um damit
die Preise für die zugrundeliegenden Staatsanleihen zu beeinflussen.