Wirtschaft
Exporterfolge im Automobilsektor (hier Honda) sind nicht alles: Japan braucht mehr.
Exporterfolge im Automobilsektor (hier Honda) sind nicht alles: Japan braucht mehr.(Foto: REUTERS)

Industrie, Arbeitslose, Deflation: Japan fühlt am Konjunkturpuls

Von einem Aufbruch in ein neues goldenes Zeitalter ökonomischer Stärke kann die japanische Wirtschaft nur träumen. Drei schwergewichtige Indikatoren verlängern die roten Linien in der japanische Krankenakte: Der Industriemotor stottert, die Zahl der Erwerbstätigen geht zurück, die Verbraucher zweifeln an den Preisen.

Die Arbeitslosenquote entwickelt sich besser als erwartet: Die Zahl der Erwerbstätigen schrumpft trotzdem.
Die Arbeitslosenquote entwickelt sich besser als erwartet: Die Zahl der Erwerbstätigen schrumpft trotzdem.(Foto: REUTERS)

Japans Industrieproduktion ist im Februar erstmals seit drei Monaten gesunken. Wie das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie auf Basis vorläufiger Berechnungen bekanntgab, verringerte sich der Ausstoß im Vergleich zum Vormonat um saisonbereinigt um 1,2 Prozent.

Insgesamt zeige der Trend aber weiter nach oben, hieß es. Für März erwartet die Industrie wieder ein Plus von 2,6 Prozent, gefolgt von einem weiteren Zuwachs von 0,7 Prozent im April.

Die Arbeitslosenquote in Japan ging im Februar saisonbereinigt auf 4,5 Prozent zurück. Im Vormonat lag sie bei 4,6 Prozent. Ökonomen hatten mit einer Quote von 4,6 Prozent gerechnet. Wie die Statistikbehörde der Regierung mitteilte, fiel die Gesamtzahl der arbeitslosen Personen in Japan auf Jahressicht um 140.000 auf 2,89 Millionen. Die Zahl der Erwerbstätigen verringerte sich um 550.000 auf 65,15 Millionen.

Die Lebenshaltungskosten für die Verbraucher in Japan legten unterdessen im Februar geringfügig zu. Wie das Statistikbüro der Regierung mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise in der Kernberechnung auf Jahressicht um 0,1 Prozent. Im Vorfeld befragte Volkswirte hatten einen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet. Zurückführen ließ sich der Anstieg vor allem auf höhere Preise für Strom und Benzin.

Stagnation und Preisverfall

Die Währungshüter in der japanischen Zentralbank Bank of Japan (BoJ) achten für die Bestimmung ihrer Geldpolitik besonders auf die Kernrate. Der Gesamtindex der Verbraucherpreise in Japan stieg im Februar auf Jahressicht um 0,3 Prozent.

Ein Ende der langjährigen Deflation zeichnet sich allerdings noch nicht ab: Auf Basis vorläufiger Berechnungen wurde mitgeteilt, dass die Verbraucherpreise im Großraum Tokio im März in der Kernrate um 0,3 Prozent niedriger lagen als im Vorjahresmonat, was den Erwartungen entsprach.

Die Daten aus Tokio, die einen Monat Vorlaufzeit vor den nationalen Zahlen haben, werden als Indikator für die künftige Entwicklung angesehen. In der Gesamtrate sanken die Tokioter Verbraucherpreise im März um 0,1 Prozent zum Vorjahr.

Im Februar hatte die Bank of Japan ihre bereits extrem expansive Geldpolitik weiter gelockert und zudem zum ersten Mal ein Inflationsziel genannt. Bei dieser Sitzung wurde das Kaufziel für Wertpapiere um 10 Billionen Yen auf 65 Billionen Yen aufgestockt.

Die BoJ erklärte weiter, es werde mittel- und langfristig ein "Preisstabilitätsziel" von 2 Prozent oder niedriger auf der Basis der Verbraucherpreise angestrebt. Vorerst jedoch verfolge die BoJ ein Inflationsziel von 1 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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