Zweifel an der Ifo-EuphorieExperten vergeht der Jubel
Trotz weltweiter Konjunkturrisiken ist der Optimismus der deutschen Wirtschaft ungebrochen. Die Stimmung in den Chefetagen hellt sich im August abermals auf. Volkswirte sehen die Perspektiven deutlich skeptischer.
Die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August überraschend weiter verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) stieg von 106,2 Zählern im Vormonat auf 106,7 Punkte. Es war bereits der dritte Anstieg in Folge, das Barometer erreichte den höchsten Stand seit Juni 2007. Im Vorfeld befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem leichten Rückgang gerechnet.
"Die Zahlen sind keine große Überraschung", schränkte Peter Meister von der BHF Bank ein. Der unerwartete Anstieg zeige lediglich, so Meister in einer ersten Reaktion, "dass der Aufschwung im zweiten Quartal sehr stark war und sich im dritten Quartal mit einer gewissen Dynamik fortgesetzt hat". Die Erwartungen seien noch immer auf sehr hohem Niveau.
"Ein extremer Konjunktur-Pessimismus an den Märkten erscheint nicht gerechtfertigt", stellte der BHF-Ökonom fest. "Insgesamt rechnen wir mit einer moderaten Wachstumsrate: Die derzeit kursierenden Schätzungen, die von einem Plus von 0,5 Prozent im dritten Quartal ausgehen, erscheinen angesichts der vorliegenden Frühindikatoren als durchaus plausibel", sagte Meister. "Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Plus von mehr als drei Prozent beim Bruttoinlandsprodukt."
"Es ist wunderschön"
Etwas lebhafter fielen die Reaktionen bei der Dekabank aus: "Es ist unglaublich, aber es ist wunderschön, wie es im Moment läuft", sagte Deka-Volkswirt Andreas Scheuerle. "Jetzt ist es aber wohl ausgereizt. Die Luft für weitere Anstiege des Geschäftsklimas ist dünn geworden. Ab nun wird sich der Ifo-Index eher seitwärts bewegen", prognostizierte Scheuerle.
"Die Erwartungen dürften tendenziell leicht runtergehen. Die Lage dürfte auch eher seitwärtsgehen. Das steht im Einklang mit dem erwarteten Konjunkturverlauf. Wir rechnen für 2011 mit einer leichten Abkühlung, aber immer noch mit 1,8 Prozent Wachstum. Das ist gut, da kann sich keiner beschweren."
Vorsichtige Hoffnungen für den Herbst drückte Viola Stork von der Helaba aus. "Der erneute Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas lässt auf eine fortgesetzte Konjunkturerholung schließen. Der Index befindet sich weiterhin auf hohem Niveau. Zusammen mit dem starken Indexwert vom Juli ergibt sich somit eine robuste Indikation für das Wachstum des dritten Quartals."