Wirtschaft

Neue Prozente-GrenzeFoster's trennt Wein und Bier

26.05.2010, 11:53 Uhr

Australiens größter Brauer Foster's trennt, was nicht zusammengehört. Nach jahrelanger Schwäche der Weinsparte will der Alkohol-Anbieter das Geschäft mit den edlen Tropfen von der gut laufenden Bier-Sparte trennen und beide Bereiche an der Börse notieren.

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(Foto: REUTERS)

Der australische Getränkekonzern Fosters plant seine Aufspaltung. 14 Jahre nach dem Einstieg ins Weingeschäft will der Konzern das schleppend verlaufende Rebsaft-Geschäft von der florierenden Biersparte trennen. Analysten rechnen damit, das sich Rivalen nun die erfolgreiche Bier-Sparte unter den Nagel reißen. Als mögliche Kaufinteressenten gelten das australische Gemeinschaftsunternehmen aus SABMiller und Coca-Cola Amatil. Auch der kleinere Konkurrent Molson Coors, der bereits fünf Prozent an Foster's hält, gilt als Kandidat. Er könnte sich zudem noch einen Partner ins Boot holen.

Die Weinsparte von Foster's ist die weltweit zweitgrößte nach Constellation Brands. Die getrennte Börsennotierung der beiden Bereiche werde voraussichtlich in der ersten Hälfte des nächsten Jahres abgeschlossen sein, teilte Foster's mit. Der Brauer rechnet mit Einsparungen von umgerechnet 66,5 Millionen Euro pro Jahr. Das Geschäft mit dem Wein läuft derzeit weltweit schlecht. Die Produktion liegt seit 2004 in etwa mit 25 bis 28 Milliarden Liter pro Jahr auf unverändertem Niveau; die Nachfrage ist seither aber nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise drastisch gesunken. In Australien haben die Winzer mittlerweile in ihrer Not Weinberge zu Ackerland umgegraben, in Frankreich wird aus Wein Ethanol gemacht und in den USA stehen die Winzer etwa im Napa-Tal bei Banken Schlange, um sich refinanzieren zu können.

Keine Verkaufspläne

Gerüchte, dass eine Restrukturierung im Verkauf des Wein-Geschäfts münden könnte, hatte Foster's unlängst nicht bestätigt. Nach früheren Angaben will das Unternehmen die Ertragslage verbessern und sich alle Optionen offenhalten. Rund die Hälfte der Weinberge sowie 39 Wein-Sorten, die nicht zum Kerngeschäft zählen, sind mittlerweile verkauft.

Bis vor fünf Jahren hatte Foster's das Weingeschäft durch Zukäufe ausgebaut. Vor drei Jahren noch brachte der Wein dem Unternehmen 40 Prozent der Gewinne ein. Wegen des schwierigen Marktumfeldes sind die Gewinne aber um rund ein Viertel eingebrochen.

"Für das Bier-Geschäft ist dies der erste Schritt in Richtung Übernahme", sagte Theo Maas, Analyst bei Arnhem Investment Management. An der Börse wurde ebenfalls auf einen Kauf gewettet. Foster's-Aktien kletterten um fast neun Prozent. Händler sagten, dies beinhalte bereits mögliche Übernahmeangebote. Foster's kontrolliert rund die Hälfte des australischen Biermarktes. Wegen der anhaltenden Probleme dürfte das Wein-Geschäft dagegen vorerst nicht von Interesse für Käufer sein, so Experten.

Quelle: rts