Wirtschaft
Wurde nicht an einem Tag erbaut: Rom.
Wurde nicht an einem Tag erbaut: Rom.(Foto: REUTERS)

Aufatmen in Mailand und Rom: Italien leiht sich Geld

Zitterpartie in der Eurozone: Zum ersten Mal seit Wochen muss sich das hoch verschuldete Euro-Land Italien wieder an die Kapitalmärkte wenden. In einer viel beachteten Auktion treffen die italienischen Staatsanleihen auf rege Nachfrage. Analysten sehen Anzeichen der Entspannung. Die Risikoaufschläge der Rom-Bonds gehen deutlich zurück.

Italien hat eine wichtige Prüfung am Anleihenmarkt bestanden: Das italienische Schatzamt platzierte unter den Augen von Analysten fest verzinsliche Anleihen im Gesamtvolumen von 6,74 Mrd. Euro und inflationsindexierte Titel über 995 Mio. Euro. Damit sicherte sich das Land neue Kreditmittel über insgesamt fast 8 Mrd. Euro.

Kann die Probleme Italiens nicht alleine lösen: Finanzminister Giulio Tremonti.
Kann die Probleme Italiens nicht alleine lösen: Finanzminister Giulio Tremonti.(Foto: REUTERS)

Im Vorfeld war bei den Festverzinsliche mit Laufzeiten von drei und zehn Jahren mit einem Volumen von 5,5 Mrd. bis 7 Mrd. Euro gerechnet worden. Das Ergebnis der Kreditaufnahme liegt am oberen Rand der erwarteten Spanne. Die Kapitalmaßnahme des italienischen Staates stand von Beginn an unter besonderer Beobachtung: Es war die ersten Auktion EZB kauft Staatsanleihen .

Als wichtigstes Ergebnis verwiesen die Fachleute auf die Kreditkonditionen: Die Refinanzierungskosten für das südeuropäische Land haben sich deutlich verringert. Die durchschnittliche Rendite der neuen 10-jährigen Titel liegt bei 5,22 Prozent, während die Ende Juli platzierten 10-jährigen Papiere noch mit 5,77 Prozent rentiert hatten.

Erste Reaktionen

Die Auktion zeige, dass das Land weiter auf eine vollständige Finanzierung durch die Kapitalmärkte bauen könne, kommentierte Nordea-Analyst Jan von Gerich. Bedanken müssten sich die Italiener für die gesunkenen Renditen allerdings bei der EZB. Diese hatte mit Käufen italienischer und spanischer Papiere begonnen, nachdem die 10-jährigen Renditen auf das als nicht durchhaltbar geltende Niveau von über 6 Prozent gestiegen waren. Die Marke gilt als Schwellenwert, ab der die Kreditkosten für einen schuldenbeladenen Start mittelfristig untragbar werden.

"Solange man den Eindruck hat, dass das aktuelle Renditeniveau künstlich durch Käufe der EZB niedrig gehalten wird, fällt es uns schwer, echtes Kaufinteresse seitens der Investoren zu sehen", merkte Marktstratege David Schnautz von der Commerzbank an. Die Zeichnungsquote der neuen 10-jährigen fiel mit 1,27 niedriger aus als mit 1,38 bei der vorangegangenen Auktion. Während es sich bei den 10-jährigen Papieren um eine Erstemission handelte, wurden die 3-jährigen und 7-jährigen inflationsindexierten Titel lediglich aufgestockt.

Italiens Probleme

Auch wenn die Regierung in Rom nach der jüngsten Bond-Aktion aufatmen kann, bleibt das Land dennoch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ein Ausweg aus dem Schuldensumpf ist bislang nicht in Sicht. Die bislang vorgelegten Berlusconi packt um verhindern lediglich die Neuverschuldung. Gleichzeitig beschränken sie die Möglichkeiten der Politik, ein schwaches Wirtschaftswachstum durch neue Konjunkturimpulse zu stimulieren.

Die italienische Statistikbehörde geht nicht davon aus, dass die Wirtschaft des hoch verschuldeten Euro-Staats in diesem Jahr mehr als 1 Prozent wachsen wird. Es sei unwahrscheinlich, dass das BIP-Plus 2011 deutlich über 0,7 Prozent liegen werde, sagte der Chef der Agentur Istat, Enrico Giovannini im Haushaltsausschuss des Senats in Rom. Auch die italienische Notenbank geht mittlerweile nicht mehr davon aus, dass das Wachstum 1 Prozent übersteigen könnte.

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Quelle: n-tv.de

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