Wirtschaft
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Zahlreiche Flüge annuliert: Köln/Bonn wird lahmgelegt

Am Flughafen Köln/Bonn fallen wegen eines Streiks zahlreiche Flüge aus. Fluggastkontrolleure legen die Arbeit nieder, um den Druck in den festgefahrenen Tarifverhandlungen im nordrhein-westfälischen Sicherheitsgewerbe zu erhöhen.

Im festgefahrenen Tarifstreit des privaten Sicherheitsgewerbes sind Fluggastkontrolleure zum siebten Mal in Nordrhein-Westfalen in den Ausstand getreten. Am Airport Köln/Bonn mussten Reisende erneut Behinderungen bei Abflügen und Ankünften in Kauf nehmen. 150 Mitarbeiter traten dort seit den ersten Schichten um 4 Uhr in den Streik, wie Verdi-Sprecher Özay Tarim mitteilte. Er kündigte an, dass die Zahl im Laufe des Tages auf etwa 220 Streikende steigen werde. Das seien – bis auf wenige Kräfte mit befristeten Verträgen – nahezu alle Beschäftigten.

Als Konsequenz fielen wieder rund 50 Starts und Landungen aus. Der Flughafen und die Airlines informierten auf ihren Internetseiten über Annullierungen. Betroffen waren etwa Verbindungen nach Berlin-Tegel und München. Allein Germanwings strich nach eigenen Angaben 26 abfliegende und ankommende Maschinen.

Streik dauert den ganzen Tag

Die Flughafenverwaltung bat Passagiere, sich bei ihren Airlines nach dem Status ihres Fluges zu erkundigen und möglichst auf Handgepäck zu verzichten. Der Flughafen richtete eine Telefon-Hotline ein. Der Warnstreik soll den ganzen Tag andauern. Viele Passagiere zeigten sich nervenstark oder blieben von vornherein fern. Trotz Streiks wurden vereinzelt Flüge abgefertigt. Eine Kontrollschleuse war mit Personal der Bundespolizei besetzt. Verdi schloss zudem Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen von der Aufforderung zum Streik aus.

Seit Januar wurden der Düsseldorfer Flughafen dreimal und der Flughafen Köln/Bonn jetzt insgesamt viermal bestreikt. Die Streikbereitschaft sei ungebrochen, die Mitarbeiter "stinksauer", heißt es bei Verdi. Inzwischen drückt die Gewerkschaft ihre Lohnforderungen nicht mehr in Prozent, sondern in Eurobeträgen aus.

"30 Prozent klingt für die meisten nach viel, aber in der untersten Lohngruppe sind das nur 2,50 Euro", erläuterte Özay Tarim. Für die Fluggastkontrolleure, die zur oberen Lohngruppe gehören, verlangt Verdi ein Plus von 3,64 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber bieten nach Gewerkschaftsangaben für die Beschäftigten der untersten Lohngruppe 40 Cent mehr an.

Germanwings kritisiert Streik

Verdi spricht davon, die insgesamt 34.000 Beschäftigten der Branche in NRW "aus dem Niedriglohnsektor" herausholen zu wollen. Die Arbeitgeber dagegen warfen der Gewerkschaft im Lauf der Gespräche vor, mit falschen Zahlen zu operieren. "Es gibt bis heute kein neues Angebot der Arbeitgeber. Aber wir wollen noch vor den Osterferien einen neuen Tarifvertrag unterschreiben, damit endlich Frieden an den Flughäfen einkehrt", meinte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker.

Die Airlines haben für den Streik wenig Verständnis. Der Chef der in Köln/Bonn beheimateten Fluggesellschaft Germanwings, Thomas Winkelmann, beklagte sich über die wiederholten Streiks. Passagiere würden als Geiseln genommen, und die Airline erleide Schaden in Millionenhöhe, obwohl sie keinerlei Einfluss auf die Tarifauseinandersetzung habe. Winkelmann forderte die Politik auf, über neue Rahmenbedingungen für Tarifauseinandersetzungen nachzudenken. "Wir sind nicht Teil des Tarifkonflikts", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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