Mittwoch, 16. Juni 2010
Ermittlungen in Argentinien: Ex-Ferrostaal-Chef angezeigt
Die Korruptionsermittlungen gegen den früheren Vorstandchef des Essener Mischkonzerns Ferrostaal ziehen ihre Kreise. Nach der Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch das argentinische Verteidigungsministerium. Mitscherlich war wegen der Vorwürfe Anfang Mai kurzfristig von seinem Posten abberufen worden.Das argentinische Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben Strafanzeigen gegen den früheren Vorstandschef von Ferrostaal, Matthias Mitscherlich, sowie ranghohe Marineoffiziere und andere wegen möglicher Bestechung erstattet. Damit reagierte das südamerikanische Land auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vom April und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München, die gegen das Essener Unternehmen wegen möglicher Bestechung im Ausland ermittelt.
Die argentinische Zeitung "La Capital" hatte zudem vergangene Woche berichtet, ein früherer Ferrostaal-Mitarbeiter habe in Deutschland ausgesagt, Unternehmer und argentinische Marineangehörige hätten sich im Zusammenhang mit dem Verkauf deutscher Konstruktionspläne für ein Boot der Küstenwache Schmiergelder in Höhe von mehr als 200.000 Euro geteilt.
Vorwurf der Bestechung
Das Verteidigungsministerium in Buenos Aires betonte in einer Mitteilung, bei internen Prüfungen von Verträgen der argentinischen Marine im Zusammenhang mit Ferrostaal seien nicht näher erläuterte "Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden. Die deutsche Justiz sei um Informationen zum Stand der Ermittlungen gegen Ferrostaal gebeten worden.
Ferrostaal mit rund 1,6 Mrd. Euro Umsatz und 4400 Mitarbeitern ist seit Jahren als Generalunternehmer und Vermittler der deutschen Exportwirtschaft gerade in schwierigen und korruptionsanfälligen Ländern Lateinamerikas und Nordafrikas tätig.
Nach früheren Medienberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen rund ein Dutzend Ferrostaal-Manager wegen möglicher Schmiergeldzahlungen. Angezweifelt werden Beraterhonorare von rund 180 Mio. Euro. Mitscherlich musste im Zusammenhang mit den Vorwürfen seinen Posten räumen.
dpa
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