Börsianer entsetztL'Oreal kappt Gewinnziele
Das Kapitel zweistelliges Gewinnwachstum ist für den französische Kosmetikriesen L'Oreal erst einmal erledigt. Das Unternehmen will laut Konzernchef Jean-Paul Agon "nicht mehr unter einem Joch arbeiten". Diese Äußerung kommt an den Börsen schlecht an.
Der französische Kosmetikriese L'Oreal hat sich zum Unmut von Börsianern nach der Vorlage enttäuschender Geschäftszahlen von seinen langjährigen Gewinnzielen verabschiedet. Der Hersteller von Garnier-Shampoos und Make-up der Marke Yves Saint Laurent erklärte, nicht mehr wie bislang ein zweistelliges Gewinnwachstum anzupeilen. Laut Konzernchef Jean-Paul Agon will das Unternehmen "nicht mehr unter einem Joch arbeiten".
An der Börse kam der Kurswechsel schlecht an: L'Oreal-Aktien stürzten in Paris ab und zogen in Frankfurt auch die Titel von Beiersdorf und Henkel ins Minus. "Das ist ein ziemlich fundamentaler Wandel", erklärte ein Analyst in London. "Der bisherige Aktienkurs war von der Annahme bestimmt, dass die Gewinnziele eingehalten werden."
L'Oreal hatte das Ziel eines zweistelligen Gewinnwachstums bis zum Beginn der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zwei Jahrzehnte durchgehalten. Die Aufgabe soll dem Konzern nun vor allem mehr Freiheit bei Investitionsentscheidungen verschaffen. In diesem Jahr etwa sollen die Ausgaben für Forschung schneller zulegen als der Umsatz.
Marktanteile eingebüßt
Die Franzosen hatten zuvor ihre Geschäftszahlen vorgelegt und waren dabei bereits hinter den Erwartungen zurückgeblieben. 2009 verbuchten die Franzosen einen Umsatzrückgang von 1,1 Prozent - obwohl der Gesamtmarkt um ein Prozent zulegte. Somit büßte L'Oreal Marktanteile ein, obwohl er sich bislang auf die Fahnen geschrieben hatte, besser als die Gesamtbranche abzuschneiden. L'Oreal hat weltweit einen Marktanteil von rund 15 Prozent. Der Gewinn sank dabei vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut fünf Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro. Vor allem die sinkende Nachfrage nach teuren Produkten wie Lancome-Lippenstiften machte L'Oreal zu schaffen.
Agon sprach jedoch von einem guten Start ins Jahr, obwohl von einer Erholung in Nordamerika noch nichts zu spüren sei. "Wir haben das Gefühl, dass wir die Krise in diesem Jahr hinter uns lassen." Deshalb sehe sich der Konzern auch wieder auf dem Wachstumspfad - Umsatz und Ergebnis sollen 2010 wieder zulegen.