Wirtschaft

Zwischen Hoffen und BangenKonsumenten in der Krise

22.12.2009, 13:58 Uhr

Halten die Konsumenten noch ein weiteres Krisenjahr durch? Bislang hat sich der deutsche Verbraucher erstaunlich gut geschlagen und weiter kräftig gekauft. Angesichts der durchwachsenen Konjunkturprognosen könnten die Portemonnaies aber schnell zuschnappen.

Portemonnaie
Die Geldbörsen schließen sich langsam. (Foto: picture-alliance/ dpa)

In dem sich zum Ende neigenden Jahr war der Konsum die wesentliche Stütze der angeschlagenen Wirtschaft. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise habe sich das Konsumklima "überaus robust und widerstandsfähig" gezeigt, lobt die Gesellschaft für Konsumforschung und rechnet für 2009 mit einem Plus von 0,5 Prozent. Für 2010 erwarten die Wirtschaftsforscher jedoch eine leichte Abkühlung.

Knackpunkt Arbeitsmarkt

Zwar würden viele Verbraucher auf Konjunkturhilfen der Regierung wie höheres Kindergeld und den höheren Kinderfreibetrag setzen, so die Analysten. Auf der anderen Seite stünden jedoch die angekündigten Preiserhöhungen für Strom und Gas. Der größte Knackpunkt ist jedoch der Arbeitsmarkt: Auch wenn der Anstieg der Arbeitslosigkeit vermutlich weniger stark ausfallen werde, als zunächst angenommen, könne es brenzlig werden, wenn die durchschnittliche Arbeitslosenzahl deutlich über 4,1 Millionen steigt, warnt die GfK. Viele Verbraucher wappnen sich schon jetzt –die Sparneigung ist im Dezember deutlich angestiegen.

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Nur noch blasse Erinnerung: Die Abwrackprämie. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Die guten Zeiten liegen eindeutig hinter uns", meint Ulrike Kastens, Volkswirtin bei Sal Oppenheim. Die Krise werde auf dem Arbeitsmarkt ankommen und das werde sich negativ auf das Konsumklima auswirken. "Viele, die jetzt noch in Kurzarbeit sind, machen sich natürlich Sorgen, wie es weitergeht. Dazu kommt, dass die großen Anschaffungen getätigt sind – der Abwrackprämie sei dank." Auch der Analyst Sebastian Wanke von der Deka-Bank macht eine große Ernüchterung bei den Verbrauchern aus: "Die Abwrackprämie ist ausgelaufen, die Regierung steckt mehr oder weniger in der Zwangsjacke der Krisenschulden. Zudem sind die Wachstumsprognosen verhalten für das kommende Jahr. Die Verbraucher trauen dem Ganzen nicht."

Durchwachsene Prognosen

In der Tat ist es schwierig, bei den aktuellen Konjunkturprognosen eine klare Richtung zu erkennen. Die Zahlen sind mehr oder weniger dieselben – die Auslegungen nicht. So geht das Bundesfinanzministerium davon aus, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft zum Jahresende an Fahrt verliert – auch wegen der zunehmenden Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte. In Zahlen ausgedrückt wäre das weniger als die 0,4 und 0,7 Prozent Plus, die im zweiten und dritten Quartal erzielt wurden.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, DIHK, geht dagegen davon aus, dass die Konjunktur im letzten Quartal 2009 um 0,6 bis 0,7 Prozent zulegt und damit das Tempo hält. Auch das DIW-Institut prophezeit in den am Dienstag veröffentlichten Daten ein Plus von 0,6 Prozent – gibt sich aber weniger optimistisch als zuletzt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft glaubt wiederum, das Deutschland auf den kräftigen Aufschwung noch warten muss.

Welchen Schluss die Verbraucher aus all den Zahlen gezogen haben, ist bereits im Weihnachtsgeschäft spürbar. Die Kauflaune stieg und sank mit dem Wetter – warme Strickpullis, Mütze und Handschuhe gingen flott über den Ladentisch, bei kostspieligeren Waren wie der Unterhaltungselektronik müssen die Händler noch auf die letzten Stunden vor dem Weihnachtsfest hoffen – wenn die Geschenke-Verzweiflung das Portemonnaie noch den entscheidenden Moment lang offen hält.

Quelle: sla/rts/dpa/AFP