Donnerstag, 01. Oktober 2009
Trotz guter Verbraucherstimmung: Einzelhandel bricht Umsatz weg
Der deutsche Einzelhandel hat im August überraschend kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Okönomen zeigten sich von der negativen Entwicklung überrascht, denn sie hatten sogar mit einem minimalen Plus gerechnet.
Die Konsumfreudigkeit der Menschen schlägt sich in den neuen Zahlen nciht nieder.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Wie das statistische Bundesamt mitteilte, brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent ein. Ökonomen hatten dagegen sogar einen Zuwachs von 0,1 Prozent erwartet. Im Juli war der Umsatz noch um 0,7 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist gar ein Minus von 2,7 Prozent zu verzeichnen.
Die Einzelhandelsumsätze "setzten damit ihren Abwärtstrend fort und dürften auch in den kommenden Monaten kaum an dem kräftigen Wachstum im zweiten Halbjahr teilhaben", erklärte Simon Junker, Ökonom der Commerzbank. Der Durchschnitt von Juli und August liege bereits 1,6 Prozent unter dem Umsatzniveau im zweiten Quartal, was auf einen sinkenden privaten Verbrauch im dritten Jahresviertel deute. Auch für die kommenden Quartale sei ein schwacher privater Verbrauch zu erwarten, weil die bevorstehende Verschlechterung der Lage am deutschen Arbeitsmarkt den Einzelhandel weiter belasten dürfte.
Ursachenforschung
UniCredit-Ökonom Alexander Koch zeigte sich vom Umsatzrückgang im Einzelhandel überrascht, da sich zuletzt das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklima in dem Sektor aufgehellt hätten. Allerdings hätten die hohen Temperaturen wohl die Bekleidungsverkäufe belastet. Außerdem habe die Abwrackprämie zwar die Autoverkäufe angetrieben, damit aber auch Ausgaben in anderen Sektoren des Einzelhandels verdrängt. Die nominalen Umsätze im Handel mit Kraftfahrzeugen sowie bei der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen stiegen im August nach Angaben der Deutschen Bundesbank um 1,0 Prozent auf Monats- und 2,9 Prozent auf Jahressicht.
Kurzfristig dürfte der Einzelhandel noch Rückenwind haben, was an den Konjunkturmaßnahmen der Regierung, der niedrigen Inflation und dem noch relativ widerstandsfähigen deutschen Arbeitsmarkt liege, erklärte UniCredit-Ökonom Koch. Doch stünden noch beträchtliche Stellenverluste bevor, so dass auch er davon ausgeht, dass der Konsum kurzfristig das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) belasten wird.
ksc/DJ
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