Liebeserklärung an die KonjunkturForscher heben Prognosen an
Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr kräftiger wachsen als bisher angenommen, da sind sich die meisten Konjunkturforscher sicher. Im kommenden Jahr schwäche sich die Dynamik zwar ab, dennoch sinke die Arbeitslosigkeit.
Mit Blick auf die deutsche Wirtschaft bleiben Konjunkturforscher optimistisch. Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hob seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft nun deutlich an. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 3,5 Prozent und im kommenden Jahr um 1,9 Prozent wachsen, teilte das Institut mit. Bislang war es von 2,0 und 1,5 Prozent ausgegangen.
Grund für die Abschwächung im Jahre 2011 sei vor allem das geringere Wachstum der Ausfuhren, hieß es. "Die Zunahme der Exporte wird infolge der nachlassenden Dynamik der Weltkonjunktur - insbesondere im übrigen Euroraum - geringer ausfallen", schrieben die Forscher. "Auch die Investitionstätigkeit wird infolgedessen deutlich schwächer sein." Das Auslaufen der Konjunkturpakete dämpfe ebenfalls. Dagegen dürften die privaten Konsumausgaben wegen steigender Einkommen etwas zunehmen.
Entspannung am Arbeitsmarkt
Trotzdem wird die Arbeitslosigkeit den Prognosen zufolge spürbar sinken. Für dieses Jahr erwartet das IMK einen Rückgang um knapp 200.000 auf rund 3,2 Millionen. Für 2011 werden gut 2,9 Millionen Erwerbslose vorhergesagt.
Der private Konsum werde neben den Investitionen eines der Zugpferde der Erholung in Deutschland sein, hieß es auch vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW).
Die sinkende Arbeitslosigkeit wecke bei den Verbrauchern die Lust am Einkaufen, argumentieren die Forscher. Zudem gäben die Firmen mehr Geld für neue Maschinen und Produktionsanlagen aus. "Der Wirtschaftsaufschwung wird also zunehmend nicht mehr nur von der ausländischen Nachfrage getrieben, sondern immer mehr von der inländischen, die sukzessive die Führung übernehmen wird", schrieben die Experten.
"Der Arbeitsmarkt ist hochstabil, die Einkommenssituation verbessert sich zusehends", erläuterte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft gegenüber n-tv.
Binnennachfrage zieht an
Die Wirtschaftsleistung werde 2011 um etwa zwei Prozent zulegen, nach einem Wachstum von 3,25 Prozent im laufenden Jahr. "Während noch vor einem Jahr die deutsche Konjunktur als rekonvaleszenter Patient galt, muss man - um im Bild zu bleiben - heute feststellen, dass die heimische Wirtschaft erstaunlich schnell wieder genesen ist und sogar kräftige Sprünge macht", hieß es weiter. Wichtige Impulse kämen dabei von der Binnenwirtschaft: Die Inlandsnachfrage werde in diesem Jahr 2,25 Prozent steigen und im kommenden Jahr 1,25 Prozent zulegen.
Doch auch die Aussichten für den Export schätzen die Forscher als günstig ein. Die Ausfuhren dürften allein im laufenden Jahr um 16,75 Prozent zulegen, für 2011 ist ein weiteres Plus von acht Prozent in Sicht. Die Einfuhren steigen demnach um 15,5 Prozent 2010 und sieben Prozent 2011. Der Außenbeitrag werde daher etwa zwei Fünftel zum Wachstum in diesem und im kommenden Jahr beitragen, schrieben die Experten. Die schwere Außenhandelskrise 2009 ist damit überwunden: "Aktuell liegen die Warenausfuhren Deutschlands nur noch ganz knapp unter ihrer Höchstmarke vom Sommer 2008."
Licht und Schatten in Europa
Auch für die Eurozone hellen sich die Aussichten nach Ansicht von Analysten und Investoren auf. Ungeachtet der Schuldenkrise bewerten sie die Konjunkturaussichten für die Euro-Zone so gut ein wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Das geht jedenfalls aus einer Umfrage der Investmentberatung Sentinex hervor, die nach eigenen Angaben 900 Experten befragt hat.
Das so genannte Sentix-Barometer verbesserte sich demnach im Oktober um 1,2 auf 8,8 Punkte. Das ist der höchste Wert seit Dezember 2007. "Die Konjunktur zeigt sich damit allen Unkenrufen zum Trotz robust", hieß es. Während die Lage genauso gut beurteilt wurde wie im Vormonat, blicken die Befragten positiver nach vorn.
Grund für den Optimismus ist vor allem die Hoffnung auf gute Geschäfte in asiatischen Schwellenländern wie China, Indien oder Südkorea. "In Asien notieren wir Werte, die eindeutig eine konjunkturelle Boomphase signalisieren", schrieben die Experten. Sollte es hier aber zu Störungen kommen, wären stark negative Auswirkungen auf die westlichen Industriestaaten unvermeidlich.
Die Industrie in der Euro-Zone fährt derzeit zweigleisig, wie die jüngsten Umfragen des Markit-Instituts zeigen: Während die Unternehmen in den größten Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich auf der Wachstumsspur bleiben, haben sie in den hoch verschuldeten Staaten Spanien, Irland und Griechenland den Rückwärtsgang eingelegt. Auch auf dem Arbeitsmarkt wird eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Währungsunion sichtbar. In Deutschland sank die Arbeitslosenquote im August auf 6,8 Prozent, in Spanien sind dagegen 20,5 Prozent aller Erwerbsfähigen ohne Job.