Zerschlagung oder nicht?Gebalge bei Infineon
Vor der Hauptversammlung bringt sich der Gegenkandidat für den Aufsichtsratsvorsitz beim Halbleiterhersteller Infineon, Willi Berchtold, in Position. Er will das Unternehmen langfristig erhalten und hält nichts von Zerschlagung.
"Ich stehe nicht für eine Zerschlagung, sondern für eine langfristig erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens", sagte Berchtold dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Der 59-Jährige will bei der Infineon-Hauptversammlung am 11. Februar gegen den Favoriten des Managements, Ex-Siemens-Vorstand Klaus Wucherer, antreten und Nachfolger des noch amtierenden Infineon-Aufsichtsratschefs Max Dietrich Kley werden.
Berchtold, Finanzvorstand des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, wird von der oppositionellen Investorengruppe um den britischen Finanzinvestor Hermes unterstützt. Auch weitere Fondsgesellschaften sollen Unterstützung für ihn zugesagt haben. Die Gegenkandidatur Berchtolds, der unter anderem jahrelang Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom war, gilt als Novum in der deutschen Unternehmenslandschaft, weil solche Personalien üblicherweise im Vorfeld von Aktionärstreffen geklärt werden.
Schwelende Unzufriedenheit
Hintergrund des Machtkampfes um die Spitze des Aufsichtsrates ist die Hermes-Kritik an Strategie und Führungsstil bei dem Chipkonzern. So wurden in den Gegenanträgen für die Hauptversammlung häufige Führungswechsel bei Infineon, Verzögerungen bei strategischen Entscheidungen oder deren Umsetzung und eine "verfehlte Personalpolitik" bemängelt. Seit dem Infineon-Börsengang im Jahr 2000 seien "hohe Werte zerstört worden", hieß es bei den Kritikern.
Related contentDem "Spiegel"-Bericht zufolge wollte ein Unternehmensberater den ehemaligen IBM-Deutschland-Chef Berchtold schon im Frühsommer 2008 als Nachfolger für den damaligen Infineon-Chef Wolfgang Ziebart ins Spiel bringen, was Berchtold damals aber abgelehnt habe. Aber schon damals habe er den Konzern als "tolles Unternehmen mit großartigen Mitarbeitern und Produkten" gelobt. Ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat rügte dem Bericht zufolge jedoch, dass der Manager zu ihm und seinen Kollegen bislang noch keinen Kontakt gesucht habe: "Solange sich Berchtold bei uns noch nicht vorgestellt hat und wir nicht wissen, was er plant, können wir ihn schlecht unterstützen."