Wirtschaft

Zinsanhebung, dann Anleiheverkauf Fed bastelt am Fahrplan

18.05.2011, 22:00 Uhr

Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed wird in absehbarer Zeit wohl der Vergangenheit angehören. Allerdings steht ein Anziehen noch nicht unmittelbar bevor. Fed-Chef Bernanke blickt noch besorgt auf den US-Arbeitsmarkt. Allerdings werden die Befürworter einer Zinserhöhung immer lauter. Grund ist eine Inflationsrate von deutlich über drei Prozent.

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Laut Ben Bernanke ist die US-Wirtschaft noch nicht über den Berg. (Foto: REUTERS)

Die US-Notenbank Federal Reserve wird bei ihrem Ausstieg

aus der ultralockeren Geldpolitik möglicherweise zunächst auf Zinsanhebungen setzen

und erst danach Anleihen verkaufen. Auf der Fed-Sitzung Ende April sprach sich die

Mehrheit der Teilnehmer für einen solchen Fahrplan aus, wie aus dem Protokoll des

Treffens hervorgeht. Allerdings sei die Zeit für ein Anziehen der Geldpolitik noch

nicht gekommen und stehe auch nicht unmittelbar bevor, hieß es. Zudem hätten die

Notenbanker keinerlei Entscheidungen getroffen.

Die Fed hatte im November beschlossen, bis Mitte 2011

Staatsanleihen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar aufzukaufen, um der Wirtschaft

auf die Beine zu helfen. Falls die Fed das volle Ankaufvolumen ausschöpfen sollte,

wird sie seit Beginn der Finanz-Krise insgesamt 2,3 Billionen Dollar in die Wirtschaft

gepumpt haben.

Eine Mehrheit der Mitglieder bevorzuge, dass Anleihen

erst dann verkauft werden sollten, wenn es eine erste Zinsanhebung gegeben habe,

hieß es in dem Protokoll. Nahezu alle Teilnehmer hätten darüber hinaus dafür plädiert,

als ersten Schritt hin zu einer Normalisierung dann zunächst die Erlöse aus Wertpapieren

nicht wieder zu reinvestieren und danach - entweder zeitgleich oder zeitverzögert

- dies auch bei Staatsanleihen so zu handhaben. Vorrang dabei habe der Rückzug aus

immobilienbesicherten Papieren.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte erst jüngst erklärt, die

US-Wirtschaft benötige noch mehr Zeit, um sich nachhaltig von der schwersten Krise

seit Jahrzehnten zu erholen. Bernanke hat vor allem den Arbeitsmarkt im Blick, auf

dem es weiter eher düster aussieht.

Inflation über drei Prozent

Allerdings gewinnen mit der anziehenden Teuerung in den

USA nun die Befürworter einer Zinserhöhung an Einfluss. Zuletzt hatte etwa der Chef

der Fed von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, gesagt, die Fed könnte ihren Leitzins

bereits Ende dieses Jahres anheben. Bislang waren viele Fachleute davon ausgegangen,

dass der Schlüsselzins noch bis weit ins kommende Jahr bei 0 bis 0,25 Prozent bleibt.

Allerdings lag die Inflationsrate im April bei 3,2 Prozent und damit weit über dem

inoffiziellen Zielwert der Fed von etwa zwei Prozent.

Der Dollar stieg zum Euro

leicht an. Das Protokoll zeige, dass die Diskussion bei der Fed nun auf eine Normalisierung

der Geldpolitik fokussiert sei, sagte der Analyst Omer Esiner von Commonwealth Foreign

Exchange. Er erwarte zwar keinerlei Änderungen in der nahen Zukunft. Es sei aber

klar, dass die Fed definitiv mit einer Ausstiegs-Strategie liebäugle.

Quelle: rts