Freitag, 30. Oktober 2009
Auch Privatanleger bluten: K1-Skandal weitet sich aus
Von dem mutmaßlichen Betrug des Hedgefonds K1 sind offenbar auch zahlreiche deutsche Privatanleger betroffen. "Bei uns melden sich täglich eine Reihe von Personen aus dem privaten und institutionellen Bereich, die Kapital bei K1 angelegt haben", sagte Anwalt Klaus Nieding von der Kanzlei Nieding & Barth.
"Nicht nachvollziehbar, wo das Geld am Ende angelegt wurde": Nicht nur Großbanken schauen nun in die Röhre.
(Foto: Reuters)
Wie hoch die Schadenssumme sei und wie viele Sparer ihr Geld verloren hätten, sei noch nicht abschätzbar. "Das ganze Konstrukt ist sehr intransparent, und es ist für Anleger nicht nachvollziehbar, wo das Geld am Ende angelegt wurde", sagte Nieding.
Ob die Investoren das in Fonds des verhafteten K1-Gründers Helmut Kiener angelegte Kapital jemals wiedersehen, ist offen. Auch Banken sind betroffen: Allein Barclays und BNP Paribas ist der Staatsanwaltschaft zufolge ein Schaden von bis zu 280 Mio. Dollar entstanden.
Die Staatsanwaltschaft Würzburg wirft Kiener Betrug und Untreue in mehreren Fällen vor. Der 50-jährigen studierte Psychologe und Sozialpädagoge soll rund um den in der Karibik registrierten Hedgefonds K1 Global Sub Trust ein verzweigtes Netz an Firmen aufgebaut und Gelder entgegen der Absprachen ausgegeben haben, wie aus dem Reuters vorliegenden Haftbefehl für Kiener hervorgeht. Insgesamt hat Kiener nach Aussagen eines Mitarbeiters seiner Vertriebsfirma etwa 600 Mio. Euro von Investoren eingesammelt.
Dubiose Renditeversprechen
Die Machenschaften Kieners sorgten in der Branche schon länger für Rätselraten. "Die Kiener-Produkte waren im Grauen Kapitalmarkt durchaus bekannt, aber es war nie klar, was die eigentlich so machen", sagte Ansgar Guseck, Vorstand der Dachfondsgesellschaft Sauren. Angaben in Werbeprospekten der K1-Gruppe hätten vor "Inhaltslosigkeit" nur so gestrotzt. Seit Jahren werde in Internetforen diskutiert, ob die K1-Fonds die versprochenen Renditen auch tatsächlich erwirtschaftet hätten.
Als "grau" wird der Teil der Finanzmärkte bezeichnet, der nicht reguliert ist und keiner staatlichen Aufsicht unterliegt. Oft tummeln sich hier unseriöse Produktanbieter, die ihre hohen Renditeversprechen nicht halten können. Die Schadensumme bei Anlagen am Grauen Kapitalmarkt beläuft sich nach Schätzungen des Bundeskriminalamts auf bis zu 30 Mrd. Euro pro Jahr. Zuletzt hatte der Betrug der Gesellschaft Phoenix Kapitaldienst die deutsche Anlageszene erschüttert. Zehntausende Sparer verloren den Großteil ihres Geldes, insgesamt 600 Mio. Euro hatten sie angelegt. Die Phoenix-Manager hatten den Investoren jahrelang florierende Geschäfte vorgegaukelt, in Wirklichkeit aber hohe Verluste verbucht.
Finanzaufsicht kann nur zuschauen
Kiener konnte seine Geschäfte jahrelang unter den Augen der Finanzaufsicht betreiben, obwohl diese ihm 2001 die Verwaltung von Finanzportfolios untersagt hatte. Verfahren zur Einstellung zweier Investmentfonds hatte Kiener gegen die BaFin gewonnen. Ein weiterer Prozess ist noch nicht entschieden.
Bei Finanzdienstleistern, die auf dem Grauen Kapitalmarkt agieren, sind der BaFin die Hände gebunden. Die Behörde könne nur eingreifen, wenn die Geschäfte unter das Kreditwesengesetz fielen, sagte eine Sprecherin. Schätzungsweise gibt es in Deutschland aber tausende Anbieter, die nicht nach diesem Gesetz agieren. Politiker und Verbraucherschützer versuchen seit Jahren, diesem Problem Herr zu werden - bislang ohne Erfolg.
rts
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