SEC lässt nicht lockerGoldman in die Knie zwingen
Die US-Börsenaufsicht scheint ihre Strategie bei den Ermittlungen gegen die Investmentbank Goldman Sachs zu ändern. Statt auf eine Verurteilung arbeitet die Kontrollbehörde nun offenbar auf eine Einigung hin. Sie bündelt immer mehr Vorwürfe, so dass es für Goldman immer schwieriger wird, sich zu verteidigen.
Die US-Börsenaufsicht SEC will ihre Klage gegen Goldman Sachs mit neuem Material anreichern und so die mächtige US-Großbank zur Annahme einer Einigung zwingen. Vor zwei Monaten zerrten die Behörden das Institut mit dem Vorwurf vor Gericht, Anlegern bewusst wichtige Informationen über ein komplexes Investmentprodukt namens Abacus 2007 vorenthalten zu haben. Ende der Woche wurde bekannt, dass die SEC sich weitere verbriefte Hypothekenkredite (CDO) anschaut, die faul geworden waren - unter anderem Hudson Mezzanine Funding.
Zudem hatte sich die SEC noch vor der Abacus-Klage genauer mit einer CDO namens Timberwolf von 2007 beschäftigt. Dabei geht es um eine Summe von einer Milliarde US-Dollar. In eine Anhörung des Kongresses im April sprach auch der Senator Carl Levin in einer Befragung von Goldman-Managern Abacus, Timberwolf und Hudson an. Im Mai brachte er dann einen Gesetzentwurf ein, der Interessenskonflikte bei Banken bekämpfen soll. Dabei verwies er ausdrücklich auf Hudson.
Neue Strategie: Einigung statt Verurteilung
Die ehemalige Staatsanwältin Annemarie McAvoy, heute Professorin an der Fordham University, erklärt, welche Strategie der SEC dahinter stecken könnte. "Man bündelt eine Reihe von Dingen und dann wird es schwieriger, sich gegen alle zu verteidigen. Und am Ende gibt man sich geschlagen und sagt: 'Ja, wir einigen uns'." Auch andere Experten gehen davon aus, dass der Druck durch die Untersuchungen und den Kongress so groß werden könnte, dass Goldman-Chef Lloyd Blankfein keine andere Möglichkeit sehen könnte, als eine umfangreiche Einigung einzugehen. "Kommt noch mehr hinzu? Im Moment würde mich das gar nicht wundern", sagt Lawrence White von der New York University.
Am Donnerstag erklärte der Goldman-Sachs-Präsident Gary Cohn in Montreal, es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich seine Bank bald mit der SEC zu der Betrugsklage vom April einigen wird. Der Schaden beläuft sich den Vorwürfen zufolge auf rund eine Milliarde US-Dollar. Betroffen ist auch die deutsche Mittelstandsbank IKB. Goldman hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.
Die Beziehungen zwischen der SEC und Goldman hatten sich zuletzt verschlechtert, nachdem die Bank auf eine Anfrage der SEC nach Informationen der Aufsicht rund 2,5 Mrd. Blatt an Unterlagen geschickt hatte. Analysten zufolge kann auf Goldman Sachs eine Strafe in Milliarden-Höhe zukommen. Mit der Anklage hatten die USA ihre Gangart gegen Personen und Unternehmen verschärft, die sie für die Finanzkrise mitverantwortlich machen.