Wucher am GeldautomatKartellamt soll prüfen
"Kollektiver Wucher" nennt der Chef der Verbraucherzentralen die Gebühren für das Geldabheben an fremden Geldautomaten. Das Kartellamt wird sich, Medienberichten zufolge, der Sache annehmen.
Banken und Sparkassen geraten wegen der teils hohen Gebühren fürs Geldabheben an Automaten fremder Institute zunehmend unter Druck. "Was die Banken da betreiben, ist kollektiver Wucher", sagte der Chef des Verbraucherzentralen Bundesverbandes (vzbv), Gerd Billen, der "Bild". Die Fremdgebühren an Geldautomaten hätten mit Marktpreisen nichts mehr zu tun. "Hier wird auf dem Rücken der Verbraucher ein Verdrängungswettbewerb geführt."
Billen forderte das Kartellamt auf, zu prüfen, "ob die Banken verbotene Absprachen getroffen haben". Ein Sprecher des Bundeskartellamts erklärte auf Anfrage von "Bild", dass das Amt sich das Thema "anschaue". Es lägen Beschwerden von Wettbewerbern und Verbrauchern vor.
Tatsächliche Kosten bei 60 Cent
Laut einer Untersuchung der Finanzberatung FMH in Frankfurt am Main sind im vergangenen halben Jahr die Gebühren fürs Fremdabheben durchschnittlich um 13 Prozent auf 5,64 Euro pro Auszahlung gestiegen. Zehn Geldhäuser verlangen demnach von Kunden fremder Institute mittlerweile sogar zehn Euro pro Vorgang. Zu diesen Instituten gehören zum überwiegenden Teil Genossenschaftsbanken, aber auch Sparkassen und eine Direktbank. Branchenangaben zufolge schlägt ein Abhebevorgang bei einem Fremdinstitut tatsächlich mit 60 Cent zu Buche.
Billen kritisierte, die Gebühren würden zum Teil 20mal so hoch liegen wie die Kosten. Zweitens würden die Kosten "nur sehr versteckt ausgewiesen", die Kunden würden "erst auf dem Kontoauszug" Klarheit haben. Drittens würden Geldautomaten teilweise für die Kunden von Konkurrenten komplett gesperrt.