Wirtschaft

Versammlung ohne TeilnehmerKein Geld für Arcandor-Gläubiger

09.11.2009, 17:00 Uhr

Die Gläubiger der insolventen Arcandor können sich kaum Hoffnung auf Begleichung ihrer Forderungen machen. Insolvenzverwalter Görg machte auf der Gläubigerversammlung in Essen deutlich, dass die Insolvenzquote im "unteren Promillebereich" liegen werde. Von jedem Euro, den Arcandor etwa Lieferanten und Kreditgebern schuldet, wäre das weniger als ein Cent.

Arcandor
Mehr Stühle als Gläubiger. (Foto: dpa)

Nach Aussage des Görg-Sprechers sind bislang Forderungen in Höhe von 15 Mrd. Euro angemeldet worden. Die wesentlichen Vermögenswerte gehörten entweder Dritten, etwa das Reiseunternehmen Thomas Cook oder die Karstadt-Namensrechte, oder seien nichts wert, hieß es von der Insolvenzverwaltung.

In der riesigen Essener Grugahalle herrschte am Montag gähnende Leere, nur 79 Gläubiger hatten sich angemeldet. Klaus Hubert Görg sprach von einer "merkwürdigen Kulisse": Nur die ersten beiden Stuhlreihen waren besetzt. Die Grugahalle hat 7.700 Sitzplätze. Der 68-jährige Görg hat für sein letztes Insolvenzverfahren mehr Kritik auf sich gezogen als mit allen zuvor. Die von ihm geschürte Erwartung eines Verkaufs des Versandhandels im Ganzen und das abrupte Ende von Quelle hat Belegschaft und Öffentlichkeit auf die Barrikaden gebracht.

Erst Arcandor, dann Karstadt, dann Quelle

Am Montag geht es nur um die Arcandor AG, die ihre Holding-Funktion für Karstadt, Quelle, die bereits verkaufte Reisetochter Thomas Cook und die anderen Töchter in der Insolvenz aber verloren hat. Bis die Sparten veräußert seien, werde die Holding noch aufrechterhalten, sagte Görg. Die Gläubiger der Warenhaussparte Karstadt treffen sich am Dienstag an gleicher Stelle, die von Quelle folgen am Mittwoch.

Entschieden wird auf der Versammlung wenig. Formal treffen sich die Gläubiger nur, um den Gläubigerausschuss und den Insolvenzverwalter zu bestätigen, die den Prozess lenken sollen. Bis Kreditgeber, Lieferanten und Dienstleister Geld sehen, kann es Jahre dauern.

Karstadt-Verkauf noch 2009?

Karstadt-Puppen
Ob bei Karstadt noch mehr zu holen ist? (Foto: dpa)

Höhepunkt der Woche dürfte die Karstadt- Gläubigerversammlung werden, bei der es um das weitere Schicksal von 126 Waren- und Sporthäusern sowie von 28.000 Beschäftigten geht. Bei dieser Veranstaltung haben 33.500 Gläubiger Forderungen von 2,6 Mrd. Euro zu Protokoll gegeben. In der Grugahalle wird dann mit einem deutlich stärkeren Andrang von Gläubigern gerechnet, zu denen auch die Karstadt-Beschäftigten gehören. Die Karstadt-Gläubiger können auf eine geringfügig höhere Rückzahlung ihrer Forderungen in Höhe von etwa einem Prozent hoffen.

Der Verkauf von Karstadt könnte noch in diesem Jahr anlaufen. Nach der Einigung mit den Arbeitnehmervertretern seien auch die Gespräche mit den Vermietern weit fortgeschritten, sagte eine mit dem Verfahren vertraute Person. Die meisten Häuser hatte der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff an das "Highstreet"-Konsortium verkauft, dem vor allem Fonds von Goldman Sachs und der Deutschen Bank angehören.

Am Dienstag sollen die Gläubiger einen Bericht über den Stand des Verfahrens bekommen. Auf dieser Basis will Görg sich die Zustimmung der Gläubiger holen, das Insolvenzplanverfahren zur Sanierung voranzutreiben. Vom tatsächlichen Verkaufsprozess ist dies aber unabhängig. 17 der 126 Waren- und Sporthäuser droht die Schließung, 109 will Görg auf jeden Fall bis zum Verkauf fortführen. Die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi sollte am Montag den vereinbarten Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter von 150 Mio. Euro über drei Jahre absegnen.

Pfiffige Sekretärinnen haben Erfolg

Quelle-Sekretaerinnen
Selbst ist die Frau. (Foto: dpa)

Statt auf Geld zu warten, haben sich unterdessen fünf Quelle-Chefsekretärinnen am Nürnberger Hauptbahnhof einen Schaukasten gemietet. Darin stellten sie ein riesiges Werbeplakat mit einem Gruppenfoto und dem Aufdruck "Sekretärinnen suchen neuen Chef" auf – offenbar mit Erfolg.

Denn nach der pfiffigen Plakataktion haben sich bereits erste potenzielle Chefs bei den Damen gemeldet. "Innerhalb einer Woche haben wir ungefähr 15 Jobangebote bekommen. Es läuft also ganz gut", sagte Sekretärin Sabine Schweiger. Ob alle Angebote tatsächlich seriös seien, müsse aber erst einmal überprüft werden.

Quelle: sla/rts/dpa/AFP