Wirtschaft

"Keine erkennbaren Risiken": EZB dämpft Inflationsangst

Im Kampf gegen die akuten Auswirkungen der Finanzkrise haben die Notenbanken in den vergangenen beiden Jahren weltweit Gelder in dreistellliger Milliardenhöhe in die Märkte gepumpt. Trotzdem vermag die EZB keinerlei Anzeichen für eine drohende Inflationswelle zu erkennen - sagt zumindest ihr Chefvolkswirt.

Wattenmeer bei Ebbe: Wo nur ist all das Wasser hingeflossen?
Wattenmeer bei Ebbe: Wo nur ist all das Wasser hingeflossen?(Foto: picture-alliance/ dpa)

Trotz vielfacher Expertenwarnungen vor einem möglichen Inflationsschub in den kommenden Jahren sieht die EZB nach wie vor keine Gefahr für die Preisstabilität durch ihre massiven Liquiditätsspritzen für den Finanzsektor. "Derzeit deutet nichts darauf hin, dass die reichliche Liquidität an den Geldmärkten des Euro-Raums Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität mit sich brächte", sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Auch von der aktuellen graduellen Erholung der Konjunktur von der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten gingen "derzeit keine erkennbaren Risiken für die Preisstabilität aus".

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte wie andere Notenbanken auf dem Höhepunkt der Krise die Märkte mit Geld geflutet, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Mittlerweise begann sie damit, Umfang und Häufigkeit ihrer Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken zu reduzieren und auf diese Weise nicht mehr benötigte Liquidität wieder abzusaugen. Kritiker der Politik des billigen Geldes fürchten, dass die Liquiditätsschwemme mittelfristig die Teuerung anheizen könnte.

Um dies zu verhindern will die EZB Stark zufolge die konkreten Schritte ihres Ausstiegs aus den Hilfen für die Banken regelmäßig überprüfen. Die Rücknahme werde ohne Eile und entsprechend der Lage an den Finanzmärkten geschehen. "Wir haben signalisiert, dass wir die noch weiter notwendigen Maßnahmen beibehalten und auf Sicht fahren werden. Wir werden Quartal für Quartal darüber entscheiden", sagte Stark.

Zurück zum Status quo ante

Bundesbank-Präsident Axel Weber sagte der "Börsen-Zeitung", er rechne erst im Frühjahr mit neuen Entscheidungen zum Ausstieg aus der Krisenpolitik des billigen Geldes. Mit dem beschlossenen Ende der lang laufenden Refinanzierungsgeschäfte über zwölf und sechs Monate seien "alle notwendigen Entscheidungen für das erste Quartal abgedeckt", sagte er. "Danach, wenn auch unsere neuen Expertenprojektionen zu Wachstum und Inflation vorliegen, werden wir über weitere Schritte reden." Dabei werde die Rückkehr zum früheren Bieterverfahren für Zentralbankgeld im Fokus stehen. Dieses war im Zuge der Finanzkrise von der Vollzuteilung abgelöst worden.

Bilderserie

Die EZB hat im Dezember das letzte ein Jahr laufende Refinanzierungsgeschäft mit den Banken abgewickelt und will auch die Sechs-Monats-Tender Ende März abschaffen. Vor der Krise hatten die Banken für das Zentralbankgeld wie in einer Auktion bieten müssen. Wegen der Krise bekommen sie die Liquidität der EZB derzeit unbegrenzt zum rekordniedrigen Zinssatz von einem Prozent. Der EZB-Rat entscheidet Anfang Februar das nächste Mal über die Geldpolitik für die Währungsunion. Experten erwarten keine Zinsänderung. Auch Weber nannte das gegenwärtige Niveau des Leitzinses in dem Interview erneut "angemessen".

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Quelle: n-tv.de

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