Ende 2011 drohen rote ZahlenHochtief bangt um Airport-Sparte

Wenige Stunden vor Bekanntgabe der Zwischenergebnisse zum abgelaufenen Quartal muss der Essener Baukonzern Hochtief den Ausblick einholen: Das konjunkturelle Umfeld bereitet dem MDax-Unternehmen offenbar zunehmend Schwierigkeiten.
Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat im dritten Quartal 2011 deutlich mehr verdient als noch vor Jahresfrist. Bei einem Außenumsatz von 5,38 Mrd. Euro verzeichnete das vom spanischen ACS -Konzern beherrschte Unternehmen ein Vorsteuerergebnis von 333 Mio. Euro. Unterm Strich verblieb ein Konzerngewinn nach Minderheiten von 98,7 Mio. Euro. Der Auftragseingang sank zum Quartalsende um 16,6 Prozent auf 16,12 Mrd. Euro. Der Einbruch stehe im Zusammenhang mit der Verschiebung von Großprojekten in das vierte Quartal, hieß es aus Essen.
Mit den Zahlen aus dem Zwischenbericht blieb Hochtief teilweise unter den Erwartungen des Marktes. Im Vorfeld befragte Analysten hatten im Mittel bei einem Außenumsatz von 4,896 Mrd. Euro ein Ergebnis vor Steuern von 340 Mio. Euro und einen Überschuss nach Anteilen Dritter von 109 Mio. Euro erwartet.
Kurzfristig angekündigte Korrektur
Abgesehen davon blicken die Analysten auf den geplanten Verkauf der Flughafenbeteiligungen. Sollte dies anders als bislang beabsichtigt nicht mehr im laufenden Jahr umzusetzen sein, droht dem Essener Konzern ein Verlust im Gesamtjahr. Erst am Vorabend hatte Hochtief eingeräumt, dass sich der Verkauf der Flughafensparte verzögert. Der Konzern korrigierte wenige Stunden vor der Veröffentlichung des Zwischenberichts seine Prognosen für 2011. Ein Verlust im laufenden Jahr sei möglich, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Montag mit.
Aufgrund des zunehmend schwierigen konjunkturellen Umfeldes nahm Hochtief auch von der Prognose für das kommende Jahr Abstand. Die makroökonomische Situation habe dazu geführt, dass der Verkauf der Flughafenbeteiligungen womöglich nicht mehr im laufenden Jahr stattfinde, erklärte das Essener Unternehmen die Lage.
Risiken in Chile und Griechenland
Hochtief stehe dabei weiter in "intensiven Verhandlungen" und sei zuversichtlich, die Transaktion in "naher Zukunft" abzuschließen. Darüber hinaus prüfe der Konzern seine Bewertung möglicher Risiken für PPP-Straßenprojekte in Griechenland und Chile. Erfolge der Verkauf der Flughafensparte nicht mehr im laufenden Jahr, geht Hochtief von einem Konzernverlust von etwa 100 Mio. Euro aus. Das operative Vorsteuerergebnis (Ebita) wird bei etwa 100 Mio. Euro erwartet. Dies gelte auch dann, wenn die Prüfung der PPP-Projekte zu zusätzlicher Vorsorge führen sollte.
Sollte die Sparte Hochtief Airport allerdings doch noch in diesem Jahr verkauft werden können, ändert sich die bisherige Prognose von Hochtief nicht. Der Konzern erwartet dann weiterhin ein Vorsteuerergebnis über der Hälfte des Vorjahreswerts sowie einen Konzerngewinn über Vorjahresniveau.
Aufgrund der Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung sah sich Hochtief gezwungen, auch die Prognose für 2012 zu korrigieren. Der Konzern erwartet nun für das Geschäftsjahr 2012 ein Vorsteuerergebnis und einen Konzerngewinn, die noch über dem Ergebnis von 2010. Darin würden die geplanten Sondereffekte aus dem Verkauf der Beteiligung an "Aurelis Real Estate" und alle Ergebniseffekte, die sich aus dem Verkauf der Flughäfen in 2012 ergäben, enthalten sein.
Bislang hatte Hochtief - abhängig vom Verkauf von Aurelis - ein Vorsteuerergebnis von etwa 1 Mrd. Euro und einen Konzerngewinn von etwa 500 Mio. Euro erwartet. Am Ausblick für 2013 hält der Konzern fest: Hochtief erwartet dann ein Vorsteuerergebnis von mehr als 1 Mrd. Euro sowie einen Konzerngewinn von etwa 450 Mio. Euro rein aus dem operativen Geschäft.