Wirtschaft

Inflationsrate zu hochEZB signalisiert Zinsanhebung

03.06.2011, 13:28 Uhr

Die EZB sieht in der Eindämmung der Inflation im Euro-Raum eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Dementsprechend lässt ihr Präsident Trichet schon einmal durchblicken, dass es Anfang Juli zu einer Erhöhung des Leitzinses kommen könnte. Der Franzose verweist darauf, dass sich im Zuge der konjunkturellen Erholung Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Preisstabilität zeigten.

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Jean-Claude Trichet will einer weiteren Erhöhung der Inflation entgegenwirken. (Foto: dapd)

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte bei seinen Beratungen am Donnerstag kommender Woche ungeachtet der wieder verschärften Staatsschuldenkrise im Euro-Raum signalisieren, dass er Anfang Juli zum zweiten Mal seit Ende der Rezession seine Leitzinsen anheben wird.

Zwar hat sich der Aufwärtstrend der Verbraucherpreise im Mai zunächst nicht fortgesetzt, doch lag die Teuerung mit 2,7 Prozent weiterhin deutlich über dem Preisstabilitätsziel der EZB von knapp zwei Prozent. Auch jüngste Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet lassen eine abermalige Zinserhöhung erwarten. Thema der Ratssitzung dürfte zudem die Lage in Griechenland sein.

Trichet hatte in der vergangenen Woche bei einer Rede in Berlin angedeutet, dass sich die Einschätzung des EZB-Rats zur Inflationsentwicklung nicht verändert habe. Die Notenbank beobachte die Situation hinsichtlich der Preisentwicklung genau und sei bereit, alles für die Erfüllung ihres Preisstabilitätsmandats Notwendige zu tun, sagte Trichet. Damit wiederholte er die in seinen einleitenden Bemerkungen von Anfang Mai verwendeten Formulierungen.

Der EZB-Präsident verwies darauf, dass sich im Zuge der konjunkturellen Erholung erneut Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Preisstabilität zeigten und wie schon in früheren Episoden stark gestiegene Öl- und andere Rohstoffpreise die Gesamtinflation beeinflussten. "Erneut müssen wir verhindern, dass sich Rohstoffpreisanstiege in den längerfristigen Inflationserwartungen niederschlagen, was zu Zweitrundeneffekten bei Löhnen und Preisen führen würde", sagte Trichet unter Verweis auf Zinserhöhungen in den Jahren 2005 und 2008.

Parallelen zum Sommer 2008

Der Franzose machte zudem deutlich, dass sich die EZB auch durch den Fortbestand bestimmter unkonventioneller Maßnahmen im Zweifelsfall nicht von Zinserhöhungen abhalten lasse. "Es gibt eine klare Trennung zwischen Nicht-Standard-Maßnahmen und unserer Zinspolitik", sagte er. Vor diesem Hintergrund ist es nicht unwahrscheinlich, dass die EZB ihre Politik der Vollzuteilung bei Repo-Geschäften mit einwöchiger und einmonatiger Laufzeit fortführen, zugleich aber eine Zinsanhebung für Juli signalisieren wird.

Wie Trichet in der vergangenen Woche sicherlich nicht ohne Hintersinn andeutete, sieht er derzeit einige Parallelen zum Inflationsgeschehen im Sommer 2008. Einen Unterschied gibt es allerdings: Der Leitzins betrug damals 4,00 Prozent; derzeit liegt er bei 1,25 Prozent.

Quelle: DJ