Montag, 26. Oktober 2009
Kein Schub durch Regierungswechsel: Kauflust stagniert
In der Bevölkerung herrscht weiterhin Angst vor der Wirtschaftskrise. Durch den Regierungswechsel hat sich die Kauflust jedenfalls nicht gesteigert. Vielen Bürgern ist unklar, was an Be- und Entlastungen auf sie zukommt.Die Bundestagswahl hat die Kauflust der Deutschen nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nicht beflügelt. "Die Bürger warten erst einmal ab, bis klar ist, was an Be- oder Entlastungen auf sie zukommt", sagte der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Angesichts der horrenden Staatsverschuldung seien die Menschen ohnehin skeptisch, ob die angekündigten Steuersenkungen eingehalten werden können.
Die Verbraucherstimmung wird sich laut Bürkl auch im kommenden Jahr noch nicht wesentlich verbessern. "Wir befinden uns zwar auf dem stetigen Weg aus der Tiefe", sagte der GfK-Experte zu den vor kurzem nach oben korrigierten Wachstumsprognosen. Somit werde auch der Arbeitsmarkt nicht in dem Maße einbrechen wie noch im Frühjahr befürchtet. "Die Arbeitslosigkeit bleibt aber der größte Bremsklotz für den Konsum", betonte Bürkl.
Arbeitsmarkt bestimmt alles
Auch das bevorstehende Weihnachtsgeschäft hängt seiner Meinung nach davon ab, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. "Angst vor Arbeitslosigkeit bedeutet fehlende Planungssicherheit und zunehmende Verunsicherung", sagte Bürkl. Für den Fall, dass sich der Arbeitsmarkt weiterhin als so robust erweist wie bisher, schließt er jedoch eine positive Überraschung im Weihnachtsgeschäft nicht aus.
Das endgültige Aus für das Versandhaus Quelle wird sich nach Einschätzung des Konsumforschers nur wenig auf die Verbraucherstimmung im gesamten Land auswirken. "Die Verunsicherung wird sich auf die von der Schließung betroffenen Regionen und die Zulieferer beschränken", erklärte Bürkl.
Es sei aber falsch, die Kunden für die akuten Schwierigkeiten verantwortlich zu machen. "Die Ursachen und Fehler bei Quelle liegen lange zurück", sagte Bürkl. Es sei allerdings nachvollziehbar, dass sich die Kunden nach dem Insolvenzantrag mit Bestellungen zurückgehalten haben. "Wenn ein Unternehmen auf der Kippe steht, sind die Käufer vorsichtig, insbesondere wegen der Garantie etwa bei Elektrogeräten."
mme/dpa
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