Wirtschaft
Eon-Chef Teyssen muss durchwachsene Nachrichten verkünden: In Südeuropa hat sich der Konzern verkalkuliert.
Eon-Chef Teyssen muss durchwachsene Nachrichten verkünden: In Südeuropa hat sich der Konzern verkalkuliert.(Foto: picture alliance / dpa)

Teure Einkaufstour in Südeuropa : Eon schreibt Milliarden ab

Wegen anhaltend verschlechterter Marktbedingungen in Italien, Spanien und Frankreich muss Eon für insgesamt 2,6 Mrd. Euro Wertberichtigungen vornehmen. Die Märkte hätten sich schlechter entwickelt als erwartet, räumt der Stromkonzern ein. Am Markt zeigt man zunächst wenig Verständnis dafür.

Dem Energiekonzern Eon kommt seine milliardenschwere Einkaufstour in Südeuropa teuer zu stehen. Der größte deutsche Versorger muss auf Geschäfte in Italien, Spanien und Frankreich rund 2,6 Mrd. Euro abschreiben. Die Märkte hätten sich in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise schlechter entwickelt als erwartet, begründete Eon die Wertberichtigung. Eon hatte die Geschäfte nach der Niederlage 2007 im Bieterkampf um den spanischen Energiekonzern Endesa erworben.

Chart

Die Wertberichtigungen belasten zwar den Überschuss. Der Konzern bekräftigte jedoch seine Prognosen für 2010, die sich auf bereinigte Ergebniszahlen beziehen, aus denen Sondereffekte herausgerechnet sind. Danach soll das bereinigte Ebit um bis zu drei Prozent steigen und der für die Dividende entscheidende bereinigte Überschuss auf Vorjahresniveau liegen. Die Eon-Aktie rutschte zunächst 1,6 Prozent im Minus, drehte jedoch im Handelsverlauf zeitweise wieder ins Plus. Die Anleger ließen sich durch die bestehende Prognose besänftigen.

Der seit Mai amtierende Vorstandschef Johannes Teyssen krempelt derzeit den Versorger um. Am 10. November will er seine Strategie und die Zahlen zum dritten Quartal vorstellen. Am Mittwoch legte Eon schon mal das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für die ersten neun Monate vor. Es stieg um neun Prozent auf acht Mrd. Euro. Neben dem schwächelnden Gasgeschäft und den Belastungen durch die Atomsteuer hat Teyssen nun mit dem Südeuropa-Geschäft eine weitere Baustelle.

Trübe Aussichten für den Süden

"Die Entwicklung von Strom- und Rohstoffpreisen führt in den genannten Märkten zu zum Teil signifikant geringeren Margen und Auslastungen", teilte Eon mit. Die Ergebniserwartungen in den Ländern hätten sich mittel- bis langfristig verschlechtert. Daher ergebe sich ein Wertberichtigungsbedarf von 1,1 Mrd. Euro auf Firmenwerte (Goodwill) und von rund 1,5 Mrd. Euro auf sonstiges Anlagevermögen. Im Wesentlichen handele es sich dabei um die von Enel, Acciona und Endesa erworbenen Aktivitäten in Italien, Spanien und Frankreich.

Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat hatte sich mit dem italienischen Energiekonzern Enel und dem spanischen Bauriesen Acciona einen erbitterten Bieterkampf um Endesa geliefert. Obwohl Bernotat bereit war, mehr als 40 Mrd. Euro für Endesa hinzublättern, zog er 2007 - auch wegen des politischen Widerstands in Spanien - den Kürzeren. Nach der Niederlage erwarb Eon für über zehn Mrd. Euro Geschäfte von den Siegern und Endesa. Auch in anderen Märkten, etwa in Skandinavien und Russland, ging Bernotat auf Einkaufstour, ehe er im Zuge der Wirtschaftskrise wegen der hohen Schuldenlast die Bremse zog. Inzwischen hat Eon eigene milliardenschwere Geschäfte verkauft, etwa das deutsche Höchstspannungsnetz und die US-Tochter.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen