Markt kommt langsam in SchwungImmobilienfirmen atmen auf
Der Immobilienmarkt kommt wieder aus der Versenkung. Grund ist der sich belebende Investmentmarkt. Große Probleme gibt es nach wie vor im Gewerbebereich; dort verläuft das Vermietungsgeschäft äußerst schleppend.
Unter den deutschen Immobilienfirmen wächst nach langer Durststrecke allmählich wieder die Zuversicht. Vor allem der sich langsam belebende Investmentmarkt, der auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 beinahe zum Erliegen gekommen war, stimmt die großen börsennotierten Konzerne optimistischer.
So konnte der Büroimmobilienspezialist IVG zu Jahresbeginn eine Reihe unliebsamer Objekte abstoßen und sich damit zurück in die Gewinnzone retten. Deutschlands größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft Gagfah wiederum berichtete von einer regen Nachfrage privater Investoren nach Eigentumswohnungen, die zu einem stabilen Ergebnis verhalf. Selbst Blockverkäufe sind inzwischen wieder möglich. Experten warnen jedoch: Das Schlimmste ist für die Branche noch nicht vorbei.
Achillesferse bleibt - insbesondere im Gewerbebereich - das Vermietungsgeschäft, denn der Immobilienmarkt reagiert traditionell mit zeitlicher Verzögerung auf die konjunkturelle Entwicklung. "Wichtig für die Entwicklung, nicht nur der IVG, dürfte daher die Neuvermietungsquote und die Prolongationsperformance werden", sagt DZ-Bank-Experte Ulrich Geis. Das Gewinnen neuer Mieter, aber auch die Verlängerung bestehender Verträge ist für die Immobilienfirmen schwierig, wenn der wirtschaftliche Aufschwung gerade erst einsetzt.
Statt Preiserhöhungen waren zuletzt vielerorts Zugeständnisse an die Kundschaft an der Tagesordnung. Entsprechend vorsichtig planen die Konzerne derzeit noch: Die IVG traut sich erst gar keine konkrete Gewinnprognose für das Gesamtjahr zu, obwohl sie im ersten Quartal einen Nettogewinn von zehn Millionen Euro ausweisen konnte. Die kleineren Konkurrenten DIC Asset und Alstria Office gehen 2010 eher von Gewinnrückgängen aus, wie sie in dieser Woche bekräftigten.
Probleme mit Wohnungsleerstand
Im Wohnimmobilienbereich lauern ebenfalls Risiken. Branchenführer Gagfah mit dem Schwerpunkt seines Bestandes in Berlin und Dresden konnte im Auftaktquartal zwar dank seiner Verkäufe einen relativ stabilen operativen Gewinn (FFO) von 47 Millionen Euro verbuchen und schrieb auch netto schwarze Zahlen. Sorgen macht aber der steigende Leerstand, der Ende März trotz guter Lagen 5,4 Prozent erreichte, nach 4,9 Prozent zum Jahresende 2009. Commerzbank-Analyst Burkhard Sawazki sprach in einer Kurzstudie von einem "negativen Signal" für den Cash-flow aus dem Vermietungsgeschäft.
Kleinere Rivalen wie Colonia Real Estate und TAG Immobilien haben gerade erst ihren Sanierungskurs abgeschlossen und sind im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Colonia schaffte einen kleinen Nettogewinn von rund 0,1 Millionen Euro. Der Leerstand wurde zwar auf 13,0 (Ende 2009: 13,6) Prozent gesenkt, bleibt im Branchenvergleich aber extrem hoch - auch weil Colonia Bestände in weniger gefragten Lagen wie Salzgitter hat. Besser unterwegs ist da schon die Hamburger TAG mit einem Vorsteuergewinn von 4,1 Millionen Euro und einer Leerstandsquote von zuletzt 5,5 Prozent. Der Konzern, der Wohn- und Gewerbeimmobilien im Bestand hat, ist schon wieder im Markt unterwegs und kauft vereinzelt zu.