Erste Group Bank Frisches Geld muss her

Die Erste Group Bank aus Österreich stärkt mit einer Kapitalerhöhung ihre Kapitaldecke. Daneben wollen die Österreicher Abschreibungen von Krediten in Osteuropa ausgleichen.
Die österreichische Erste Group Bank AG besorgt sich am Aktienmarkt frisches Geld. Der drittgrößte Kreditgeber in der Region Zentral- und Osteuropa will über eine Kapitalerhöhung bis zu 1,65 Milliarden Euro einnehmen und damit seine Finanzdecke stärken. Der Schritt war erwartet worden. In einem Medienbericht war zuletzt über eine Kapitalerhöhung von etwa einer Milliarde Euro spekuliert worden. Dem Unternehmen bereiten derzeit Verluste bei Krediten in den Ländern Zentral- und Osteuropas Schwierigkeiten. Experten rechnen bis in das kommende Jahr hinein mit einer Ausweitung der Forderungsausfälle in der Region.
"Auch wenn die Länder der Region derzeit mit verschiedenen volkswirtschaftlichen Problemen kämpfen müssen, werden sie sich früher oder später wieder erholen und jenen Unternehmen, die sich nicht aus der Region zurückgezogen haben, ein langfristiges Wachstum garantieren", sagte Erste-Group-Bank-Finanzchef Manfred Wimmer. Bankchef Andreas Treichl erklärte, dass das Geschäftsmodell der Retail- und Mittelstandsbank auch in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld erfolgreich funktioniere.
Wert vervierfacht
Am Montag starte die Zeichnungsfrist, hieß es weiter. Bis zu 60 Millionen junge Aktien sollten zu einem maximalen Bezugs- und Angebotspreis von 32,00 Euro je Aktie begeben werden. Am Donnerstag schloss die Erste-Group-Bank-Aktie an der Wiener Börse bei 27,50 Euro. Seit Februar hat sich der Wert des Papiers mehr als vervierfacht. Der endgültige Preis, zu dem die Aktien angeboten würden, werde erst nach Ablauf der Bezugs- und Angebotsfrist festgelegt. Die eingenommenen Mittel würden zur Verbesserung der Eigenkapitalbasis verwendet. Durch die Kapitalerhöhung würde die Kernkapitalquote (Tier 1) auf 7,8 Prozent von derzeit 6,5 Prozent steigen. Bisher ist das Finanzinstitut eine der am schlechtesten kapitalisierten Banken der Region.
Die Kapitalerhöhung erfolge unter Wahrung der Bezugsrechte der bestehenden Aktionäre, wobei für je 16 alte Aktien 3 neue Aktien bezogen werden könnten, teilte das zweitgrößte Geldhaus Österreichs weiter mit. Hauptaktionär ist die Erste Stiftung, die 31,3 Prozent an der Bank hält. Die größte spanische Sparkasse Criteria Caixa beabsichtigt, alle Bezugsrechte der Ersten Stiftung zu erwerben. Damit würde Criteria ihren Anteil von derzeit fünf Prozent auf zehn Prozent ausbauen. Die neuen Aktien seien ab dem Geschäftsjahr 2009 voll dividendenberechtigt.
Keine Staatsgelder
Nach Angaben des Finanzinstituts wird die vom Staat zugesagte Milliarde in Form von Hybridkapital vorerst nicht in Anspruch genommen. Anders als andere europäische Banken will die Erste Group Bank ihr aufgenommenes Partizipationskapital von 1,8 Milliarden Euro nicht vorzeitig zurückzahlen.
Zudem teilte die Erste Group Bank am Donnerstagabend mit, im dritten Quartal einen Nettogewinn von 228 Millionen Euro verzeichnet zu haben. Dies entspricht in etwa dem Überschuss des Vorjahreszeitraums und liegt deutlich über den Erwartungen von Analysten. Diese hatten im Schnitt mit 188 Millionen Euro gerechnet.