Wirtschaft
EZB-Präsident Draghi: Dreht er bald wieder an der Zinsschraube?
EZB-Präsident Draghi: Dreht er bald wieder an der Zinsschraube?(Foto: picture alliance / dpa)

Die Geldmenge weist den Weg: Inflation tabu, Zinssenkung nicht

In der Euro-Zone häufen sich die Anzeichen für eine bevorstehende weitere Zinssenkung. Der Grund liegt in dem schwachen Wachstum der Geldmenge. Dies wiederum gilt für die EZB als Indikator dafür, dass die mittelfristigen Inflationsgefahren gering bleiben. Erst Anfang des Monats hat die EZB die Zinsen gesenkt.

Das Geldmengenwachstum in der Eurozone hat sich im Oktober unerwartet verlangsamt, was eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche noch wahrscheinlicher macht. Wie die EZB mitteilte, stieg M3 - die für die Zinspolitik der EZB wichtige Geldmenge - gegenüber dem Vorjahresmonat nur um 2,6 Prozent. Von Dow Jones befragte Volkswirte hatten dagegen einen Anstieg um 3,5 Prozent prognostiziert, von Reuters befragte Experten dagegen von 2,5 Prozent. Das zeigt allerdings auch, wie schwierig Prognosen bei diesen Zahlen sind.

Für den gleitenden Dreimonatsdurchschnitt wurde ein Wachstum von 2,8 Prozent ausgewiesen. Hier war ein Plus von 3,2 Prozent erwartet worden. Im Vormonat hatte der Dreimonatsdurchschnitt 2,6 Prozent betragen. Gegenüber dem Vormonat sank M3 im Oktober um 0,6 Prozent, nachdem im September ein Wachstum von 0,3 Prozent verzeichnet worden war. Es war der erste monatliche Rückgang seit Januar dieses Jahres und der stärkste seit Januar 2009.

Inflation kein Thema

Bei der Beurteilung der Risiken für die mittelfristige Preisstabilität misst die EZB der Geldmengenentwicklung eine große Bedeutung bei. Ist das Geldmengenwachstum schwach, sind die mittelfristigen Inflationsgefahren gering. Volkswirte hatten bereits vor dem aktuellen M3-Ausweis prognostiziert, dass die EZB ihre Zinsen wegen der sich eintrübenden Wachstumsaussichten im Dezember oder Januar erneut senken würde. Die Verbraucherpreise im Euroraum waren im Oktober mit einer Jahresrate von 3,0 Prozent gestiegen. Für November wird eine unveränderte Teuerung erwartet. Die EZB definiert Preisstabilität mit einer Teuerung von knapp 2 Prozent.

Umschichtungen

ING-Volkswirt Peter Vanden Houte sagte, der Rückgang des Geldmengenwachstums hätte sogar noch höher ausfallen können. Wahrscheinlich hätten private Haushalte aber wegen der Finanzkrise Mittel in kurzfristige, M3 zugeordnete Anlagen umgeschichtet und damit die Wachstumsrate gestützt.

Den deutlichsten Rückgang verzeichnete im Oktober die Kreditvergabe an die öffentliche hand, die um 0,5 Prozent unter Vorjahresniveau lag, nachdem sie im September noch mit einer Jahresrate von 5,6 Prozent gewachsen war. Die Vorjahresrate der gesamten Kreditgewährung in der Eurozone im Oktober sank auf plus 1,6 Prozent (plus 2,3 Prozent). Die Kreditvergabe an die öffentliche Hand schrumpfte mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent (plus 5,6 Prozent). Die Kreditvergabe an den privaten Sektor nahm um 2,1 Prozent (plus 1,5 Prozent) zu, wobei die Buchkredite an nicht-finanzielle Unternehmen mit einer Jahresrate von 1,9 Prozent (plus 1,6 Prozent) stiegen.

Nachlassende Dynamik auch bei M1

Die Kreditvergabe an private Haushalte expandierte mit einer Jahresrate von 2,2 Prozent (plus 2,9 Prozent), die Kreditvergabe für den Hauskauf nahm um 3,0 Prozent (plus 3,9 Prozent) zu.

Für die Oktober-Entwicklung der enger gefassten Geldmenge M1 wies die EZB eine jährliche Wachstumsrate von 1,7 Prozent aus, nach plus 2,0 Prozent im Vormonat. Für die viel beachtete Expansion der Buchkredite an den privaten Sektor wurde ein Anstieg auf eine Jahresrate von 2,7 Prozent verzeichnet. Im September war hier ein Wert von plus 2,5 Prozent gemeldet worden. 

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Quelle: n-tv.de

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