Kleinere Boni und JobabbauHarte Zeiten für Investmentbanker

Sie hielten sich lange für unangreifbar und fuhren mit ihrem risikoreichen Geschäft dicke Gewinne für ihre Häuser ein - nun wird aber auch bei den Investmentbankern gekürzt. Doch die Gefahren sind damit noch nicht gebannt.
Für die erfolgsverwöhnten Investmentbanker ist es ein neues Gefühl. Vor der Finanzkrise waren sie die Stars bei den internationalen Großbanken. Sie verschafften mit riskanten Geschäften ihren Konzernen riesige Gewinne und sich selbst dicke Boni. Doch rund vier Jahre nach dem von ihnen maßgeblich ausgelösten Ausbruch der Finanzkrise wird immer mehr deutlich, dass diese goldenen Zeiten vorbei sind - zumindest in Europa. Viele Banken haben ausgerechnet bei denen, die sich oft für unentbehrlich und unantastbar hielten, jede Menge Sparpotenzial ausgemacht. Sie streichen weltweit zehntausende Stellen, kürzen die Boni massiv und trennen sich von risikoreichen Geschäften. Doch aus dem Finanzsystem verschwindet das Risiko damit keineswegs.
Wer immer noch glaube, die Branche könne zu ihrem Geschäftsgebaren von vor der Finanzkrise zurückkehren, "sollte sich schleunigst eines Besseren besinnen", sagt etwa Josef Ackermann. Nach Ansicht des scheidenden Chefs der Deutschen Bank, der in seiner Amtszeit den deutschen Branchenprimus selbst in die Top-Liga der internationalen Investmentbanken geführt hat, sind die Zeiten einfacher Gewinne endgültig vorbei. Dass kurz nach der Finanzkrise die Investmentbanken noch einmal dank des billigen Geldes der Notenbanken Traumprofite machten, erwies sich als Strohfeuer. Die Branche steckt in einer Strukturkrise. Das zwingt die Institute zu einer Neuausrichtung der Geschäftsmodelle. Vor allem die lange vernachlässigten Privatkunden gelten dabei als begehrte Klientel.
Boni werden zusammengestrichen
Den Rotstift setzen die Banken bei den Investmentbankern an. Nach einem von Quartal zu Quartal schwächeren Ergebnis im vergangenen Jahr kürzen sie die Bonuszahlungen. Bei der Schweizer UBS gibt es etwa 60 Prozent weniger. Konkurrent Credit Suisse streicht den Bonuspool um rund 40 Prozent zusammen und drückt den Bankern dabei noch eigene Risiken aufs Auge: Denn einen Teil der Prämien bekommen sie in Form von durch Derivate abgedeckte Anleihen aus dem Portfolio der Bank.
Die Deutsche Bank geht noch vergleichsweise milde vor und kürzt die variablen Vergütungen um 17 Prozent. Für Investmentbanker, die einen Teil ihres Selbstbewusstseins aus der Höhe der Boni ziehen, sind die Einschnitte schon ein schwerer Schlag. Es ist ein Signal, dass die rund ein Jahrzehnt andauernde Schlacht der Banken um die besten und teuersten Köpfe zu Ende ist.
Inzwischen geht es aber nicht mehr nur um die Boni, längst stehen zahlreiche Jobs auf dem Spiel. Bei der Deutschen Bank sollen bis Ende März in der Sparte 500 Stellen gestrichen werden. Konkurrenten sind radikaler. Die in der Krise verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) stellt das Geschäft mit Aktien und Übernahmen gleich ganz ein. Auch die einst so stolzen Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die im Investmentbanking das ganz große Rad drehten, setzen hier die Axt an und streichen jeweils tausende Stellen. Neue Kernkundschaften sind nun vor allem die Superreichen dieser Welt.
Verschärfte Regeln
Die Krise des Investmentbankings ist auch eine Folge der nach der Finanzkrise verschärften Regeln. Vom kommenden Jahr an müssen die Institute mehr Eigenkapital für ihr riskantes Geschäft vorhalten. Damit aber ist es einfach nicht mehr lukrativ genug. Um die neuen Vorschriften zu erfüllen, wollen viele Banken ihre Bilanzen radikal verkleinern. Das heißt nichts anderes, als dass sie weniger Geschäft machen und sich von vielen Anlagen trennen. Die Credit Suisse sieht sich dabei als Vorreiter. Bereits bis Ende März - neun Monate früher als geplant - sollen die Risikoanlagen um 80 Mrd. Franken abgebaut sein. 35 Mrd. Franken schaffte die Bank im vierten Quartal. Dafür nahm sie auch Verluste in Kauf.
Während die Risiken aus den Bilanzen der Banken verschwinden, bleiben sie - wie die Banken warnen - im System. Sie wandern lediglich, oft zum Schnäppchenpreis, in den Bereich der Schattenbanken - das sind etwa Hedgefonds, die bei weitem nicht so streng reguliert werden wie die Banken. Hier könnte das riskante Spiel von Neuem beginnen - und manchem Investmentbanker doch wieder einen lukrativen Job bieten. Hier könnte auch die Quelle einer neuen Krise liegen.
Die Politik will reagieren, EU-Wettbewerbskommissar Michel Barnier will die Schattenbanken stärker ins Visier nehmen. Die Frage ist nur, ob es der Politik tatsächlich gelingt, global verbindliche Regeln zu schaffen. Das war schon bei den traditionellen Banken äußerst schwierig.