Mission Arcandor gescheitertKarl-Gerhard Eick im Porträt
Schwieriger konnte ein Neuanfang kaum sein: Als Karl-Gerhard Eick Anfang März Kapitän des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor wurde, war der Dampfer bereits leckgeschlagen.
Doch der Ex-Finanzchef der Deutschen Telekom, der sich bei dem Bonner Konzern einen exzellenten Ruf erarbeitet hatte, scheiterte mit seinen Rettungsmanövern. Nun ist das Schiff gesunken und das Bergungskommando muss übernehmen.
Als der 55-Jährige von der Telekom zu Arcandor wechselte, fragten sich viele, warum tut er sich das an? Es war wohl gerade die große Herausforderung, die Eick reizte. Neun Jahre lang war der promovierte Betriebswirt bei der Telekom Herr über die Finanzen. Eick war maßgeblich an dem Erwerb des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream beteiligt, wodurch die Telekom in den USA Fuß fasste. Aber er kümmerte sich auch darum, die dadurch angehäufte Rekordverschuldung wieder abzutragen. Beim Abschied des gebürtigen Schwaben stand der Bonner Konzern gut da - Eick hatte erreicht, was möglich war. Nur eines schaffte er nicht: Mehrfach wurden ihm Ambitionen auf den Chefsessel der Telekom nachgesagt, zweimal übernahmen andere das Ruder.
Da mag ihm der Notruf von Friedrich Carl Janssen - dem persönlich haftenden Gesellschafter des Arcandor-Großaktionärs Sal. Oppenheim und Aufsichtsratschef des Konzerns - ganz gelegen gekommen sein. Nun konnte er sich als Chef beweisen. Auch die Investoren setzten auf Eick, der als Finanzmann mit Weitblick und guten Kontakten gilt und für als integer und zielstrebig geschätzt wird.
Insolvenzantrag eingereicht
Mit großem Eifer und Arbeitseinsatz stürzte sich "Karlchen" - wie ihn der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke gerne mal nannte - in die neue Aufgabe, gönnte sich keinen freien Tag. Er wollte retten, was andere schon längst totgesagt hatten. Zeit fürs Laufen und Skifahren sowie seine Leidenschaft für das Klavier und die Musik Ludwig van Beethovens blieb ihm kaum.
Doch Eick scheiterte. Die Zeit arbeitete gegen ihn und der Staat stellte sich quer, als er Staatshilfen forderte. Bis zum 12. Juni musste Arcandor 650 Millionen Euro refinanzieren. Zudem brauchte der Konzern bis zu 900 Millionen Euro für die Sanierung. Versuche, Großaktionäre, Banken und Vermieter zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, um Forderungen der Regierung für staatliche Hilfe nachzukommen, liefen ins Leere. Am 9. Juni reichte Eick den Insolvenzantrag ein. Auch die Suche nach einem Ankerinvestor, um den Konzern als Ganzes zu erhalten, gab der Konzernchef Mitte August auf.
Mit der Eröffnung der Insolvenz nimmt Eick jedoch seinen Hut. Denn nun ist der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit seinem Konzept der "Einzelverwertung" am Zug: Investoren sollen getrennt für Karstadt und die Primondo-Gruppe um Quelle gefunden werden. Der Verkauf des an Banken verpfändeten 43-Prozent-Anteils am Reisekonzern Thomas Cook soll ebenfalls Geld in die Kasse spülen.
Doch auch wenn seine Mission scheiterte, Eicks Gehalt ist gesichert: Seinen Fünf-Jahres-Vertrag über insgesamt bis zu 15 Millionen Euro ließ sich Eick bei seinem Wechsel vom Großaktionär Sal. Oppenheim garantieren.