Wirtschaft
Eon verdient prächtig, malt aber für die nahe Zukunft ein düsteres Bild und reagiert.
Eon verdient prächtig, malt aber für die nahe Zukunft ein düsteres Bild und reagiert.(Foto: picture alliance / dpa)

Fallende Preise, steigender Gewinn: Eon macht Kraftwerke dicht

Eon kann eigentlich auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Der Gewinn klettert deutlich. Dennoch drückt der Versorger auf die Bremse. Die Investitionen werden zurückgefahren, Kraftwerke sollen vom Netz, Mitarbeiter entlassen werden. Die Energiewende ist nur ein Grund für diese Maßnahmen.

Der Energiekonzern Eon schaltet wegen fallender Strom-Großhandelspreise reihenweise ältere Kraftwerke ab und erwartet im laufenden Jahr einen Gewinnrückgang. "In fast allen Kernmärkten Europas ist die Strom- und Gasnachfrage deutlich zurückgegangen", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Bis 2015 könnten bis zu 30 Kohle- und Gaskraftwerke abgeschaltet werden, darunter mehrere in Deutschland.

Hierzulande schwindet die Auslastung der Anlagen wegen des vorrangig eingespeisten Ökostroms ohnehin. Das Geschäft mit erneuerbarer Energie und dezentralen Erzeugungsanlagen will Teyssen ausbauen, insgesamt aber die Investitionen kürzen. Nach Zuwächsen 2012 erwartet Eon 2013 einen Gewinnrückgang.

11.000 Megawatt abschalten

Der Energieriese werde seine konventionelle Erzeugung so umbauen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit zügig verbessere. "Es wird nicht einfacher für Eon", betonte Teyssen. Dies gelte für alle europäischen Versorger. Die Großhandelspreise seien unter anderem wegen der schwachen Nachfrage in den krisengeplagten Staaten Südeuropas deutlich zurückgegangen.

Über ein Dutzend Kraftwerke hat Eon schon auf der Abschussliste. Darunter sind die alten Blöcke des Kraftwerks Staudinger bei Frankfurt und im nordrhein-westfälischen Datteln. Ingesamt könnte der Versorger Anlagen mit einer Leistung 11.000 Megawatt stilllegen - das entspricht in etwa der Leistung von elf Atomkraftwerken.

Investitionen zurückfahren

Galt bei dem Energieriesen früher eher das Motto "Nicht kleckern, sondern klotzen", backt Teyssen nun deutlich kleinere Brötchen. Die Investitionen will er bis 2015 auf 4,5 Mrd. Euro von rund 7 Mrd. Euro in 2012 zurückfahren. Der Konzern, der rund 26 Millionen Kunden in Europa versorgt, will das Geschäft mit kleineren Anlagen ausbauen.

Eon biete schon heute den Betreibern von Ökostromanlagen Dienstleistungen für die Vermarktung ihrer Strommengen an, erläutere der Manager. "Tausend Kleinanlagen mit je einem Megawatt sind für uns unternehmerisch so interessant und wertvoll wie ein großes Kraftwerk." Zudem will Eon seine Geschäfte in den neuen Märkten in der Türkei und Brasilien vorantreiben.

Ergebnis klettert deutlich

Nach den herben Verlusten 2011 durch den beschleunigten Atomausstieg konnte Eon im vergangenen Jahr zulegen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg nach ersten Berechnungen um 16 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn habe sich auf 4,3 Mrd. Euro von 2,5 Mrd. Euro erhöht. Damit erreichte Eon die Markterwartungen.

Die Aktie legte nach den Zahlen zunähst zu, gab aber später wieder nach. Die Anleger brachen auch nicht in Begeisterung aus. "Investieren in Eon ist weiterhin mit viel Unsicherheit verbunden", sagte ein Händler. Klar sei, dass der Konzern weiter unter der Atomwende leiden wird. "Er ist abhängig von Entscheidungen der Politik und das macht die Anleger unsicher."

Neue Prognose für 2013

Teyssen will wie angekündigt für 2012 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie zahlen. Einen klaren Wert für 2013 nannte er nicht. Die Geschäftsaussichten für 2013 hätten sich verschlechtert. Für das laufende Jahr rechnet der Versorger mit einem Ebitda von 9,2 Mrd. bis 9,8 Mrd. Euro. Der nachhaltige Nettogewinn solle bei 2,2 Mrd. bis 2,6 Mrd. Euro liegen. Teyssen hatte im November die Prognose für 2013 gekippt, die noch ein Ebitda von 11,6 Mrd. bis 12,3 Mrd. vorgesehen hatte.

Eon drücken nach einer Einkaufstour unter Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat über 35 Mrd. Euro Schulden. Teyssen treibt ein Sparprogramm voran, das den Abbau von 11.000 Stellen vorsieht, davon rund 6000 in Deutschland. Weltweit hat Eon rund 73.000 Mitarbeiter. Nach dem sich die Proteste gegen das Sparprogramm gelegt haben, liegt Eon mit den Arbeitnehmervertretern nun erneut im Clinch.

Die Gewerkschaften haben die Tarifverhandlungen für die 30.000 Beschäftigten in Deutschland für gescheitert erklärt und werden womöglich schon für die kommende Woche erstmals in der Unternehmensgeschichte zu unbefristeten Streiks aufrufen. "Wir gehen davon aus, dass ein sozial verantwortbarer Kompromiss zu gegebener Zeit möglich wird", hofft Teyssen.

Quelle: n-tv.de

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