Wirtschaft

Jubel an deutschen ZapfhähnenGastwirte feiern den Juni

17.08.2010, 10:07 Uhr

Nach solchen Zahlen wäre eigentlich eine bundesweite Lokalrunde fällig: Durstige Fußballfreunde und hungrige Touristen bescheren dem deutschen Gastgewerbe den stärksten Umsatzanstieg seit zwölf Jahren.

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Begehrte Plätze im Schatten: Biergärten verzeichneten dank WM und Sommersonne reichlich Andrang. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Fußball-Weltmeisterschaft und ein zusätzlicher Zustrom an Urlaubern haben den Umsatz im deutschen Gastgewerbe im Juni außergewöhnlich stark angeregt. Wirte und Hoteliers hatten 2,3 Prozent mehr in den Kassen als im Mai, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Das ist der stärkste Anstieg seit Beginn der entsprechenden Statistik im Juli 1998", sagte ein Statistiker. Bereinigt um Preisveränderungen (real) lag das Plus bei 2,1 Prozent, auch das ist so viel wie noch nie siet Beginn der amtlichen Erhebung.

Das Gastgewerbe profitierte im Juni einerseits von dem medialen Großereignis der Fußball-WM in Südafrika, das etwa Biergärten und Lokalen mit Großleinwänden Zusatzgeschäfte brachte. Auch die Bierbrauer setzten im Juni deutlich mehr ab. Gleichzeitig machten deutlich mehr Menschen Urlaub in Deutschland. Verglichen mit dem Vorjahr erwirtschafteten die Wirte und Hoteliers 3,6 Prozent mehr Umsatz, real blieb immerhin ein Plus von 0,7 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr stiegen die Erlöse um 1,7 Prozent. Preisveränderungen herausgerechnet hatten die Wirte dagegen ein Prozent weniger in den Kassen.

Starker Juni, schwacher Mai

Noch im Monat zuvor hatte es auf Basis der Mai-Daten geheißen, das deutsche Gastgewerbe komme nicht aus der Krise. Im Mai 2010 war der Umsatz der Kneipen, Restaurants, Caterer und Hotels gegenüber dem Vorjahresmonat sowohl nominal (minus 1,5 Prozent) als auch real (minus 4,1 Prozent) niedriger ausgefallen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sanken die Erlöse kalender- und saisonbereinigt auch von April auf Mai dieses Jahres: nominal um 1,3 Prozent und preisbereinigt um 1,5 Prozent.

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Nach der WM der zweite "Kracher": Die Deutschen haben sich an das gastronomiebetreute Fernsehen in der Öffentlichkeit gewöhnt. (Foto: picture alliance / dpa)

Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr mussten vor allem Gaststätten und Caterer hinnehmen. Dagegen erzielten Beherbergungsbetriebe zumindest nominal ein Umsatzplus von 1,5 Prozent. "In der Hotellerie kommt etwas Hoffnung auf", hatte die Sprecherin des Branchenverbandes Dehoga, Stefanie Heckel erklärt. Steigende Übernachtungszahlen und die Entlastung durch die Senkung der Mehrwertsteuer nährten die Zuversicht. "Hoffnungsträger und Mutmacher für die Branche ist die Ferienhotellerie - dank des guten Wetters."

Dagegen sehe es in der Gastronomie weiterhin "sehr schlecht aus", hatte Heckel auf Basis der Mai-Zahlen bilanziert. "Die Gastronomen leiden weiter unter den Folgen der Krise des Jahres 2009. Zudem verdarb ihnen das schlechte Wetter im Frühjahr das Open-Air-Geschäft." In Biergärten und auf den Terrassen der Ausflugslokale sei der Umsatz mitunter ganz ausgeblieben.

Nach den Zahlen des Bundesamtes setzte das gesamte Gastgewerbe in Deutschland von Januar bis Mai 2010 nominal 0,2 Prozent und real 2,9 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum.

Quelle: dpa/rts