Neue Rettungsmaßnahmen fällig?LBBW mit Milliardenverlust
Die größte deutsche Landesbank LBBW rechnet nach kurzem Aufwind im Frühjahr auch 2009 mit tiefroten Zahlen. Erwartet wird erneut ein Verlust von rund zwei Mrd. Euro. Nun wird schon wieder über Rettungsmaßnahmen gegrübelt.
Die größte deutsche Landesbank LBBW rechnet nach kurzem Aufwind im Frühjahr auch 2009 mit tiefroten Zahlen. Im laufenden Geschäftsjahr werde ähnlich wie 2008 ein Verlust von rund zwei Mrd. Euro erwartet, berichtet die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen der Eigentümer der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Gründe dafür seien die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie Ausfälle durch riskante Immobiliengeschäfte. Dem nun verschärften Sparkurs von LBBW-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter könnten 2.000 Jobs zum Opfer fallen.
Bei den großen Anteilseignern - Land Baden-Würtemberg, Südwest- Sparkassen und Stadt Stuttgart - wird nun schon wieder über Rettungsmaßnahmen nachgedacht. Im vergangenen Jahr hatte das Geldhaus infolge der Finanzmarktkrise einen Verlust von rund 2,1 Mrd. Euro eingefahren. Danach hatten die Träger dem Institut mit einer Kapitalspritze von fünf Mrd. Euro und Garantien für riskante Wertpapiere in Höhe von 12,7 Mrd. Euro unter die Arme gegriffen.
Vetter habe den Vorsitzenden der Trägerversammlung, Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), bereits über das erwartete Minus informiert, hieß es in den Kreisen. Ein LBBW- Sprecher sagte lediglich, das geplante Restrukturierungskonzept werde Anfang Oktober vorgestellt.
Abschreibungen belasten
Obwohl noch drei Monate des Geschäftsjahres ausstehen, sei schon jetzt absehbar, dass die Abschreibung von Planungskosten für nicht realisierte Bauprojekte die Bank stark belasten werde, hieß es. Zudem sei die LBBW gezwungen gewesen, hochdefizitäre Projekte preiswert abzustoßen.
Hinzu kommt, dass die wegen der Krise dramatisch nach oben geschnellte Risikovorsorge auf die Bilanz des Branchenprimus drückt. Zahlreiche Unternehmen kämpfen mit den Folgen der Krise, dadurch steigt das Risiko von Insolvenzen und möglicher Kreditausfälle. Die Bank wappnet sich dagegen mit einer höheren Risikovorsorge. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat im ersten Halbjahr 2009 mit einem Minus von zehn Prozent den stärksten Einbruch in ihrer Geschichte erlebt. Das schlage auch auf die LBBW durch, hieß es.
Nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" gibt es bei den Eigentümern erste Überlegungen über neue Hilfen: "Wenn es sich weiter so entwickelt, wie das zu befürchten ist, kommen wir um eine weitere Kapitalerhöhung womöglich nicht herum", zitiert das Blatt einen Spitzenbeamten aus Oettingers Umfeld. Laut dpa wollen Land und die Sparkassen eine weitere Kapitalspritze aber unbedingt verhindern. "Die LBBW wird die Verluste selber realisieren und nicht die Eigner in Anspruch nehmen", hieß es.
Nach der Rückkehr in die Gewinnzone zu Jahresanfang hatte die LBBW auch im ersten Halbjahr 2009 noch schwarze Zahlen geschrieben. Allerdings schmolz der Überschuss im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 21 Mio. Euro. Während von Januar bis März unter dem Strich noch ein Gewinn von 236 Mio. Euro stand, waren es im ersten Halbjahr noch 215 Mio. Euro.
Harter Sparkurs
Angesichts dieser Entwicklung hatte der als harter Sanierer geltende Vetter Ende August die Erwartungen gedämpft und einen drastischen Sparkurs angekündigt. Nach dpa-Informationen will der Vorstandschef pro Jahr 400 Mio. Euro einsparen.
Die Hilfen der Träger hat die EU-Kommission bisher nur unter Auflagen genehmigt. Dank der Hilfe stieg die Eigenkapitalquote der Bank deutlich auf 9,4 Prozent. Zuvor war dieser Wert auf gut sechs Prozent zusammengeschmolzen. Die Eigenkapitalquote spiegelt das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten wider.
Zur Bedingung für die Hilfen hat die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes gemacht, dass die Bank ein Restrukturierungskonzept vorlegt. Der Plan soll bis Anfang Oktober stehen. Angeblich stellt die Bank dabei ihre kompletten Beteiligungen auf den Prüfstand. Womöglich trennt sich das Institut auch von seiner Immobiliensparte.
Am 1. Oktober sollen Trägerversammlung und Verwaltungsrat über das Konzept befinden. Nach Oettingers Angaben wird es Mitte oder Ende Oktober ein Spitzengespräch mit Kroes geben. Dabei wird es auch nochmal um Zinsen und Gebühren für die Kapitalspritze und die Garantien gehen. Bisher rechnet die LBBW mit Kosten von 750 Mio. Euro, die allerdings den Kapitalgebern - also den Eigner – zugute kommen.