Großbanken bevorzugt?Lehman-Gläubiger streiten
Forderungen von fast 370 Mrd. Dollar soll Lehman begleichen. Die eigenen Vermögenswerte beziffert die Pleitebank auf knapp 60 Mrd. Dollar. Kein Wunder, dass ein erheblicher Teil der Forderungen strittig ist. Der Insolvenzplan ist deshalb noch nicht in trockenen Tüchern.
Die Gläubiger der zusammengebrochenen US-Bank Lehman Brothers müssen womöglich länger auf ihr Geld warten. Ihnen schuldet der einstige Wall-Street-Riese nach eigener Auskunft sechs Mal so viel, wie er noch an Vermögen besitzt. Die Zustimmung des zuständigen Gerichts zum Insolvenzplan wird sich nach Worten eines Lehman-Anwalts verzögern. Der bisherige Zeitplan sei nicht zu halten, sagte Anwalt Harvey Miller in einer Anhörung vor Insolvenzrichter James Peck.
Als neues Ziel nannte er einen Termin "deutlich vor dem Jahresende", nachdem bislang eine Billigung bis Ende März angestrebt worden war.
Milliardensummen
Grund sei ein Streit mit einer Gruppe von Gläubigern. Diese sieht im Insolvenzplan Lehmans eine Bevorzugung der Großbanken und hatte daher im Dezember einen alternativen Plan eingereicht. Mit diesen Kritikern, darunter der milliardenschwere Investor John Paulson, muss Lehman sich nun zunächst einigen.
In einer Mitteilung an die zuständige Aufsichtsbehörde beziffert Lehman die Forderungen der Gläubiger auf 369 Mrd. Dollar. Das Gericht werde davon wahrscheinlich 322 Mrd. anerkennen. Ein erheblicher Betrag sei strittig, darunter 40,3 Mrd. Dollar im Zusammenhang mit Derivaten. Den Forderungen stellt Lehman 60,1 Mrd. Dollar an eigenen Vermögenswerten gegenüber.
Offene Forderungen
Der Restrukturierungsexperte Bryan Marsal, der Lehman führt, sagte Richter Peck, die verbesserten Marktbedingungen für Übernahmen und Fusionen gäben Lehman eine günstige Gelegenheit, in den kommenden sechs bis zwölf Monaten Vermögenswerte zu verkaufen.
Weitere Milliarden will die Pleitebank in separaten Klagen gegen Großbanken wie Barclays, JPMorgan Chase und andere eintreiben, die Lehman das Geld noch schuldeten.
Insolvenzplan muss stehen
In dem Insolvenzplan wird festgelegt, in welcher Rangfolge und zu welchen Anteilen die unterschiedlichen Gläubiger aus der Insolvenzmasse bedient werden. Mit der Auszahlung kann Lehman beginnen, sobald die Gesellschaft die Insolvenz verlassen hat. Normalerweise können Unternehmen dies kurz nach der Billigung des Insolvenzplans tun. Doch im Falle Lehmans ist unklar, wie schnell es geht.
Bei Lehman Brothers waren am 15. September 2008 nach 158 Jahren die Lichter ausgegangen. Es ist die bei weitem größte Firmenpleite in der US-Geschichte. Das Institut war sehr stark in Immobilien, Hypothekenpapieren und komplexen Kreditverbriefungen engagiert. Dramatische Wertverluste in diesen Anlagen brachen Lehman das Genick: