Wirtschaft

Kampf gegen öde InnenstädteKarstadt-Rettung hilft

04.09.2010, 11:46 Uhr

Seit Jahren wird in Deutschland auf eine drohende Verödung der Innenstädte hingewiesen. Dazu tragen großflächige Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese bei. Da ist es ein Zeichen der Hoffnung, dass alle Karstadt-Filialen weiter existieren sollen. Sie sind wichtige Magneten in den städtischen Zentren.

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Karstadt-Stammhaus in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern). (Foto: dpa)

Der Deutsche Städtetag wertet die Karstadt-Rettung als positives Signal, hält eine "Verödung der Innenstädte" aber weiter für möglich. Diese Gefahr sei nicht vollständig abgewendet, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus. "Denn ein Warenhaus allein ist noch kein Garant für eine lebendige, attraktive Innenstadt."

Wegen großflächiger Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese sei es für viele Läden im Stadtzentrum schwierig geworden, rentabel zu arbeiten. "Vielerorts war die drohende Warenhaus-Schließung Anlass dafür, Ideen und Strategien zu entwickeln, um das Publikum in der Innenstadt zu halten und attraktive Angebote zu schaffen", sagte der 58-Jährige. Mit der Karstadt-Entscheidung seien solche Überlegungen nicht hinfällig.

Es sei ein Zeichen der Hoffnung, dass alle Karstadt-Filialen erhalten bleiben sollen. "Diese Häuser sind wichtige Magneten im innerstädtischen Gefüge, die viele Käufer anziehen. Das nutzt natürlich auch den Geschäften in der Nähe", sagte Articus.

Forderung nach Einzelhandelskonzepten

Nachdem vergangenes Jahr in vielen kleineren Städten Hertie- Filialen geschlossen wurden, habe es Zwischenlösungen gegeben. "Zum Beispiel wurden Schaufenster vermietet oder die Häuser für Kulturprojekte genutzt. Aber am wichtigsten ist die Suche nach einem Investor", sagte Articus. Es sei ausgesprochen negativ, wenn für betroffene Häuser keine gleichwertige Nutzung gefunden werde. Die meisten der mehr als 70 geschlossenen Hertie-Standorte standen Anfang August immer noch leer.

Wegen gestiegener Bodenpreise und Gewerbemieten können sich in vielen Stadtzentren allerdings vermehrt nur noch Handelsketten halten. Der kommunale Spitzenverband plädiert deshalb für regionale Einzelhandelskonzepte über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus. "Nur so können erhebliche Überkapazitäten bei der Verkaufsfläche verhindert werden", sagte Articus.

Nach seiner Auffassung haben Warenhäuser eine Zukunft in den Innenstädten. Er räumte allerdings ein, dass die Landschaft vielfältiger werde. "Große Fachmärkte sind in den Städten genauso zu finden wie Shoppingcenter mit kleinteiliger Ladenstruktur. Wichtig ist für die Städte, ein vielfältiges Gesamtangebot an Waren- und auch Dienstleistungen in der Innenstadt zu sichern."

Quelle: dpa