Wirtschaft

Staatsanwaltschaft ermitteltKartell im Schienengeschäft?

30.06.2011, 17:08 Uhr
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(Foto: picture alliance / dpa)

Mit unerlaubten Preisabsprachen bei Eisenbahnschienen soll ein Kartell unter dem Namen "Schienenfreunde" hohe Millionenschäden angerichtet haben. Bei den Ermittlungen geht es laut Staatsanwaltschaft um zehn Unternehmen. Hauptgeschädigter des mutmaßlichen Stahlkartells: die Deutsche Bahn.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen mutmaßlicher Kartellabsprachen im Schienengeschäft. Die Untersuchungen richteten sich gegen etwa 10 Firmen und rund 30 Personen, sagte ein Behördensprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Die Ermittlungen seien in einem frühen Stadium. Angaben zur Schadenshöhe könnten nicht gemacht werden.

Die Deutsche Bahn geht nach eigenem Bekunden davon aus, dass sie Millionen wegen der mutmaßlichen Absprachen verlor.

Seit mindestens 2001

Mitte Mai hatte das Bundeskartellamt wegen des Verdachts von Absprachen bei Preisen und Aufträgen Büroräume mehrerer Unternehmen aus der Bahntechnik-Branche in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Berlin und Baden-Württemberg durchsucht. Die Firmen, die Schienen an Regional- und Industriebahnen, Nahverkehrskunden oder Bauunternehmen verkaufen, standen nach Angaben des Amtes im Verdacht, Einzelaufträge seit mindestens 2001 regional abgesprochen zu haben.

Der Deutsche Bahn teilte mit, es würden Schadensersatzansprüche geprüft. "Sobald wir aus dem Ermittlungsverfahren ein klares Bild von dem Kartell haben, werden wir mögliche Ansprüche gegen die Kartellbeteiligten prüfen", kündigte Gerd Becht, Vorstand Recht des Unternehmens an.

ThyssenKrupp-Tochter betroffen

Die Beamten wurden unter anderem bei der ThyssenKrupp-Tochter GfT Gleistechnik GmbH vorstellig geworden. Ein Sprecher von ThyssenKrupp bestätigte, dass bei der Tochter fast die komplette Führungsriege ausgetauscht worden sei, nachdem sich der Vorwurf wettbewerbswidriger Absprachen erhärtet habe. "Solche Absprachen werden bei uns nicht toleriert." Die Mitarbeiter seien entlassen und die Kunden informiert worden. Bei der Tochter handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Unternehmen des Mischkonzerns, der weltweit 180.000 Mitarbeitern hat. GfT Gleistechnik beschäftigt 280 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von 300 Mio. Euro.

Auch die österreichische Voestalpine mit einer deutschen Tochter in Duisburg ist ins Visier der Ermittler geraten. Der Konzern hatte bereits angekündigt, mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen. Bestätigt sich der Verdacht illegaler Absprachen, kann das Kartellamt empfindliche Geldstrafen gegen die beteiligten Unternehmen verhängen.

Deutsche Bahn Hauptgeschädigter

Die "WAZ" berichtete unter Berufung auf Unterlagen, dass vor allem die Deutsche Bahn geschädigt worden sei. Allein 2006 ließen überzogene Abrechnungen auf Basis von Preisabsprachen einen Schaden bis zu 100 Mio. Euro vermuten, berichtete das Blatt. Dieses Geld habe die Bahn zuviel für die Schienen bezahlt. Das Kartell habe sich "Schienenfreunde" genannt und bis 2008 existiert. Der Gesamtschaden könnte im hohen dreistelligen Millionenbereich liegen, hieß es.

Quelle: rts