Wirtschaft

Wird 2011 das Jahr des Booms?Institute heben den Daumen

09.06.2011, 13:11 Uhr
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Die Daten im Blick: In Kiel und Hamburg rechnen die Experten 2011 mit deutlich mehr Wachstum. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Trotz wachsender Risiken geht der Aufschwung weiter: Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Ansicht von Konjunkturexperten aus dem Norden - zumindest im laufenden Jahr - deutlich kräftiger wachsen als bislang erwartet. Gleich zwei Institute korrigieren ihre Prognose nach oben. Für 2012 sehen die Aussichten allerdings weniger rosig aus.

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So stellt man sich das mit dem Aufschwung im Berliner Wirtschaftsministerium vor: Werbematerial aus dem BMWi. (Foto: picture alliance / dpa)

Angesichts der kräftigen Signale aus fast allen Bereichen der deutschen Wirtschaft haben weitere Experten ihre Konjunkturprognose stark angehoben. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,6 Prozent, wie aus einer aktuellen Analyse hervorgeht. Im April lag die Prognose noch bei 2,8 Prozent. Der Aufschwung bleibe auch im Jahr 2011 intakt, stellten die IfW-Experten fest. Im kommenden Jahr dürften sich die Perspektiven dagegen eintrüben: Für das Jahr 2012 sagt das IfW einen BIP-Anstieg um 1,6 Prozent voraus. Nach IfW-Angaben wird mittlerweile in Deutschland mehr produziert als vor der Krise. Auch die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten seien wieder normal ausgelastet, hieß es aus Kiel.

Ähnlich zuversichtlich äußerten sich die Konjunkturexperten des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Die Wirtschaftsforscher aus der wichtigsten deutschen Hafenstadt korrigierten ihre Wachstumsprognose für 2011 ebenfalls kräftig nach oben. "Auch wenn die Konjunkturdynamik von Jahresbeginn so nicht anhalten dürfte, stehen die Chancen für eine Fortsetzung des Aufschwungs von binnenwirtschaftlicher Seite recht gut", teilte das HWWI mit.

"Allerdings haben die Risiken von außen weiter zugenommen", warnten die Experten. Zu diesen Risiken zählten sie die noch nicht ausgestandene Schuldenkrise in der Eurozone, hohe Rohstoff- und Energiepreise sowie konjunkturelle Rückschläge in den USA und wichtigen Schwellenländern. Dennoch erhöhten die Forscher ihre Wachstumsprognose 2011 für Deutschland abermals auf 3,5 Prozent. Im nächsten Jahr erwarten sie ein Plus von 2,2 Prozent - und sind damit für 2012 optimistischer als ihre Kollegen aus Kiel.

Rohöl, Unruhen, Griechenland, Jobs

Noch im März hatten die Hamburger Experten ihre Prognose für 2011 von 2,5 auf 2,3 Prozent gesenkt und dies mit Risiken wie den Unruhen im Nahen Osten und dem steigenden Ölpreis begründet. Auch in ihrer neuen Schätzung betonen die Forscher "eine Reihe externer Risiken, bei deren Zuspitzung der Aufschwung gefährdet ist". Dies gelte in erster Linie für die Eurokrise. "Ein Staatsbankrott Griechenlands scheint zwar abgewendet. Aber selbst bei Zustandekommen eines neuen Rettungspakets für Griechenland wäre die Staatsschuldenkrise nicht überwunden."

Bisher zeigt sich die heimische Wirtschaft trotz der Krise im Währungsraum aber robust. "Die hohe konjunkturelle Grunddynamik spiegelt sich am deutlichsten in der regen Investitionstätigkeit der Unternehmen wider", erklärte das HWWI und erwartet ein Anziehen der Ausrüstungsinvestitionen von gut 14 Prozent in diesem Jahr.

Die Zahl der Arbeitslosen werde 2011 im Jahresschnitt auf 2,95 Millionen sinken und 2012 weiter auf 2,7 Millionen. "Die Unternehmen wollen die Beschäftigung weiter erhöhen, so dass mit steigenden Einkommen auch der private Konsum weiter zunehmen wird." Der Aufschwung gewinne deutlich an Breite.

Quelle: dpa/rts