Dicker QuartalsgewinnGM wieder in der Spur
General Motors meldet sich nach zwei schweren Krisenjahren mit einem kräftigen Quartalsgewinn tiefschwarzen Zahlen zurück. Der einst weltgrößte Autobauer verdiente vor allem dank eine starken US-Geschäfts kräftig Geld. Derweil werden Stimmen laut, die eine Rettung der GM-Tochter Opel auch ohne deutsche Staatshilfe für möglich halten.
Der verstaatlichte US-Autohersteller General Motors schreibt nach Stellenstreichungen und Fabrikschließungen zum Jahresauftakt wieder Gewinne. Unter dem Strich verdiente der Konzern im ersten Quartal 865 Mio. Dollar nach rund 6 Mrd. Dollar Verlust vor Jahresfrist. Vor Zinsen und Steuern erreichte GM einen Gewinn (Ebit) von 1,2 Mrd. US-Dollar. Der Umsatz stieg von 22,4 auf 31,5 Mrd. Dollar. Weltweit lieferte GM ein Fünftel mehr Fahrzeuge aus als im Vergleichszeitraum.
Im kommenden Jahr plant GM die Rückkehr an die Börse. Dann könnte auch die US-Regierung als Mehrheitsaktionär wieder beim Autobauer aussteigen. Nach der Rettung von GM mit Staatsgeldern von rund 50 Mrd. US-Dollar hält das US-Finanzministerium rund 60 Prozent an GM.
Rote Zahlen in Europa
In Europa hat General Motors hingegen auch zum Jahresauftakt einen Millionenverlust eingefahren. Vor Zinsen und Steuern verlor GM in Europa 500 Mio. US-Dollar. Im Vorquartal stand ein noch größerer Verlust von 814 Mio. US-Dollar in den Büchern. Nach dem Verkauf von Saab besteht das Europageschäft von GM nur noch aus Opel mit Stammsitz in Rüsselsheim und dessen britischer Schwestermarke Vauxhall.
GM nannte die Zahlen "erfreulich". Die Bilanz unterstreicht die Fortschritte, die GM in den vergangenen Monaten gemacht hat. Der Konzern hat seine Schulden verringert, Stellen abgebaut, Fabriken geschlossen und sich von verlustbringenden Marken wie Hummer, Saab und Saturn getrennt.
Analysten sehen allerdings noch viel Arbeit bei GM. Vor allem müsse das Vertrauen in die Marke auf dem Heimatmarkt Nordamerika wiederhergestellt werden, sagten Experten. Nur dann könne GM erreichen, dass der seit langem anhaltende Trend von Verlusten bei den Marktanteilen umgekehrt wird.
Staatszückzahlung für Opel verschieben
Der Quartalsgewinn des Konzerns dürfte auch die Debatte um Staatshilfen für die Tochter Opel neu anheizen. Nach Meinung von Experten dürfte GM angesichts steigender Verkaufszahlen in Nordamerika und China die Sanierung von Opel auch aus eigener Kraft stemmen können. "Man muss sehr genau hingucken, ob GM das Geld überhaupt noch braucht", betonte Stefan Bratzel vom Center of Automotive der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Nach seiner Blitzinsolvenz arbeite der Opel-Mutterkonzern mit deutlich niedrigeren Kosten.
"GM kann Opel besser und schneller ohne deutsche Staatshilfe sanieren", schrieb Ferdinand Dudenhöffer in einer Analyse. Darin vertritt der Automobilexperte der Universität Duisburg-Essen die Ansicht, dass GM inzwischen über die nötige Liquidität verfügt. Der einst größte Autobauer der Welt müsse lediglich die für Juni angekündigte Rückzahlung des Staatskredits an die USA und Kanada um zwei Monate verschieben. "Durch das unerwartet gute Automobilgeschäft in Amerika und Asien hat GM einen deutlich über den Erwartungen liegenden hohen Cashflow, der nach unserer Analyse im Jahr 2010 über 15 Mrd. Dollar liegen wird", erklärte Dudenhöffer. Zudem helfe der niedrigere Wechselkurs des Euro GM bei der Sanierung von Opel.
Seiner Ansicht nach würde Opel auch von einer Last befreit, wenn die monatelange Hängepartie um Staatshilfe beendet würde. "Die Marke, die in Deutschland ungebremst Marktanteile verliert, kann ihre Image-Verschlechterung aufhalten, wenn die Diskussion um Staatshilfe eingestellt wird", sagte Dudenhöffer. Der Marktanteil von Opel und Vauxhall in Europa ist nach Angaben des Herstellerverbandes ACEA im April binnen Jahresfrist um einen Prozentpunkt auf 6,9 Prozent geschrumpft. In Deutschland war Opels Marktanteil laut Dudenhöffer mit zuletzt 6,6 Prozent so niedrig wie seit über 40 Jahren nicht mehr.
Opel selbst unterstrich dagegen erneut die Notwendigkeit von staatlicher Hilfe in Deutschland. Die Mittel würden für Investitionen in neue Modelle benötigt, sagte ein Sprecher.
Bund und Länder sind einem Medienbericht zufolge zerstritten, ob Opel eine Milliardenbürgschaft aus Steuermitteln erhalten soll. Der Bürgschaftsausschuss hatte sich in der vergangenen Woche nicht auf eine Empfehlung für oder gegen den Hilfsantrag einigen können. GM hatte vor einigen Wochen zugesagt, für die Sanierung von Opel tiefer in eigene Tasche zu greifen, um seine Chancen auf Staatshilfe hierzulande zu verbessern. Insgesamt wollte der Mutterkonzern in Form von Krediten und Eigenkapital 1,9 Milliarden Euro in seine Europatochter und damit dreimal soviel wie bislang geplant stecken.