Wirtschaft

Allseits bekannte Risiken?: London beäugt ETFs

Die ehrenwerte Bank of England erhebt börsengehandelte Indexfonds in den Stand der offiziellen Wackelkandidaten. Vor allem Produkte mit Hebel wecken in London das Misstrauen der Notenbanker.

Straßenszene in der City of London: Nur das Unbekannte vermag zu schrecken.
Straßenszene in der City of London: Nur das Unbekannte vermag zu schrecken.(Foto: REUTERS)

Die britische Notenbank hat die Emittenten börsennotierter Indexfonds (ETFs) zur Mäßigung bei der Auflage neuer Produkte aufgerufen. "Es ist wichtig, dass die Industrie es mit ihrem Erfindungsgeist in Sachen ETFs nicht übertreibt", schrieb die Bank of England in ihrem jüngsten Bericht zur Stabilität des britischen Finanzmarkts. "Ein Risiko ist, dass die Vorteile von ETFs durch Komplexität, Undurchsichtigkeit und ungewisse Risiken mehr als aufgewogen werden."

Eines dieser möglichen Risiken betreffe die Liquidität börsennotierter Indexfonds, heißt es in dem Report. Die Börsenmakler seien nicht dazu verpflichtet, ständig Kurse für ETFs zu stellen. Dadurch könne der Wert eines Fonds stark von dem der Wertpapiere im zugrundeliegenden Index, dessen Wertentwicklung der ETF abbilden soll, abweichen. Das könne vor allem in schwankungsreichen Marktphasen passieren.

Besonders im Auge hat die BoE gehebelte ETFs. Diese vollziehen die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index beispielsweise doppelt nach, wobei die tägliche Performance ausschlaggebend ist. Durch diese tägliche Basis kann die Wertentwicklung gehebelter ETFs über längere Zeiträume von der erwarteten abweichen. Ein zweifach gehebelter ETF erzielt auf Sicht eines Jahres beispielsweise nicht automatisch auch den doppelten Wertzuwachs des Basisindex. "Es ist sehr wichtig, dass dies weiter beobachtet wird", schreibt die BoE in ihrem Report.

Risiken erkennt die Notenbank auch in der Wertpapierleihe. Viele ETFs, welche die Indexpapiere tatsächlich im Portfolio halten, leihen diese Papiere in begrenztem Maße an andere Marktteilnehmer aus. Dafür erhalten sie Leihgebühren, die sie als Zusatzerträge verbuchen können. "Ein Risiko ist, dass der Anleger im Falle der Zahlungsunfähigkeit des ETF-Anbieters am Ende etwas anderes als die beabsichtigten Indexpapiere halten könnte", heißt es von der BoE.

Die Mehrheit der ETFs hält die Indexpapiere nicht im Portfolio, sondern tauscht sich die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index über Swap-Geschäfte mit anderen Marktteilnehmern ein. Dabei entfällt zwar die Wertpapierleihe mit den damit verbundenen Risiken. "Jedoch sind die Fonds aufgrund der verschiedenen Derivategeschäfte dem Kreditrisiko der Gegenparteien ausgesetzt", schreibt die BoE.

Unter ETF-Experten verpuffen die Kommentare der Notenbank zu ETFs weitestgehend. "Daran ist überhaupt nichts Neues", sagte Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse beim Datenanbieter Lipper. "Diese Fakten sollten jedem Anleger bekannt sein."

Quelle: n-tv.de

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