Wirtschaft

Die USA und der DollarEin Abstieg auf Raten

07.08.2011, 15:06 Uhr
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(Foto: REUTERS)

Nicht erst seit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA wird über eine Ablösung des US-Dollar als Leitwährung der Welt diskutiert. Mit dem Urteil von Standard&Poor's könnte sich dieser Prozess jedoch beschleunigen, weil der Ruf als sicherer Hafen deutlich angekratzt ist.

Eine US-Ratingagentur hat

der weltwirtschaftliche Führungsmacht USA und damit dem US-Dollar als globaler Leitwährung

einen Schlag versetzt, von dem sie sich nur schwer erholen dürften. Der deutsche

Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen spricht schon seit längerem gerne von einem "Währungssystem

im Übergang". Dieser Umbruch weg von dem Dollar-geprägten System könnte sich

nun beschleunigen. Asmussens Wort hat Gewicht: Er leitet in der G20 eine Arbeitsgruppe,

die Grundlagen einer Reform des Weltwährungssystems erarbeitet.

Dass die USA als Anlageland

nicht mehr als vollkommen risikosicher gelten können, dass es Zweifel an der Fähigkeit

der USA gibt, ihr Schuldenproblem noch im Griff zu behalten, trifft auch den Dollar.

Denn eine Welt-Leitwährung basiert vor allem auf Vertrauen in ihre Stabilität und

in die Krisenbeständigkeit der dahinter stehenden Volkswirtschaft. Das aber sinkt,

wie das Ratingurteil der Agentur Standard & Poor's deutlich macht. Schon vorher

hatte die Weltgemeinschaft einen schleichenden Vertrauensverlust registriert. Sie

diskutiert daher seit geraumer Zeit mit dem Aufkommen neuer starker Schwellenländer,

dem Abstieg alter Mächte, über eine "multipolare" Welt, auch bei den Währungen.

So hat Frankreich als Vorsitz der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer

(G20) die Reform des Währungssystems zu einem ihrer Schwerpunktthemen erklärt.

Währungskorb als Orientierung

Ein Ersatz des US-Dollars

als Welt-Leit- und Reservewährung ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Immer

noch werden deutlich mehr als 60 Prozent der Weltwährungsreserven in Dollar gehalten.

Der Euro hat zwar mit 27 Prozent seinen Anteil mit den Jahren ausgebaut, ist aber

mit der sich ausweitenden Schuldenkrise im Währungsraum alles andere als ein Anker,

der einen Sturm aushalten kann. In Asmussens G20-Arbeitsgruppe arbeitet man daher

daran, das Weltwährungssystem eher an einem Währungskorb zu orientieren. Als Basis

könnten dabei die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds gelten,

hinter denen ein Währungskorb steht. Der müsste aber um wichtige Währungen, wie

die chinesische, aufgefüllt werden. Ob Chinas Yuan jedoch schon als "frei nutzbar"

gelten kann, wie es für eine Währung in diesem Korb gefordert wird, ist umstritten.

Das Weltwährungssystem ist

nicht erst seit gestern zum Sorgenkind geworden. In nahezu jeder Erklärung nach

G20- oder G7-Treffen versicherten die Teilnehmer in den vergangenen Jahren, gegen

"exzessive Kurschwankungen" und ungeordnete Marktbewegungen am Devisenmarkt

zusammenarbeiten zu wollen. Geholfen hat das wenig. Einen wesentlichen Grund dafür

sehen Experten darin, dass die großen weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte im Handels-

und Kapitalverkehr sowie in den Haushalten trotz gegenteiliger Bekundungen erhalten

blieben und sich sogar noch verschärft haben.

Lange Zeit war bei den etablierten

Industrieländern, die sich in der G7 zusammenfinden, China der "böse Bube"

in dieser Diskussion. Vor allem seitens der USA wurde China vorgeworfen, mit seinem

am Dollar angebundenen Yuan und seiner unflexiblen Wechselkurspolitik verschaffe

sich das Land über eine künstliche Unterbewertung unfair Handelsvorteile. Doch in

den letzten Monaten ist es nun China, das besonders laut als Kritiker der USA in

Währungs- und Finanzfragen auftritt. Das begann schon, als die USA über ihre Notenbank

nach der Finanzkrise ständig billiges Geld auf die Märkte kippten und damit den

US-Dollar schwächten. Das missfiel auch deutschen Ministern. Von einem Handelskrieg

über Währungsabwertungen war die Rede, und der Dollar als stabiler Anker geriet

weiter in Verruf.

Den zweiten Teil dieses

Abstieges scheint nun die Abwertung der US-Bonität zu signalisieren. Über "Schuldensucht"

und finanzpolitische Unfähigkeit der US-Politik klagt China laut und gibt den USA

ungebeten Spartipps. Mit fast 1,2 Billionen Dollar US-Anleihen in der Hinterhand

ist China größter Gläubiger der USA. Ein schwacher Dollar kostet die Volksrepublik

also bares Geld, das sie in einem sicheren Hafen geparkt sehen will - und als solcher

taugen die USA offensichtlich nicht mehr.

Quelle: Gernot Heller, rts