Umstrittene Praktiken in den USAHickhack um Hypothekenvergabe
Den Hausfinanzierern in den USA könnte es an den Kragen gehen: Sie stehen im Verdacht, Tausende Zwangsvollstreckungen ohne ausreichende Prüfung und mit falschen Dokumenten in Gang gesetzt zu haben. Bei dem Spiel sollen auch ganz Große der Branche mitgemischt haben.
In den USA haben alle 50 Bundesstaaten eine gemeinsame Untersuchung der Hypothekenvergabe angekündigt. Der Schritt könnte Experten zufolge dazu führen, dass sich der Verkauf von Häusern aus Zwangsversteigerungen verlangsamt und damit die Erholung des angeschlagenen Häusermarktes bedroht ist.
Die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten werfen einer ungenannten Zahl von Hypotheken-Banken vor, dass Zwangsvollstreckungen von Mitarbeitern unterzeichnet wurde, die von den konkreten Fällen gar keine Ahnung hatten. Zudem scheine es, als seien die Dokumente in vielen Fällen nicht rechtskräftig ausgestellt worden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Geplatzte Hypotheken sind ein Riesenproblem in den USA: Die Wirtschaftskrise und die damit einher gehende hohe Arbeitslosigkeit haben die Zahl derer in die Höhe schnellen lassen, die ihre Schulden nicht mehr in den Griff bekommen. Vor der Krise hatten die Banken den Kunden mit billigen Krediten den Hauskauf finanziert. Vielfach bekamen selbst Kunden ohne Sicherheiten einen Immobilienkredit.
Die jüngsten Vorwürfe an Hausfinanzierer stoßen in den USA auf ein großes Echo. Die Forderung, Zwangsvollstreckungen landesweit auszusetzen, wird immer lauter - zumal im November Kongresswahlen anstehen.
In die seit Tagen schwelende Debatte hat sich nach Angaben einer Verbraucherschutzgruppe inzwischen auch Notenbankchef Ben Bernanke eingeschaltet. Die Immobilien-Gruppe NCRC zitierte den Fed-Chef mit den Worten, die Zentralbank wolle die umstrittenen Praktiken bei den Versteigerungen prüfen und potenzielle Dokumenten-Probleme lösen. Demnach haben sich Zentralbankvertreter bereits mit den großen Kreditgebern des Landes zu Gesprächen getroffen.
Obama lehnt Stopp ab
US-Präsident Barack Obama sprach sich allerdings gegen eine Pause aus. "Eine breite Aussetzung hat eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen", sagte sein Sprecher Robert Gibbs. Ein solcher Schritt habe klare Nachteile für den ohnehin noch immer kriselnden Immobilienmarkt. Auch Demokrat Christopher Dodd, der bis November noch dem Bankenausschuss des Senats vorsitzt, lehnte ein Moratorium ab.
Nach Schätzung von Experten stehen in diesem Jahr in den USA 1,2 Millionen Häuser zur Zwangsversteigerung an. Die Besitzer haben sich oft auf Hypotheken mit steigenden Zinsen eingelassen, die sie in der Finanzkrise nicht mehr erfüllen konnten. In dem weit verbreiteten Ärger über die mit Milliardenhilfen gestützten Banken stößt der Vorschlag für eine Atempause für die Hausbesitzer in der US-Öffentlichkeit auf ein große Zustimmung.
Analysten warnten, ein Stopp der Zwangsversteigerungen belaste die Erholung der Wirtschaft. Es entstehe Unsicherheit über die Gesundung der Banken, da den Instituten möglicherweise weitere Abschreibungen drohten. Ohne einen Abschluss der Schuldenverfahren hätten die Banken Schwierigkeiten, ihre Bücher von faulen Krediten zu säubern. Ein kompletter Stillstand bei den Zwangsversteigerungen könnte damit für die von der Finanzkrise gebeutelten Banken also noch teurer werden.
Der Bankenausschuss des Senats hat für Mitte November eine Anhörung zu dem Thema angesetzt. Die Aussichten auf konkrete Beschlüsse sind aber gering. Die Demokraten laufen bei den Kongresswahlen am 2. November Gefahr, wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftflaute empfindlich abgestraft zu werden. Vor diesem Hintergrund hatten jüngst führende Kongressmitglieder von Obamas Demokratischer Partei Kreditinstitute aufgefordert, dem Beispiel der Bank of America zu folgen. Das Geldhaus hatte als erste US-Großbank Zwangsversteigerungen in allen Bundesstaaten ausgesetzt.